Artikel 3
B 12vArticulus III
<Summarium> Von eigintschaft an gebort.
<Textus>
[3 § 1] Man spricht aber, daz hie uor by den alden fursten gesaczt ist: Ap eyna vry man eyne eygene zcu eynem wybe neme, daz zotan geslechte, daz von en queme, solde
dem vatere volgen vnde nicht der muter.
[3 § 2] Sint dem mole saczten die gewaldigen hern von ires selbst rate, vnde nicht von der
gemeinen lute wilkor: Ap eyn vry wip eynen eigin man neme, daz do kunne von quem,
des mannes kunne solde uolgen dem vatere, vnde des wibes solde uolgen nach der muter.
[3 § 3] Nu sagen aber dy lute, daz dy fursten bye keiser Friderichz gecziten gesaczt haben,
ab eyn vry man eyn eigen wip neme, ader eyn vry wip eynen eigenen man neme, daz alles
dazb geslechte, daz douon queme, solde volgen der muter, vnde nicht dem vatere, daz ist,
nach der eigin hant.
[3 § 4] Aber von angenge des rechten zo hat daz recht gestanden, /B 13r daz vry gebort nymer eigen kindere gewynnet. Sint bischoff Wigmans gecziten zo hat
daz recht gestanden, vnder koning Heinrichz gedinge, daz beyde sone vnde tochtere
gehoren nach der muter, vnde nicht nach dem vatere, er sy Dewczsch ader Wendisch.
[3 § 5] Welch man sine vriheit wandilt in eyne eigintschaft, der hot beide friheit vnde
eigintschaft vorlorenc.
Gloza
Noch dem alz ir gehort habt, wy eigintschaft vffkomen sy von gesacztem rechte, vnde
waz des beschrebin rechtis sache sy.
[3 § 1] Nu wil er hie sagen von eigintschaft nach gebort. Wenne eczliche wolden, daz eigintschaft
queme von dem vatere. Nu wollen ouch eczliche lute, daz eigintschaft queme von beider
halben. Daz ist zcu uornemen: Weren is sone, zo solden sy volgen dem vatere, vnde
die wibis kunne sulden volgen der muter, der vater were eigin ader nicht. Disz entscheit
daz recht, daz obir disze opiniones gesacztd ist, vnde spricht, daz beide sone vnde tochtere sollen volgen der muter, ut Instituta
de iure personarum § servi autem1. Wenne daz recht spricht eigintlich: Partus sequitur ventrem2.
Nympt eyn vry man eyn eigen wib et cetera. Jr sollit wiszin, daz waz eczwan, daz man die mutere an sach, dornach
rechte man die gebort, ut Instituta de ingenuis § ingenuus3. Vnde darumme ist eyne gemeine regele: Ap eyn eigin wip entphinge eyne frucht, vnde
wurde in der frist vry gelaszin, /B 13v dy wile dy frucht noch by ir were, vnde daz wip wurde wider eigen, were dy frucht
nache der gebort fry ader eigen? Disz vorantw(er)t daz recht, vnde spricht, die frucht
were vry; wenne die muter mochte sich wed(ir) eigin gebin, vnde nicht die gebort,
ut Institu. de ingenuis § quesitum est4, <et> in aut. de constitu., que ab sequenti ex libera natosf liberos esse vultg § i colla. v5.
Jr sollit wissin abir, daz wir Sachzen aber slan nach der vryen gebort, wen daz recht
saget, daz alle Wende vry sien. Vnde daz recht brochte uff bischoff Wigman von Meideborgk.
Jr sollit wiszin, alz wir vor gesprochen habin von eigen. Soh ist eyn vndirscheit czwisschen eigin vnde dinstluten. Wen eczliche sprechen, daz
dinstlute eigin sien, ut in ss li. iii ar. xli got hot den menschen6. Vnde do spricht er Eicke, daz von angenge, do man recht saczte, do were kein dinstman
gewest, sunder do weren alle luthe vry gewest, alzo ouch hir vnser recht vzwist, supra
ar. i § lantrecht7. Weren denne do keine dinstlute gewest, <soi weren auch alle ding fry gewest,i> vnde daz were <widderj> keiserrecht, ut Instituta de iure personarum § summa itaque8. Vnde wer denne eyn erbdinstman ist, der ist nicht vry, vnde darumme ist er eigen,
ut C. de agricolis et censitis l. non diucius9, <et> ff. de legatis l. si quis inquilinus10. Ist er denne eigen, so ist daz valsch; vnde der diffinicio ist nicht genug domete
getan. Wenne alle luthe sien enczwer vry ader eigen.
Solucio11. Jr sollit wissin: Etczlich dinst lyt vff mannen; eczlich vff gute. Der dinst, der
vff mannen liet, der macht eynen eigen, vnde heist servus; vnde der dinst, der vff
deme gute liet, macht eynen nicht eigen, sundir muz douon dinen deme, des daz gut
eigin ist, darumme daz er daz gut haldin wil, ut C. de censitis <l.> ne diucius12.
Jr13 sollet wiszin dis(ser) sachen eyne vndirscheit. Wovon der eigene dinet, das /B 14r ist substanciale. Wen er ist eyne vndirscheidunge des dinstes, vnde dinet vmbe sien
lebin, ut Instituta de iure personarum § servi autem14. Des dinstmannes dinst ist <accidentalek>. Wenne er dinet vmme daz, daz em accidentaliter zcugeleget w(er)t vmme sien dinst.
Daz15 eyn dinstman nicht eigin ist, daz moget ir mercken do by, wenne der dinstman dinet
vmme eczwas, daz ist vmme daz guth; der eigin abir vmme daz, daz er lebin moge.
Der18 dinstman darff nicht orloubel von sinem hern habin, ab er prister wil werden, der eigin mus aber orloub habin,
<ut> C. de episcopis et clericis l. ingenuus § servus19, <et> extra de servis non ordinandis c. instruendi20.
Ouch21 mogin dinstlute ir gut laszin vnde lien, daz mogin die eigen nicht thun, ut Instituta
per quas personas nobis acquiritur § item nobis acquiritur22.
Nota. Eigin sien worden drierley wyse: Enczwer eigen sien worden von gesacztem rechte,
ader sien eigen wurden geborn, ader die von eigen wib(er)n sien geboren.
Dy eigen, dy von gesacztem rechte eigen wurdin sien, daz ist von gefenckenisz, alzo
vor gesprochen ist, ader er ist vry gewest, vnde hat sich selbir eigin gemacht, enczwer
mit vorkouffene ader mitm vorgebine.
Jr sollit wissin vorbasz mehr. Welden sich eyn vry man eigen geben, darczu ist nod vir sundirliche stucken; daz selbie
ist ouch not zcu eynem kouffe. Czum ersten mole sal der kouff tougen. So sal, der
sich vorkoufte, xx iar alt sien, ut ff. de statu hominum l. iiii23, <et> C. de <libertateo> l. ministerium24. Czum andern mole, daz er des geldis genoszin habe, <ut> C. de liberali causa l.
non adeo25. Czum dritten male, daz is mit der erbe wille gesche, <infrap> e. c. ult.26, <et> C. de quibus ad libertatem declamare non licet /B 14v l. i27. Ouch sal man alzo vorkouffen, daz man des vorkouften erreheitq nicht en wisse, ut ff. de <liberalir causar> l. liber § si quis sciens28. Ouch sal der kouff vor gerichte bestetiget werden. Vorgibt sich aber eyn frier eynem
eigen, vnde zcu sotaner gabe gehorit allis daz, daz zcu eynem kouffe gehorit; man
mochte is anders weder reden, vnde mit rechte an sine vriheit brengen; wen daz mus
geschen mit der erbin wille; vnde darumme spricht der text: Man vint ouch in dem alden rechte geschrebin, das sich selber vor gerichte nymant
zcu eigen gebin mag jn wichbilde, is <widders wendes> wol sien erbe et cetera29. Vnde do mete zo rurtt er zcwu sachen. Czum ersten: Sal der kouff ader dy gabe crafft habin, so sal die
gabe mit der erbe wille vor gerichte bestetiget werden. Vnde darumme mochte weder
Noe noch Ysaac keinen zcu eigen geben, sint sich eyner selbir ane erbin orloub vnde
an geheget ding zcu eigen nicht gebin mag. Jr sollit wissen, daz man eynen sotanen
nicht vry laszin moge, man gebe denne daz gelt, daz er ghenen koste, vnde mit ghenes
wille, der en <gekoufftu> hatte; vnde sal en ledig vnde losz lassen an der stat, do er sich zcu eigen gegebin
hat, ut ff. de statu hominum l. homo liber30.
Nota. Eyn eigen irkriget sine vryheit wider mit rechte, ab er sines hern tot werte,
ader valsche monczere melte, ader hurenczog offinbarte, ut C. quibus causis servi
premium accipiunt libertatis l. i31, et xxiii32. Vnde daz irwerben sy mit rechte kegen and(er)n luten, daz sy ir herre vrie vnde
ledig laszin mus.
Jr soll(et) wissen: Er ist sinem herren phlichtig, ewiglichen zcu dinen, die wile
er en nicht ledig lest; vnde mus by nodt dinen vmme sien lebin; vnde waz dem eigen
geschit, daz mus man dem hern bess(er)n, vnde nicht dem eigen; vnde der herre /B 15r mag en vorterbin vor gerichte, ut ss li. ii ar. xix der vater vnde der herre mag wol33.
[3 § 5] Welch man sine friheit. Daz ist vnderscheiden: Welch man syne friheit wandelte in eigintschaft, daz ist, ab er sich selber williglichen vorkouft ader vorgibt ane erbin orloub,
der hat beide vriheit vnde eigen vorloren. Daz ist zcu uornemen: Er mag keines frien mannes recht nicht gehabin, erbe zcu nemen
noch vries mannes recht haben an busse vnde an wergelde, <ut> ss li. i ar. xvi kein man mag irwerben ander recht34, <et> ss li. ii ar. vi wer syne rechte busze vorspricht35. Ouch nympt der vrye man nicht eigen mannes erbe, wenne is vellet an sinen hern.
Vnde sint sich denne kein man zcu eigen gebin mag ane siner erbin orloub. Wenne keine
eigintschaft an eynem geboren moge werden, die muter were denne eigen.
Vnde darumme ist daz recht gesaczt, daz czwischen eigen vnde vrie keine ee gesien
moge. Wen neme eyn eigin wib eynen vrien man vnwissende, ader eyn vrie einen eigen,
vnde mag sich der eigen von sinem hern nicht frien, man mag sy scheiden, vnde eyn
igliches nymmit wol eynen and(er)n gegaten, ab is wil, ut xxix q. i <c.> si quis36. Vnde <czogev> eyn eigen in eynen orden wider sines hern wille, man muste en sinem hern wider geben,
ut liiii di. <c.> generaliter37.
Hie by moget ir wol mercken, daz daz gesaczte recht vnde die saczunge ist komen obir
daz naturliche recht, alz ir vornomen habt.
a doppelt B.b doppelt B.c et cetera folgt B.d doppelt B.e unterpunktetes friheit folgt B.f -o- über nicht getilgtem u B.g vu ligiert B.h rubriziertes differencia inter eigin vnde dinstlute am Rand B.i–i so L fol. 11ra; fehlt B.j so L fol. 11ra; fehlt B.k so L fol. 11ra; accedentale B.l or- nachgetragen B.m unterpunktetes vorko folgt B.n rubriziertes wen sich eyn fry man wil eigen geb<en> am Rand B.o so L fol. 11rb; libirtate B.p supra B.q davor verschriebenes erreheit unterpunktet B.r–r liberatinis B.s–s so L fol. 11va; wed(er)t B.t mit Einfügungszeichen am Rand B.u so L fol. 11va; vorkouft B.v czogen B.
1Inst. 1, 3, 3 oder 1, 3, 4.
3Inst. 1, 4 pr.
4Inst. 1, 4 pr. fünfter Satz gegen Anfang.
5Nov. 54, 1.
6Richtig: Ssp.-Landrecht III 42 § 1.
8Inst. 1, 3 pr.
12Cod. 11, 48, 21.
14Inst. 1, 3, 3.
20X 1, 18 c. 1.
23Dig. 1, 5, 4. – Richtig: Dig. 1, 5, 5, 1.
27Cod. 7, 18, 1.
30Dig. 1, 5, 21.
31Cod. 7, 13, 1.
32Richtig: Cod. 7, 13, 2 und 7, 13, 3.
33Ssp.-Landrecht II 19 § 2.
34Ssp.-Landrecht I 16 § 1.
35Ssp.-Landrecht II 6 § 1.
36C. 29 q. 2 c. 2.