Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
Artikel 1››
<Articulus I>
<Textus>
B 1r[1 § 1] Nv horet vnde vornemet von d<es>a rechtes begin, vnde von wanne is her komen ist.
[1 § 2] Daz1 recht ist drierhande: Gotis recht ist daz erste; marcktrecht ist daz andere; lantrecht ist daz dritte.
[1 § 3] Gotes recht ist, daz go<t>b selbe<r>c gesatczt hat von anege<nge>d der werlde mit eyner naturlichen ee, alz an Adam vnde an Ewan, vnde ouch an der rechten ee bestetiget hot die cristenheit. Gotis recht ist ouch, daz got selber gegeben hot der Romischer gewalt, alz no<ch>e die cristenheit ist von sente Peters halben, dem babiste gehorsam zcu syne vnde allen erczbischouen vnde iren vndertanen von sinent halben an geistlicher gewalt nach bannes rechte, vnde allen epten vnde probisten vnde erczpristern vnde iren vndertanen.
[1 § 4] Marcktrecht ist, daz marclute vnder en selb(er) gesatczt haben von ires se<lbist>f willekore nach der alden gewonheit, alz die von Athenis, von Kollen ober Ryn vnde andere gute stete halden nach Karolus rechte, die zcu Sachzen in dem lande nach ires selbist wilkor le<b>eng.
[1 § 5] Lant/B 1v<re>chth ist ouch, daz die luthe vnder en selbist gesatczt haben by koning Allexanders gecziten hiuor, do sie miteynander orlewgeten, vnde Romischen hern vortreben vnde vingen. Do satczten sy das recht vnder enander selber, wer zo in dem orlouge geuangen wurde, den solde man mit eynem and(er)n loz<e>ni, ader mit silber, ader mit golde; tete man daz nicht, so solde man en zcu dinste behalden.
[angebliches Ottonisches Privileg]
Inj gotes namen amen. Wir Otto der grosse, Romischer koning, zcu allen gecziten merer des reiches, thun kunt mit orkunde diszer gheinwertigen schrift allen den, die sy sehen, horen ader lezen, daz vor vns vnde uor vnser maiestat sint komen die getruwen vnde manhaftigen disses reiches vndertenigen, die werden Sachzen, in den synnen vnde haben vns uorgeleit, wie <siek> sich in gotis frede zcusampn<e>l halden wollen, vnde s<i>chm beseczen, vnde haben in mit vnser gewalt eyne wo/B 2rnunge irwelt, do sy bauwen wollen, vnde eyne stat befesten, vnde sy wolden do mit begenaden vnde bestetigen vnde vrede dorober wircken von vnser keiserlicher maiestat, vnde sy besachen mit eynem rechte. Daz haben wir angesehn ire grozse liebe vnde truwe, die sie zcu dem heiligen cristen glouben haben, vnde ire getruwe manheit vnde dinste, die sy stetiglich in dem riche vnuordrossenlichen vnde getruwenlich thun vnde gethan haben, vnde ire erliche vnde getruwe bethe, die sy gethan haben, vnde sint zcu rate worden mit wiszin vnsers heiligen vaters, des babistes Martini, der von syner bebistlicher gewalt von sente Peters halben sinen vreden dorczu gegeben hat, vnde bestetiget, vnde den bestetige<n> wir mit wissintschaft vnde mit rate des reiches fursten, vnde mit des landes uolbort, vnde mit des selbes wilkor, vnde irloubeten den vorgnanten Sachzen, vnsern lieben getruwen, zcu buwen vnde zcu beuesten eynen marckt, <z>cun hegen noch alle der wise, alz marcktrecht von alders gestanden hot.
Wir /B 2v geben den selbien vnsern liben getruwen vnde allen iren nachkomelingen ewigen freden, in der stat by namen, vnde sunderlichen geben wir der stat sotane gnade, vryheit vnde frede ewiglichen zcu nutczen, vnde be<g>naden <sieo> mit zotanem rechte, alzo dy edeln vnde hochgebornen Constantinus vnde Karolus den wirden Sachzen vnde dem lande gegeben haben, daz sy nu vnde ewiglichen mit diszem brieue haben vnde nutczen sollen nach irer stat nucze vnde fromen, ere vnde gemach, gemeynniglich zcu nuczen vnde zcu haben nach des rechtis vzwisunge, gemeniglich vnde keinem sunderlichen, em worde denne recht uorteilt.
Wir geben sy vrie von vns vnde von allen uns(er)n nachkomelingen ewiglichen, zo daz die selbie stat vnde ynwaner sollen ewiglichen vry sien des reiches, die wile sy ire vriheit halden, alz recht ist.
Wir geben ouch kraft vnde macht der selbien stat, die Meideborg gnant ist, waz der stat vorstender mit der /B 3r wegisten rathe vnde mit uolbort der gemeine vnder enander globen vnde tun, der stat zcu nucze, zcu ere vnde zcu gemache, daz das craft vnde macht sal haben, alz ab is uon dem riche geboten were; vnde besiczen sy mit der selbien willekor iar vnde tag, zo sal man sy halden, abp sie selber wollen; besiczin sy aber domit geruchet, alzo recht ist, die selbie wilkore behelt beschrebin rechtis kraft, ab sy wider eyn beschreben recht nicht en weren, noch ouch wider den cristen glouben.
Wir gebieten vnde setczen ernstlich by vnser keiserlicher gewalt allen fursten vnde des riches vndertenigen herren, rittern vnde knechten, vnde allen ammechtluthenq, geistlichen vnde werltlichen, der vorgnanten stat Meideborg vnde allen iren ynwonern nicht zcu hindern, noch sy zcu beschedien an irer vriheit, gnaden vnde rechte, dy wir der selbien stat gegeben haben, besweren sollen mit gewalt, mit lozunge, mit heersture noch ouch mit keinerhande beswerunge.
Wir geben on gewalt, zcu /B 3v herschen do nach wichbilde rechte, do bie wir sy selber behalden wollen, vnde dor umme zo sal daz ouch kein man thun, vnde wer hie weder tete, der sal voruallen sien der keiserlicher gewalt, vnde waz on do weder fert, do wollen wir vnde alle vnsere nachkommelinge dy selbe stat vnde alle ire ynwanere schadeloz behalden, vnde gebin der selbien stat vnde allen iren ynwanern zcum eynem rechten vormunden daz heilige recht vnde gerichte vnde den Romischin keiser mit des reichz korfursten, beide geistlich vnde werltlich, zcu uorstehen an dem heerschilde vnde an allen nuczen vnde fromen.
Czu eynem ewigin gedechtenis zo haben wir mit uolbort des hymmelischin reiches, daz ist bebistlicher gewalt, vnde mit des richz fursten, vnde mit des landes willer noch ires selbist wilkor alle gnade, vriheit, recht, articulos, satczunge vnde wilkore bestetiget, befestent, vorbunden vnde vorsigilt mit vnser keiserlicher maiestat, die angeha<n>gen ist mit eynem gulden czeichen. Daz gegeben ist nach Cristi /B 4r gebort nuͤnhunderts iar vnde xcix iar in dem andern iare vnsers reiches, in dem sobenden tage des brochmonden, uff der stat, do iczunt Meideborg liet.
[Ende des angeblichen Ottonischen Privilegs]
Glosa
[1 § 1] Recht ist eyn steter wille vnde ewig, vnde gibt von gotlicher anwisunge eyme iczlichen das seine, vnde thut eyme iczlichen dinge syn recht2.
Jr sollit wissin, daz in diszir diffinicio, daz wir eyne vzwisunge heiszin, ist gar slecht begriffen, waz recht sy. Dorumme das der leser vnde der zcuhorer nicht beswert werden, wen uil wort besweren vnde vorirren die menschliche gedancken, daz sy nicht zo eigintlichen begriffen mogen der wortere craft, vnde darumme hat er deste slechter gesprochen, alzo wir vor gesprochin habin: ,Recht ist eyn steter wille‘ et cetera.
Deser wille ist got. Darumme spricht ouch der wirde herre Eicke in dem beghin des Sachzenspigils: Got ist eyn begyn vnde eyn ende aller dinge3.
Jr sollit wissen: Des rechten orsprung ist anders nicht, denne anwisunge des ewigen gotis, vnde die sache des rechten ist anders nicht, wen daz man boze torstigkeit do mete czeme vnde betwinge; vnde darumme zo worden recht gesaczt, daz man durch des gesaczten rechtis wille betwunge menschliche torstigkeit, ut iiii di. <c.> facte sunt leges4.
Nota. Sint ir nw wist, worumbe daz recht gesaczt ist, zo sollit <irt> ouch wissen, wie das vzgesaczte recht vff komen ist. Wist, daz is in vierley <wyszeu> vfkomen ist.
Primo. Der vorstender des heiligen richz, der do recht zcu gebin <hatv> gemeiniglichw aller werlde in werltlichin sachen, wen(ne) der keiser wart gefraget vmme eyn recht, die antwert, die den(ne) der keiser tat, daz wart eyn recht.
Secundox. Wo die keisere eyne sache entscheiden, daz wart ouch eyn recht.
Tercio. Zo wart ouch eyn recht, waz die keisere von iren vrien willen saczten.
Quarto. So wart das eyn recht, /B 4v waz sie von gnaden habin gegebin, alzo der Sachzen privilegium vnde disz gheinwertige buch, daz do bestetiget ist von der keiserlichen gewalt, ut C. de veteri iure enucliando l. deo auctore nostro5, § mirabile6, <et> C. de legibus et constitucionibus l. i7, l. cum novo8, § si imperialis9.
Noch dem mol daz denne den Sachzen ir recht entscheidin waz vnde dem lande, vnde bestetiget, dorumme ist dis nu sunderlichen gesaczt; vnde wo denne eyn recht ober eyn andir recht gegeben w(ir)t, do mus daz eldiste wichen. Nu frage<n> wir, ab nu der Sachzenspigil domete icht vorleget sy, sint dis privilegium obir ghens gegebin ist?
Libin herren vnde besund(er)n frunde! Alzo die stat zcu Meideborg mit diszim gheinwertigen privilegio begnat ist, vnde bestetiget, das eczlicher masze zcu korcz an sinen worten ist, darumb habin wir dis kegenwertige privilegium mit volbort vnde mit rate der achtparn des keisers vnde des land(es) vz dem lantrechte geczagen, daz wir ouch den spigill heiszen, do mete wir vns des lantrechtes noch des lehnrechtis des Sachzenspigils nicht vorczegen habin. Vnde daz ist geschen durch sunderlichir sachen willen.
Primo. Is ist zcum ersten vz dem Sachzenspigele geczogen, so daz is eczwas sunderlichs habe an em selber. Wenne wurde eyn orteil gestraft zcu Meideborg, mit dem gestraften orteil man sich nicht beruffen mag an den koning, sunder an den phalcz; wenne nach lantrechte muste man sich beruffen an den koning, ut ss li. ii ar. xii wenne man10 ver. schilt man eyn orteil11.
Secundo. Zcum and(er)n male zcu eyner iruullunge des rechten. Alz ap icht in dem lantrechte mit korczin worten were begriffen, daz man daz in dissem gheinwertigen rechte volkomelich(er) vornemen moge, wen er <haty> in dem lantrechte, <ut> ss li. ii ar. lx wo der burmeister et cetera12. Alleine h<ot>z er berurt von deme, der die gemeyne vorstehn solle, doch zo ist do nicht eigintlich nicht gnugk gethan /B 5r mit den worten, alleine is wol begriffen ist volkomelich mit dem synne.
Tercio. Zcum dritten male zo ist es darumme, daz der syn, der in dem lantrechte begriffen ist, vnde <ana'> manichen enden gesaczt ist, der ist mit korczin worten hir begriffen an eyner stat. Durch diss(er) sache wille, vnde dennoch uil mer, so ist dis privilegium bestetiget; vnde darumme ist dis nicht ober den Sachzenspigil, sunder is ist eyne anwisunge des Sechzichisschen rechtis; wen(ne) alz man dis vornu(n)ftiglich vornymt, das daz mynste an dem rechte ist, do by ist zcu uornemen daz groste vnde daz behendiste. Wenne leges vnde kunste weren vmmesust, weren nicht geringer kunste, die ghens irluchten, alz: Instituta sint <commentab'> legum. Alz ist dis ouch eyn commentum des Sachzenspigils, vnde wenne man dis irkennet vnde weis, so hat man ghens deste geringlich(er) zcu uornemen. Vnde des ist die sache disses buches, worumme isc' gesaczt ist. Vnde dorum(me) so wolle<n> wir mit der hulffe gotis griffen an das recht, vnde wollen sagen von des rechten vnderscheit, vnde sprechen:
[1 § 2] Recht ist drierhande: Gotis recht ist das erste et cetera. Recht aber zcu sprechen zo ist enczwer das recht vffkomen von naturen, ader von eynem gemeinem statrechte, ader von der luthe gewonheit. Vnde daz rurt hie der meister des privilegii. Das naturliche recht rurt er, do er spricht: Gotis recht ist daz erste. Daz andere rurt er, do er spricht: Lantrecht.
[1 § 3] Gotis recht heisset naturlich recht durch vierley sache wille. Wen sien beghin ist von naturen, vnde die nature hat ir beghin von gote; dorumme zo heist naturlich recht gotis recht.
Primo. Zcum ersten male zo heist gotis recht naturlich recht darumme, daz is dy nature anwist allen luthen vnde allen creaturen. Das is die /B 5v vorheiszen ee, do von ist komen aller tyr termunge nach redelicher ordenunge, ut ff. de iure naturali l. ius autem naturale13. Vnde douon spricht ouch Instituta de iure naturali § ius naturale14. Vnde dis ist eyne naturliche ee, vnde das ist alleine nicht den menschen, sund(er)n allen creaturen gegebin, ut Institu. e. t. § <namd'> ius istud15. Alz an Adam vnde an Ewan mit der rechten ee bestetiget hot, die cristenheit zcu behaldene; daz ist eyne gotliche vortruwunge, ut i di. <c.> ius naturale16, vnde dis vint man ouch Institu. de iure naturali § hinc descendit17. Vnde dis ist effectus iuris genant, vnde in dissem rechte ist alle vriheit vnde alle gemeinschaft.
Secundo. Darumme heist ouch naturlich recht gotis recht durch siner gemeynheit wille. Wen noch dissim rechte zo sien alle luthe vry vnde alle ding gemeine, ut Institu. de rerum divisione § singulorum18.
Tercio. Zo heist ouch gotis recht naturlich recht darumme, das <ise'> redelichkeit an em hat. Alz wer icht gelabt, daz ist naturlich vnde redelich, daz er is leiste, ut ff. de pactis l. ii19.
Quarto. Ouch zo heist naturlich recht alzo uil, alzo redelich vnde erlich. Daz ist ouch gotlich, daz man nymande schade, vnde ouch thoren nicht betrige, ut ff. de minoribus l. i20, <et> Institu. de obligacione que ex quasi delicto nascitur § ii21.
Alzo ist naturlich recht gotis recht gnant. Gotis recht ist ouch, daz got selber gegeben hot der Romischen gewalt. Vnde dis heist geistlich recht; daz ist, daz vns got selber gelart hot vnde geprediget hat in dem ewangelio, ut i di. <c.> humanum genus22.
Jr sollit wissen, daz dis naturlichen vnde geistlichen rechtis geboth drierley sy in em selber. Js gebut zcum ersten male, erlich zcu leben in eyner rechten vnde naturlichen ee, ut ff. de ritu nupciarum l. semper23, et Institu. de iusticia et iure § iuris precepta sunt hec: honeste vivere, alterum non ledere, /B 6r iusf' g' suum unicuique tribuere24. Daz ist: ,Honeste vivere‘, das heist, erlichen leben, do meint daz recht eynen yderman selber; ,alterum non ledere‘, daz ist, daz eyner dem and(er)n nicht schaden solle weder recht; ,suum unicuique tribuere‘, daz ist, eynem ydermanne daz syne geben ader laszin. Daz ist zcum ersten gote; wen(ne) in gote sollen wir erlichen leben, daz ist, mit rechter gehorsam. Czum and(er)n male meint daz recht eynem ydermanne selber, daz er sich an keinem dinge vorgessen sal kegen eynem and(er)n. Czum dritten male kegen sinem ebinmenschen; wen(ne) waz ich von nymande liden wil, daz sal ich ouch eynen and(er)n irlaszin, ut i di. <c.> quo quis iubetur25. Vnde das sint desh' naturlichen rechtis geboth, vnde douon steit ss l<i>. i ar. liii wer nicht uolget et cetera26. Recht ab er sprechen solde: Is ist nicht genug, daz eyn man wol gut ist ghein em selber, sunder er sal ouch sinem ebencristen helffen, daz er recht bekome.
Nota. Statrecht ist daz, do sich die luthe zcusampne saczten, vnde do sy beghunden zcusampne, daz ist mit eynandern, zcu wonen. Waz sy do vnder eynander saczten, daz hilden sy vor eyn recht nach ires selbist willekor. Alzo do Enoch, Cammes son, buwete die stat, die Enoch heist27. Vnde dis recht heist ius civile; vnde daz ist statrecht, ad(er) marcktrecht. Vnde heist darumme statrecht, daz eyne iczliche stat wilkort mit gotlichir anwisunge, ut di. i <c.> ius civile est28. Wen daz selbie recht, daz sie do wilkorten, daz ist ir recht genant, alz die von Ache vnde die von Koln haben, vnde heist ius civile alz uil alz der stat eigen recht, alz man spricht: Meideborgisch recht, ut Instituta de jure gencium et civili § nam quod quisque29. Vnde darumbe spricht er:
[1 § 4] Marcktrecht ist, daz die luthe selbist vnder en gesaczt habin. Vnde sotan recht heist eyn gewilkort recht, vnde von alder gewonheit, daz ist, daz solliche stete eyn teil halden nach gemeinem rechte, vnde eyn teil nach ires selbist willekor, <ut> Instituta /B 6v de iure civili § sed ius quidem civile30.
[1 § 5] Lantrecht ist, daz en die luthe vnder enander gesaczt haben. Vnde daz heist in dem Latin ius gencium, vnde ist genant des volkes gemeine recht. Vnde daz recht ist ouch gemeine allen luten, nach deme daz sy nodt antrit; alzo daz sy en vnder eynander gesaczt habin by koning Allexanders gecziten, do die luthe ghein enandir orlougeten vnde vingen, vnde sy do mete eyner den and(er)n yn eigintschaft brachten; vnde das ist weder daz naturliche recht, ut i di. <c.> ius gencium31. Vnde von dissim rechte, das wir des volkes recht heiszin, ist komen getwangk, gevenckenisz, eigenschaft, fredes gelobde. Vnde heist ouch darumme volkes recht, daz is alle die halden, ut ff. de captivis et postliminium reversis l. hostes32, <et> Institu. de iure naturali gencium et civili § ius autem gencium33.
Vnde daz selbie recht hat sinen orsprung von dem naturlichen rechte. Wen do eyner den and(er)n mit gewalt von siner vriheit vnnaturlichen wolde brengen, do waz io naturlich, daz man sich mit gewalt der gewalt mochte weren. Wen von sollichen sachen kompt fedeschaft, vnde sachen, do clage von komt, vnde ist weder das naturliche recht, des man sich mit des naturlichen rechtes saczunge weren moge. Vnde wer dem and(er)n vnrecht thut, der ist weder das naturliche recht. Wen daz naturliche recht ist gotis recht, vnde gotis recht wil: Waz eyner von dem and(er)n begert, daz sal er ouch gheme thun. Vnde des habin sich do die luthe vorwilkort: Wer den and(er)n vinge, den gefangen sal man lozen mit eynem and(er)n gefangen, ader mit gelde, ut Institu. de iure personarum § servitus autem34. Vnde die man denne nicht zo lozete, dy behilden sy zcu dinste nach dem gebote vnde willekore, die sy vnder eynandir saczten, ut Instituta de iure personarum § servitus autem35.
Jr sollit wissen, daz daz recht noch drierley vnderscheit hat.
Alzo eyn recht, daz heist /B 7r ritter recht, daz wir ouch lenrechti' heiszin; vnde heist in dem Latin ius feudorum, vnde von dem kompt adel vnde solt vnde beutunge vnde herschaft, ut i di. <c.> ius militare36.
So heiszit ouch eyn recht eyn offinberlich recht, vnde heist ius publicum zcu Latin, vnde ist gesaczt zcu der gemeine nucz, alzo pristerschaft vnde redelichej' meisterschaft, ut i di. <c.> ius publicum37.
So ist ouch eyn recht, das ist genant des Romischen riches recht, vnde ist genant in dem Latin ius Queritum, vnde komet von Romulo Quirino; vnde heist darumme des Romischen richz recht, wenne is kein volk mehr helt, wenne daz dem riche vndertan ist; vnde ist zcu uornemen von enelenden kind(er)n vormu<n>deschaft, vnde wen mank' eyn gut vorwert mit besiczunge, ut Institu. de iure naturali gencium et civili § Quiritum38.
Nota. Alzo ir denne diszin vnderscheit vornomen habit des rechten, zo sollit ir ouch vornemen, wie daz recht, daz wir eyn beschrebinl' recht heissen, ist vffkomen.
Jr39 sollit wiszin, daz eczliche volgeten dem naturlichen rechte, vnde eczliche nicht. Vnde douon ist komen zcwierley gewonheit. Die eyne gewonheit waz lobelich vnde ouch redelich, vnde die gewonheit waz der guten, vnde hatte ir beghin von der nature, ut xi di. <c.> in hiis rebus40. Die andere gewonheit waz der bozen, vnde waz widir die nature, als hie ouch der text vzwisit, der do spricht von dem lantrechte, vnde heiszit billicher eyne alde errunge, wenne eyne alde gewonheit, ut viii di. <c.> consuetudo41.
Durch42 desser zcwierley gewonheit wille zo waz not, daz darobir komen sint beschrebene recht, vnde die saczunge der alden keisere, darumme daz sy zcu hulffe komen den guten vnde irer gewonheit, vnde quemen zcu eyner vorstorunge der bozen vnde irer torstigkeit.
Nota. Dy43 saczunge, dy wir eyn beschrebin recht heisen, sint vffkomen von /B 7v kore, alzo wen der keiser vnder zcwen gewonheiten kosz daz redelichste vnde daz beste, vnde daz waz eyn gesaczt recht, ut xi di. <c.> usus aucto<r>itati cedat44, vnde heist eyn lex.
Nota. Ouch45 geschach is, daz uil luthe recht saczten vnde boten, daz man daz bestetigete kegen dem keisere, ut Instituta de iure naturali gencium et civili § plebiscita46.
Nota. Ouch47 so geschach is, daz die keisere saczten sunder gewonheit vnde bethe vnde kore, besundirm' daz sie selber irkanten, daz der gemeinen nucze vnde gut were. Wenne des babistes vnde des keisers redelichir wille macht eyn recht, ut ii di. <c.> constitucio vel edictum48, <et> Institu. de iure naturali gencium et civili § sed et quod in principio49.
Nota. Alz ir nu vornomen habit von naturen vnde von gewonheit, vnde wy daz beschrebin recht darobir komen ist, dem naturlichen rechte vnde der guten gewon<heit> zcu hulffe, vnde alles daz, daz vns das naturliche recht gibit vonn' gotlicher anwisunge, <daso' wirto'> behalden von allen luten vnuorwandelich vmmer mehr vnde stetiglich. Die gewonheit aber vnde die willekor, die en dy stete willekorn vnde machen, dy worden gar vfte gewandilt mit des volkes willekor vnde volbort, adir mit and(er)m rechte, daz darobir komet, do disze wilkor mete getotit w(ir)t, ut Instituta de iure naturali gencium et civili § sed naturalia quidem iura50.
Nota. Vnde darumme sollit ir wiszin, daz das <rechtp', das wirp'> nuczende syn in vnserm wichbilde, daz geth enczwer uff dy luthe, ader obir guth, ader vff clage, ut Instituta de iure naturali gencium et civili § omne autem ius51. Vnde darumbe so wollen wir zcum ersten griffen vff der luthe recht, vnde heiszit ius personarum.
a Loch im Papier B.b Loch im Papier B.c Loch im Papier B.d durch neuzeitliche Beklebung verdeckt B.e Buchstaben abgerieben B.f Schrift stark verblasst B.g Loch im Papier B.h Loch im Papier B.i Loch im Papier B.j rubriziertes Tenor privilegii am Rand B.k so L fol. 5rb; fehlt B.l Loch im Papier B.m Loch im Papier B.n Loch im Papier B.o so L fol. 5va; fehlt B.p davor alz unterpunktet B.q -luthen (irrtümlich?) unterpunktet B.r davor wilkor unterpunktet B.s davor ix B.t so L fol. 6ra; fehlt B.u so L fol. 6ra; fehlt B.v so L fol. 6ra; ist B.w erstes -i- über der Zeile B.x über Sunder B.y so L fol. 6rb; fehlt B.z Loch im Papier B.a' so L fol. 6va; fehlt B.b' so L fol. 6va; coniuncta B.c' ist folgt B.d' so L fol. 6vb; abbreviiertes natura B.e' so L fol. 6vb; fehlt B.f' davor Daz ist, daz eyner dem and(er)n nicht schaden solle unterpunktet B.g' über der Zeile B.h' doppelt B.i' len- über ungetilgtem lant- B.j' darüber ridderschop B.k' doppelt B.l' be- doppelt B.m' davor das unterpunktet B.n' folgendes na unterpunktet B.o'–o' so L fol. 8ra; w(ir)t is B.p'–p' so L fol. 8ra; fehlt B.
1Zu diesem Satz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht, Textus prologi (BG S. 112 Z. 9–11; PG S. 88 Z. 19 f.) und Glosse zu Ssp.-Lehnrecht, Vorrede (LG S. 53 Z. 1 f.; WG S. 25 Z. 4 f.).
2Vgl. Inst. 1, 1 pr.; Dig. 1, 1, 10 pr.
3Ssp.-Landrecht, Textus prologi.
4D. 4 c. 1.
5Cod. 1, 17, 1 (richtig: l. deo auctore nostrum).
6Cod. 1, 17, 2, 17 (richtig: l. tanta ...).
7Cod. 1, 14, 1.
8Cod. 1, 14, 11 (richtig: l. cum de novo).
9Cod. 1, 14, 12 (richtig: l. si imperialis).
10Richtig: Ssp.-Landrecht II 11 § 3.
11Ssp.-Landrecht II 12 § 4.
12Richtig: Ssp.-Landrecht II 55.
13Dig. 1, 1, 1, 3 (richtig: ff. de iustitia et iure l. iuri § ius naturale est).
14Inst. 1, 2 pr.
15Inst. 1, 2 pr. zweiter Satz.
16D. 1 c. 7.
17Inst. 1, 2 pr. dritter Satz.
18Inst. 2, 1, 11.
19Dig. 2, 14, 2.
20Dig. 4, 4, 1.
21Inst. 4, 5, 2.
22D. 1 Dictum Gratiani vor c. 1.
23Dig. 23, 2, 42.
24Inst. 1, 1, 3.
25D. 1 Dictum Gratiani vor c. 1 zweiter Satz Mitte (richtig: quo quisque iubetur).
26Ssp.-Landrecht I 53 § 1.
27Vgl. Gen. 4, 17.
28D. 1 c. 8.
29Inst. 1, 2, 1 erster Satz Mitte.
30Inst. 1, 2, 2.
31D. 1 c. 9.
32Dig. 49, 15, 24.
33Inst. 1, 2, 2 vierter Satz.
34Inst. 1, 3, 2.
35Inst. 1, 3, 2.
36D. 1 c. 10.
37D. 1 c. 11.
38Inst. 1, 2, 2 zweiter Satz Mitte (richtig: § sed ius quidem ver. vel ius Quiritium).
39Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht I 54 (I 55 § 1) (BG S. 398 Z. 2–9).
40D. 11 c. 7.
41D. 8 c. 8.
42Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht I 54 (I 55 § 1) (BG S. 398 Z. 10–13).
43Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht I 54 (I 55 § 1) (BG S. 398 Z. 14–16).
44D. 11 c. 1.
45Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht I 54 (I 55 § 1) (BG S. 399 Z. 1–3).
46Inst. 1, 2, 3 Ende.
47Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht I 54 (I 55 § 1) (BG S. 399 Z. 4–8).
48D. 2 c. 4.
49Inst. 1, 2, 6 (richtig: § sed et quod principi).
50Inst. 1, 2, 11.
51Inst. 1, 2, 12.