Anhang
II. Der Zusatz der „längeren Glosse“
(Die hier nach der Hs. L fol. 116va–122ra wiedergegebene Wurm’sche Glosse zu Ssp.-Landrecht
II 24 § 1–2 findet sich als Zusatz zur ursprünglichen Glosse zum Sächsischen Weichbild
in mehreren Handschriften und ist das Erkennungsmerkmal der längeren Weichbildglosse [siehe Einleitung unter „4. Zur Glossierung
der Weichbild-Vulgata und den Textklassen“ nach Fußnotenverweisziffer 20].)
(L 116va)[II 24 § 1] Man sal nymant vsz syner gewere wyszen et cetera, ss li. ii ar. xxiii1. Jn dyszem geginwertigen articulo vorbuͤth das recht dry sundirliche stuͤcke, vnd vorbuͤth dem richter vnd den scheppin, das sie nymands vsz syner gewere wyszen sollen.
Czum ersten mal vorbuͤth es das deme, das das gut eygen ist, is were beweglich add(er) vmbeweglycha, das er sich mit selb rechte vndirwinden sal. Nota. Uff dis recht muͤsse wir gryffen uff czwyerley gut, das ist uff farndes vnd vnfarndes, mit clage vnd
mit antwort; vnd wollen mit dem ersten gryffen uff farnde habe. Ab eyn man syne farnde
habe fuͤnde, das er lichte v(or)koufft hette, add(er) das is lichte dem /L 116vb vorsaczt were czu pfande, add(er) is lichte funden hette, add(er) jm lichte in wasser
czu geflossen were, roͤuberen add(e)r dieben abegeiaget were, add(er) suͤst an en kommen were; vnd yenner, als P., qweme vnd fuͤnde syn gut by M., „da ich das pferdt add(er) welch(er)ley ding is were von farnder
habe czum leczsten mal so was, das salt du mir gebin“; P. neme das syne mit gewalt;
M. qweme vor gerichte vnd clagete, das jm P. mit freuel vnd gewalt das syne genomen
hette widder got vnd widder recht, das er in geweren vnuorholen vnd vnuorstolen gehalden
hat, vnd nykeinem manne rechts davon gewegert hat, vnd begert rechts gerichts; vnd
yenner antw(or)t. P.: „Myn gut, das mir gestolen, genommen, entflossen, add(e)r wie
is von mir kommen ist, hab ich by jm gefunden, des hab ich mich vndirwunden uff recht,
vnd wil myn gut vortreten, wie mirs die schepp(i)n finden vor eyn recht, vnd bitte
in eynem rechten czu erfaren, ab ich mich nit syn czu rechte vndirwinden solle, add(er)
was darumb recht sei.“ M.: „Das besetcz ich mit uch, herre er richter, vnd ir getruwen
scheppin, das ers bekennt, das ers ane des richters orloub gethan hat, vnd jch jm
rechts nye gewegert habe, bitt ich in einem rechten czu erfaren, ab er mirs billichen
genomen habe, add(er) was darumb recht sei.“
Nota. Czwuͤsschen vw(e)r beider rede sprechen wir ein recht: Welch man eyn gut findt vndir einem
and(er)n, das syn were, vnd vndirwindt sich mit rechter gewalt, als Peter Mertin,
er hat sich mit vnrechte vnd(ir)wunden, ubi supra § i. „Sint dem mal das er sich mit vnrechte vndirwunden, bitt ich in einem rechten orteil
czu irfaren, ab er billich gethan hat.“ Hir uff spre/L 117rachen wir ein recht: Wer sich icht mit vnrechte vndirwindt widder des richters wille
ane loube, der thut vnbillichen. „Nu bitte ich in einem rechten orteil czu erfaren,
was da vnbillichen sei.“ Nota. Welch man sich guts mit vnrechte vndirwynt, der sal
is mit gewette vnd busse widd(er)gebin yennem in syne gewere, von rechtes wegin, ut
Insti. vi bo. rap. § sed ne dum2. Nota. Jn soͤlcher wyesze sprechen dy leges: Welch(er) man sichb des synen vndirwindt mit vnrechter gewalt vngeclagt, da sich yenner rechts nye gewegert
hat, da mus man yennen widder in syne gewere lassen; vnd also hat danne dyser des
synen alsuil vorlorn. So mag das danne P. clagen uff M. uff syn gut, so mus M. das
gut vorantworten mit rechte, <ut> Insti. de vi bo. rap. § si quis contra statuta3. Nota. Als clagt man, ab ein man mit vnrechter gewalt in eygen vnd in erbe fert,
da muͤsse er auch czu antw(or)ten, als N. vnd M. Niclaws sesse in guts gewere, da were er
mit rechte yn kommen. Nu weltte N. M. mit vnrechter gewalt nicht vsz tryben, sund(er)n
mit rechter clage. Darumb so spricht er hie: Man sal nymant usz et cetera, ubi supra4.
Czum and(er)n mal so vorbut das recht den scheppin vnd dem richter, das sie kein orteil
findenc, wanne sie sollen nymand <fehlt Text>, wie er syne gewere geczuͤgen sal, e man jm die gewere czuspricht, das er da recht czu habe, ut ss li. ii ar. xviii man mag nicht fynden5, <et> C. de proba. l. sive6.
Czum dritten so vorbuͤt das recht, das er auch nymande orloube, er werde danne mit rechten orteiln darczu
bracht add(er) gewyszt, wanne man sal nymande vsz tryben, <ut> C. de edendo l. ult.7, <et> l. edita8. Ab der richter vnd die scheppin wol wusten, das einer mit vnrechte in eins guts
gewere sesse, /L 117rb moͤchte jm der richter nit gebieten, das er usz czoge ane allirley not recht? Nota. Hir
uff sprechen wir eyn recht: Man sal nymande usz syner gewere wieszen, ab er sie wol mit vnrechte ynne hette, wie wissentlich is were, wanne dach der richter sal den cleger syne clage
lassen bewyszen von rechts wegen. Ab einer spreche, „die gewere ist myn, vnd czihe
mich an den richter vnd an die scheppin, den das wissentlichen ist, vnd bitte in einem
rechten czu irfaren, ab er icht myne gewere ruͤmen sal czu rechte, add(er) was darumb recht sei“? Hir uff sprechen wir ein recht:
Man sal den, der in der gewere ist, nicht vsz wyeszen ane rechte clage, darumb ab
der besitczt die gewere wol mit rechte erkregen hette, breche jm nicht der cleger
mit rechte bewyszunge, er behilde die gewere des gutes, bis das sie jm mit rechte
angewunnen wurde, von rechts weg(e)n, ubi supra, <et> Insti. de interdic. § commodum
autem possidenti9.
Nota. Darumb spricht er: Da er selbir geinwertig ist. Wanne is bynt kein orteil den vngeginwertigen, er sei danne dem gerichte vngehorsam,
ap er geladen were vnd nicht vor qweme, ut ii q. ix <c.> caute autem iudices10, <et> C. de procura. l. qui absente11, <et> ff. de penis l. absentem12.
Nota. Czu dyszen rechten teidingen. Das ist, das man drystund laden sal, ut ss li. i ar. lix welch man uff gut13, <et> ss li. ii ar. <fehlt Text> vorsuͤmet14 ver. vorclaget man15, <et> C. quomodo et quando iudex sentenciam proferre non debet l. ii16, <et> § tres bene <nuncciacionesd>17.
Nota. So er danne nit vorkoͤmpt, so vorteilt man jm die gewere mit rechte, <ut> C. quomodo et quando iudex sen. profer. none debet l. cum non18.
[II 24 § 2] Nota. Ein igclich man mag synes guts wol enig werdin, ut supra. In dysem § wil vns das recht vndirwyszen, wie eyn man syns guts geloszen
mag mit vorkouffen, mit vorsetczen, mit ufflassen, mit vorswygen, ab ers vnbetwungen /L 117va ufflest. Vnd seczt hie eigentlichen vier sundirliche stucke, da eyn man syne gewere
vorlust, ubi ssf li. i ar. ix wer dem andirn globet19, <et> ff. de perempt. l. quicumque20. Nota, das von dyszen vier stucken, als vorkouffen, vorsetczen, ufflassen add(e)r
vorreichen vnd vorswygen wollen wir ein wenig sagen, vnd von igclichem besund(er)n.
Nota. Ettlicher vorkoufft, das syn nicht ist. Was eyn man vorkoufft, das sal syn syn, das mag er geweren, abs
syn eygen ist. Davon spricht er hie. Ab eyn man vorkoufft ein eygen, das syn were,
das er bewyszete mit briuen add(er) mit and(e)r bewyszunge, das das syn eygen were,
vnd vmb syn wol gewunnen gut habe gekoufft hette, vnd er mit orteiln vnd mit rechte
gewonnen hette, das er vorkouffen vnd vfflassen mochte, vnd yenner, der is nit gekoufft
hette, gewoͤnne jm eyne gewere daran, wie lange sal er en des kouffs geweren ane ansprache?
Hiruff sprechen wir ein recht, als vns das recht vndirwyszet: Eyn yd(er)man, der ein
ding vorkoufft, als er in geweren hat, der sal geweren syns kouffs iar vnd tag vor
die geinwertigen, vor die vngeinwertigen einvnddryessig jare vnd sechs wochen, vnd
sundirlichen, die wyle er lebt, von rechts weg(e)n, ubi l<i>. i ar. xxix an eygen vnd hofen21. Nota. Solche gewere sal ein yderman thun, der eyn gut vorkoͤufft. Wanne wo eyn kouff geschyt, der sal bestendig werdin vor gerichte; vnd die gabe
sal man uffbyeten, als recht ist, darumb ap man die guͤttere ansprechen weltte, das man das bewyszete, das man sie yo in dem gerichte ansprechen
sal, da sie vorreicht syn. Auch sal man keyne guͤtere vorreichen, wanne in dem gerichte, da sie ynne gelegen syn. Wanne wo ein kouff
syn sal, da sal /L 117vb man mit gnanten worten kouffen, vnd sal sie bestricken vnd befesten mit luͤteng vnd mit andrer bestrigkunge, nach eins landes gewonheit, so das der kouff nicht czu
rugke gehen moge ane beider wille. Wanne is mag and(e)rs kein kouff gesyn, sie vorbynden
sich danne beidersyt, den kouff czu halden. Vnd der, der vndirwunde sich des, das
er gekoufft hat, vnd halde, was er globet hat. Wanne die wyle der kouff nicht geht,
nach auch sich des gekoufften dinges nicht vndirwynt, so ist der kouff vmbsust, ut
Insti. de contrahen. emp. et ven. § in hijs autem qui scripturam22.
Ab ir czwene nu in kouffe stuͤnden mittenandir, vnd yenner spreche dem and(er)n nit czu, so das einer den and(er)n
nicht mante, mag dennach ein kouff syn czu rechte? Hiruff sprechen wir ein recht:
Stehen mittenandir czwene in kouffe, vnd volfuͤren nit yren kouff mit worten, vnd manet ir einer den and(er)n nit, vnd besitczen
beyde ane forderunge, der kouff geht abe von rechts wegin, ut Insti. de contrahen.
emp. et ven. § precium autem constitui oportet23.
Also czwene mit enandir kouffen, vnd der koͤuffer qweme mit dem vorkoͤuffer oͤbir ein, so das einer dem and(er)n ,yo‘ sagete, so ferre als der kouffer dem vorkouffer
synt gelt vorwyszen konde, das dem vorkouffer gnuͤgete, uff solchen kouff vndirwunde sich des gekoufften guts, als Meus Seus. Nu hat
sich Meus ein teil vndirwunden des gutes add(er) des geldes, das er uff den kouff
genommen hat, das ist Seyus in die guͤtere kommen, vnd in die gewere geczogen, vnd hat sich des gekoufften guts vndirwunden,
vnd haben auch keyne gnanteh czyt gewilkort, das en Seius syn gut gewissen solle. Seius, der besesse in der /L 118ra gewere vnuorborget; darnach kuͤndigete Seius Meyo, das er des koufs nicht halden moͤchte, vnd moͤcht is nicht gehalden nach vorborgen. Nu fordert Meyus, syne gewere czu ruͤmen; das wegert Seyus, vnd wil die gewere selbdritte behalden, vnd wil er des nicht
ruͤmen, man gebe jm danne syn gelt widder. Nu bitten wir in einem rechten orteil czu
erfaren, ab Seyus Meyo syne gewere ruͤmen soͤlle czu rechte, vnd ab Meyus icht das gelt behalden solle add(e)r moͤge, sint das Meyus die gewere nit geruͤmet hat, da er des kouffs nit behalden mochte nach vorborgen, add(er) sal Meyus Seyo
syn gelt icht billicher widder gebin czu rechte, das er uff den kouff gehabin hatte,
vnd sich des kouffs mit keinem selbdritte vndirwunden hat, synt das ir gedinge so
ist mit solchem vnd(i)rscheide, ap er vorgelden add(er) vorborgen moͤchte, add(e)r was darumb recht sei?
Hiruff sprechen wir ein recht: Hat Meyus Seyo ein gut vorkoufft, als eygen add(er)
erbe, vnd hat jm usz gescheiden, ab er czu uorborgen add(e)r czu uorgelden hette,
vnd hette Seyus syn gelt daruff gegebin, vnd hette darnach Meyus Seyo den kouff uff
gesaget, vnd ist da mit jar vnd tag mynner add(er) meh(e)r, Seyus mag mit keinem selbrechte
die gewere behalden, sund(er)n er mus die gewere mit rechte ruͤmen; hat Seyus icht gelt gegebin uff den kouff, das ist jm Meyus nit pflichtig widd(e)r
czu gebin, synt das er Meyum gehindert hat an synen geweren, ire gedinge stunde danne
and(e)rs; vnd hettei Seyus Meyo icht globt, das mag Seyus von Meyo manen mit rechte, wanne er jm syne
gewere ruͤmet, vnd nit eh(e)r, von rechts wegin, sint der kouff gebrach /L 118rb an Seyo vnd nicht an Meyo, <ut> Insti. de contrahen. emp. et ven. § hijs autem24.
Ab sich einer vndirwunde guts in solchen sachen, als vor geschreben steht, als Meyus,
Seyus sesse in des gutes gewere, dem gute geschege vnglucke, als von brande vnd von
wassere, Meyus weltt, das jm Seyus syn gut gulde add(e)r syn huwsz. Des spreche Seyus:
„Ein gut hab ich gekoufft gein uch, das mir nach nit uff gegebin was, des ist schade
daran geschen ane myne vorwarloszunge, er mirs vorreicht ist, vnd ich vorborgt habe;
bitte ich in einem rechten orteil czu erfaren, ab ich an dem schaden blyben solle,
vnd jm syn huwss gelden solle, das mir nye vorreicht wart, add(er) ab er mich icht
billicher losz lassen solle czu rechte.“ Meyus spricht: „Synt er hie steht vnd kouffs
bekennet, vnd er sich an das geczogenj hat rechter wirtschafft, vnd ich jm vor keinen solchen schaden globt habe, vnd ich
alle tage bereit were gewest, czu uorreichen add(er) uff czu lassen, vnd mir des daruff
syn gelt gegeben hat; des bitte ich in einem rechten orteil czu erfaren, ab mir Seyus
myn gelt, das er mir globete ane allen vndirscheit, vnd sich des nye in dy gewere
geczogen, die jm ane myne vorwarloszunge schadehafftig wurden ist, billicher vnd eh(e)r
helffen moͤge, add(er) mir myn gelt damit vorhalden moͤge mit rechte, add(er) was darvmb recht ist.“
Hiruff sprechen wir ein recht: Hat Seyus mit Meyo gekoufft vmb ein huwsz, add(er)
syn gelt daruff gegebin, vnd hat sich Seyus des kouffs vndirwunden czu recht(e)r gewere,
vnd darynne gesessen ane hindernisz vnd mit volbort, vnd ye Meyus der vorreichunge
nye vorsaget hat, vnd Seyus in solchen geweren gesessen ist, so ist Seyus pflichtig,
Meyo czu halden vnd czu leisten, /L 118va synt das er des kouffs selbir bekant hat, vnd den kouff bestetigt hat mit synem gelde,
vnd vndirwunden hat in der czyt des schadens, so ist der schade billich(e)r syn, wanne
Meyus, von rechts wegin, ut C. de fide instru. l. contractus25, <et> Insti. de contrahen. emp. et ven. § cum autem vendicio26.
Nota. Eygentlichen czu uornemen das orteil, so ist auch not, das ir wisset vnd vornemet,
wie is czu koͤmpt, das der kouffer der ebintuͤere des schadens czu hant warten mus an dem huwsze. Das ist darumb, das er sich vndirwunden
hat czu rechter gewere, abs jm wol nicht vorreicht nach uff gegeben ist, synt das
jm yenner des kouffs bekant hat, vnd er auch selb(er) bekente, <ut> ff. de periculo
contrahen. emp. et ven. l. iii27.
Nota. Hette er sich nicht vndirwunden, ab er wol gelt daruff gegebin hette, vnd moͤchte mans wol bewyszen, das er gekoufft hette, so were er dennach neh(e)r czu loͤucken, synt is jm nit vorreicht wart; syn gelt abir, das er daruff gegeben hat, das
vorluͤst er, wanne fordert er das gelt, so mus er sagen, wovon er jm das gelt schuldig were.
Spreche er, <er> hett is jm daruff gegebin, da er ein huwsz gekoufft hette, nu were
das bekant, das das ein kouff were, so were der kouff eynen neh(e)r czu obirczuͤgen, wanne ers furbas geloucken moͤge, vnd so vndirwunde sich dyser der hofestat, vnd muͤstek yennen beczalen, ut ff. de contrahen. emp. et ven. § penult.28
Ab einer gein eyme eyn pferdt gekoufft hette, add(er) sust eyn vihe, der koͤuffer truncke lynkouff mit dem vorkouffer vnd mit and(er)n luten, vnd beseczte synen
kouff, vnd gebe eynen gots hellir daruff, dyser hette syn pferdt beritten vnd vorsucht,
er hett jm keyne czyt gesaczt czu behagen, add(er) keinen wandilkouff globt, der kouffer
/L 118vb annamete das pferdt, vnd bethe, das jm yenner das pferdt liesse stehn in dem stalle
eine czyt; dem pferde geschege vngerichte, wie is geschee; yenner qweme nach synem
pferde, vnd czoge is auss, das pferdt huncke, add(er) were tot, add(e)r wie is wandilbar
wurden were; er weltt des pferdes nicht; der vorkoͤuffer mante en vmb syn gelt. Der kouffer spreche: „Eyn gesunt pferdt habe ich gekoufft,
das ich in myne gewelde nach in myne gewere ny gebracht habe, vnd ist in synem stalle
gebrechlich wurden, add(er) gestorben, des ich en nicht vorwissen wil, is sei jm wissentlich
gewest, add(er) von syner vorwarloszunge gestorben; bitt ich in einem rechten orteil
czu irfaren, ab ich jm syn pferdt, das er in synen gewelden vnd geweren hat, czu rechte
gelden durffe, add(er) was darumb recht sei.“ Der cleger spricht: „Synt dem mal das
er hye steht vnd bekennt, das er mir das pferdt abe gekoufft habe, vnd czihe mich
auch des uff myne lynkouffluͤte, vnd er sich des pferds vndirwunden hat, vnd mich gebeten hat, das ichs jm liesse
in mynem stalle stehen, da is synt uff syne ebintuͤre vnd kost gestanden hat; des ist is brachhafftig wurden, add(er) gestorben, das
ist ane myne schult, vnd syn schade ist mir von hertczen leit, vnd wil myne vnschult
bewyszen, wie mirs die scheppin teilen add(er) finden vor eyn recht; vnd bitte in
einem rechten orteil czu irfaren, ab er mit solcher widderrede myn gelt vorgehalden
moͤge von rechts wegin, add(er) was darumb recht sei.“
Nota. Czwuͤsschen dysser beider rede sprechen wir ein recht: Mag der vorkouffer bewyszen, als
recht ist, das yenner syn pferdt geannamet hatte mit rechten /L 119ra vnd redelichen koͤuffen, vnd hat das pferdt mit gunst des vorkoͤuffers gestanden in synem stalle, vnd ist dem pferde ein vngerichte geschen, vnd thar
der vorkouffer das bewyszen mit czwen fingern uff den heiligen, das is ane syne vorwarloszunge
geschen ist, der koͤuffer beczalt en billichen, synt der kouff recht vnd redelichen bewyszt ist mit des
kouffers bekentniss, <ut> ff. de pericu. et commo. rei ven. l. illud29, <et> Insti. de contrahen. emp. et ven. § quidquid enim sine culpa et dolo venditoris
accidit, in eo venditor est securus30.
Nota. Uff dyszen artikel sollt ir wissen vnd auch uff das fordere, uff welch(er)ley
kouff ein vndirscheyt geschiet. Als ich stehe mit einem jm kouffe vmb wyn, korn, vmb
pferdt, vmb vihe, add(e)r vmb icht, vnd neme wir beyde, das ist koͤuffer vnd vorkouffer, vndirscheid, also ab ich vorburgen add(er) beczalen mag, addir
er mirs gefryen mag add(er) geweren, add(er) abs gesund ist add(er) uff eine vorsuchunge,
add(er) uff eine vorclagunge in den vndirscheiden in den gekoufften dingen vngerichte,
vnd hat sich der vorkouffer mit solcher volbort mit dem vndirscheide de(m) vorkouffer
in syne gewere gelassen, mag der vorkouffer den vnd(ir)scheidt mit den lynkouffs luͤten bewyszen, vnd thar er das bewyszen uff den heiligen, als recht ist, das die vorwarloszunge
ane synen schaden geschen ist, der vorkoͤuffer ist ane wandil; was er dar uff gegebin vnd bestetiget hat, das hat er vorloren,
ir globde stunde danne and(er)s, <ut> ff. de commo. et pericu. rei ven. l. i31, <et> Insti. de contrahen. emp. et ven. § in ceteris32.
Dis wisset: Die vndirscheit behelt dyszen by der herschafft; der sich da vnd(i)rwunden
hat, der ist mir eyn huͤtter. Vnd wer danne eyn ding bewart, als das /L 119rb syne, gewert er das, als recht ist, er blybet is ane wandil. Wanne die wilkor, die
sie vndirenandir thun, die vorswert das recht vndir en, abl manm das bewyszen mag, ut supra.
Nota. Das selbige ist auch czu uornemen vmb gewant, wyn, oͤle, jngeber vnd andir ding, das man mit smagke, mit gryffen add(er) mit sehen erkennen
mag, das einer das koufte, als huͤte, vnd neme er das nicht, vnd seczte der vorkoͤuffer ein andres an die stat, dem glych materialiter, der kouffman mus is nemen, ab
man en des kouffs nicht losz lassen wil, ut ff. de pericu. et como. emp. et ven. l.
quod sepe33.
Nota. Add(er) vorseczt. Nu rurt er hie die andir clausula, vnd spricht: Add(e)r vorseczt. Das ist, ab er czu pfande seczt. Als ap Ticius Meyo ein gut vorseczt, vnd das blebe
dennach Ticio. Als ap er sich vorschrebe gein Meyo synen wyngarten add(er) syn huwsz,
vnd Meyus annamete das huwsz czu pfande, vmb czeh(e)n marg geldes widd(er) czu lassen
uff sente Nyclaws tag. Vnd loͤszt er syn nicht uff die czyt, so sal er en behalden, vnd damit czu thun als mit andrem
synem gute, czu uorkouffen add(e)r czu uorsetczen. „Nu bitte wir in einem rechten
czu erfaren, wer die gewere in solchem gute hab mit rechte.“
Hiruff sprechen wir eyn recht: Hat Ticius syn gut vorsaczt vor eyn gnant gelt uff
gnante czyt, dem das gut vorsaczt ist, hat ers in syner gewalt, so das Ticius nicht
vorkouffen nach vorsetczen moͤge ane Meyus willen, deme is czu pfande gesaczt was, synt ers in pfant gewere hatte,
abs Meyus wol besitczt; wanne syne besitczunge vorbunden ist uff gnanten czyt, vnd was czu schaden dem gute gesche an vorwarloszunge des besitczers, der schade
blybt by dem gute, mag er synes gutes nicht geloszen, er darff /L 119va des schadens nicht lyden, gein dem ers czu pfande gesaczt hatte; das selbe darff
Meyus yennem von rechts wegin, <ut> Insti. de loca. et conduc. § conductor omnia secundum
legem conduccionis debet facere34. Syntdemmal das er sich vorbunden, was mag solche vorbyndunge mit vorkouffen entczwei
tragen?
Nota. Dis vorantw(or)ten wir vnd sprechen: Pfant czu setczen mit solcher vorbyndunge
treit entczwei mit vorkouffen nicht meh(e)r, wanne das man das eyne lassen mag vnd
das andir nicht. Vnd darumb so mag yenner synes guts nicht vorkouffen ane des pfant
herreno willen, <ut> C. de pigno. l. creditores35.
Sint demmal das sich Ticius Meyo vorschreben hat by synem gute uff eyne gnantep czyt, vnd Ticius syn gut nit gelosen mag, vnd Meyus mit synem gute alle syn recht
begangen hat mit uffbeyten, mit anbeyten, vnd is jm vorkoufft hatte, „bitte ich in
einem rechten orteil czu erfaren, ab er en geweren mag czu rechte“?
Hiruff sprechen wir ein recht: Wer syn gut czu pfande seczt, al habe er sich vorbunden,
das er vorkouffen moͤchte deme, deme is czu pfande gesaczt were uff eine gnante czyt, vnd ers nicht geloͤszen mag, wurd jm wol geteilt, das ers vorkouffen moge, wie wol ers vorkoufft hette,
er mag doch daran keyns geweren, wanne das ist syn pfandt gewest, vnd mag is nymmer
vorweren; wan(ne) weme is dergan, der is czu pfande hat usz gesaczt, deme mus is yenner
czu loͤszen gebin, ab ers wol vorkoufft hette, vnd abs wol voriaret were, dy wyle mans bewyszen
mag, das is czu pfande gesaczt ist von rechts wegin, <ut> C. e. ti. l. creditores36.
Ab danne eyn gut wuͤrd von eynem pfandtherrnn vorkoufft, vnd der is ge/L 119vbkoufft hette, hette is besessen iar vnd tag add(e)r lenger; der Ticius add(er) syn
erbe, weme ers guͤndeq, woltt is loszen vnd ansprachte das gut, syne gewere hette keyne grosser bewyszunge,
danne das is jm czu pfande gesaczt were vor souil geldes so lange, vnd hette damit
begangen, als recht ist, das hette er vorkoufft, vnd nicht loszte, als er jm czu gesprochen
hette, vnd ers vorkoufft hat, vnd ers auch synt gebuwet hat vnd gebessert, ab er jm
icht das czu rechte widderkeren sal, das er daruff gelegit hat, eh(e)r ers ruͤmen sal, add(er) was darumb eyn recht sei?
Hiruff sprechen wir ein recht: Was man uff das pfant rechent, das man durch des pfands
not daruff geleget hat, das mus der widderkeren, der is loͤszen wil, von rechts wegin, C. ut supra37.
Abr eyn man eyn gut vsz seczt czu pfande, das nutczbar were, als ackir, wyngarten, hoppgarten,
bouwmgarten, muntcze, czolle, schiffe, brotbengke, fleyschbengke, schubengke, lederbengke,
husz, so eyn man vorseczte, czu loͤszen uff eine gnante czyt, vnd man von dem pfande teglichs nutczes wartende ist, add(er)
yerliches nutczes, der davon kommen mag, vnd dis were nicht enscheiden, das jm die
nutcze auch gesaczt weren, das er der guter gnyssen solle, der gnyesz czu rechte an
dem houptgelde abegehn sal add(er) nicht?
Hiruff sprechen wir vor ein recht: Welch man ymande fruchtsam gut vorseczt, der nutcz
des pfandes sal jm an dem houptgute add(er) -gelde abegehen, is were danne vor uszgenomen,
das er der guͤtere gnyssen soͤlle; vnd was er danne so uff neme, das were wucher von rechts wegin, vnd darumb sal
er nicht nemen, <ut> ss li. ii ar. liiii in glo.38
Als wir hir vor gefragt synt, als Meyus vnd Ticius, wie Ticius in syner gewere blebe,
Ticius vorkouffte /L 120ra syn gut, das er Meyo czu pfande gesaczt hatte, fordert nu Meyus billicher syne schult
uff dem vorkouffer, das ist uff Ticio, der is czu pfande saczte, add(er) ab er billicher
lichte uff de(m) gute forderte, add(er) was darumb recht sei?
Hiruff sprechen wir eyn recht: Hat Ticius syn gut vorsaczt czu pfande, vnd vorkoufft
er das ane des wort, dem is czu pfande gesaczt was, der das in syner gewere hat, hat
die wilkoͤre, ap er den vorkouffer darumb ansprechen wil, add(e)r syn pfandtgut, vnd ist jm
darumb diste fordere nicht, von rechts wegin.
Ab nu eyn gut czu pfande gesaczt wurd, vnd hette einen brieff, der spreche jm alleyne
vor synes vorfarn pfant; der antw(or)ter des gutes spreche lichte, ab er icht bewyszunge
hette; der czoge sich an synes vorfarn brieff; der antworter spreche: „Sint dem mal
das er mir myn gut anspricht vor syn pfandt, vnd wil das beczugen mit einem briue,
der jm nicht czuspricht, bitte ich in einem rechten orteil czu irfaren, ab er myn
gut czu rechte ansprechen moͤge?“ Der cleger: „Nach dem mal das ich syn rechter erbe bin, vnd alle syn gut mit
allem rechte an mich gefallen ist, is sei an eygen add(e)r an erbe, an schulden, an
farnder habe add(er) an vnfarnder habe, bitte ich in eynem rechten orteil czu irfaren,
ab ich icht czu synem gute, das jm pfandes stund, eine rechte forderunge haben moͤge, add(er) was darumb recht sei?“
Czwuͤsschen dysser allir rede sprechen wir ein recht: Js mag keyner pfant gewynnen, wanne
der, deme is gesaczt ist. Jst abir ymant icht schuldig bleben, vnd hat er syn gut
darumb add(er) davor czu pfande gesaczt, da mus der erbe yennen darumb beclagen. Bekennet
danne der antw(or)ter, das er yennem syn gut czu pfande gesaczt /L 120rb habe, so mag der erbe an das pfant kommen mit allem rechte, addir bye dem gelde,
das er synem vorfarn schuldig was von rechts wegin.
Ab eynem manne ein gut czu pfande gesaczt wurde, is were farnde add(er) vnfarnde,
dem gute geschege schade, yenner woltt darnach syn gut loͤszen, vnd woltt von yennem syn gut vorbessert habin; vnd yenner spreche, gut were
jm vorsaczt, das hette er bewart als syn eigen gut, ab man jm das glouben wil, das
ist jm liep, wil man ab(ir) jm des nicht glouben, so wil er das behalden, als jm die
scheppin teilen vor ein recht, vnd bitte in einem rechten orteil czu erfaren, ab er
keinerhande schaden darumb lyden durffe.
Hiruff sprechen wirs eyn recht: Weme eyn pfandt vorsaczt wirt, vnd bewart er das mit truwen, geschyt dem
pfande schaden, als abs vorbrente add(er) vorstolen wuͤrde mit andrem synem gute, thar er das bewaren, als recht ist, das is ane synen schaden
vnd ane syne vorwarloszunge geschen ist, er blybt is ane wandil, von rechts wegin.
Ab ein man <mit> mynem willen czoͤge in myn huwsz, vnd hett mir czinss globt add(er) nicht, add(er) yenner czoge sich
uff myn czinssgut, das mir czu pfande gesaczt were, er meynte, sich widder usz dem
gute czu czihen, ich welt en nicht lassen vnd vorslosse jm syn gerethe, er kundigte
das dem richtere, das ich en hindere an synem gerethe. Jch spreche: „Herre er richter,
ich habe gut add(er) gerethe in mynen geweren, add(er) in mynem czinsgute, add(er)
in mynem pfandtgute, das ich behalde vor mynen czinss; wanne er mir den gibt, so ist
jm syn gerethe gefryet.“ Spricht danne yenner, er sei mir nicht schuldig vnd hab mir
nicht globt. Sprech ich danne: „Noch dem mal das ich syn gut /L 120va in mynes gutes gewere habe, ab ich icht neh(e)r sei, by mynem czinsze czu blyben,
wanne er mirs geloͤucken moͤge, add(e)r was darumb recht sei.
Hiruff sprechen wir ein recht: Was ein man von gut brenget uff czinssgut add(er) uff
pfandtgut, vnd da mitte besitczt uff dem gute ein iar, add(er) ein halbs, add(er)
ein vierteil, wils der pfands- add(er) der czinssherre nicht entperen, der sich daryn
geczogen hat, der mus jm czinss gebin, vnd mag jm vorsliessen in dem gemache, darynne
er gewest ist, all syn gut, er habe globt add(er) nicht, ab der herre das geweren
thar, das er vorsessen hat billicher vnd eh(e)r, wanne jm yenner geloucken moͤge, von rechts wegin, <ut> ss li. i ar. liiii js sal keyn czinsman39 ver. czinss mag der herre in glo.40
Wissett, das ettlich gut wirt jm selbir ein pfandt, ab mans wol nicht bescheidt. Also was
ein czinsman add(er) ein huwss gnoͤse bringt in syns wirtes gewere, das ist des wirtes pfant vor synen czinss; das mag
er ane wandil wol besliessen, vnd bewaren das mit truwen, ab ers ane rede blyben wil,
ut C. de loca. et conduct. l. ter iure41.
Ab ein vormunde geczogen hette in vnmundiger kindere gut, add(er) hette sich yrer
guͤtere vndirwunden czu rechter vormundeschafft, vnd der vormunde hette selber guter;
weren die guter nit der kindereu pfant czu rechte?
Hiruff sprechen wir ein recht: Welcher vormunde sich vnmundiger kindere gut vndirwyndt,
alle syne gutere syn der weiszen pfant vor yre gutere, das er der nicht czu vnpflicht
vorthu; der selbin guͤtere mag er nicht widder gewaldig syn, czu uorkouffen nach czu uorsetczen, er habe
danne den weyszen ir gut vorrechent vnd bewyszt, das den weiszen vnd den erben gnuͤget, /L 120vb vnd der der vormundeschafft abetretende ist vnd nicht ir, von rechts weg(i)n, ut
Insti. de satisda. tu. et cura. § ne cum puppillorum42, <et> ss li. i ar. xxiii wer kindere gut43.
Wissetv: Alle dyse artickel vnd orteil, die wir gerurt habin, die gefallen nach dem Magdeburgisschen
rechte, ap man sie recht fordert, als findt man sie auch in legibus, <ut> C. quibus
mo. pig. ta. contrahi. per totum et cetera44.
Nach dem mal wir bericht synt nach vnsir frage: Ab eyn man nu syn gut add(er) syn
eygen czu pfande seczte, als Meyus Ticio, vnd vorbunden sich mit worten, als ir gehort
habt, mit vorkouffennw vnd vorsetczen, add(er) mit welchirleye vorbyndunge er sich vorbunden hette, moͤchte der pfantherre das vorkummern czu hant, als der gelttag vorrugkt were vnd des
pfantherren brieff spricht ane alles not recht et cetera?
Hiruff sprechen wir ein rechte: Hat ein man ein gut in pfantwere uff dy czyt, das
man das pfant abeloͤszen sal, yenner loͤszet synes pfandes nicht, der sal yennen laden, das er sich vorantw(or)te czu dryen
dingen, als recht ist; gesteht er czum dritten dinge nicht, man sal den pfantherren
wyszen in das gut uff solch recht, als er mit synem briue bewyszen mag; da mag en
nymant usz gewyszen, ane mit rechter clage; jst er da loͤsze yenner synen brieff add(er) das statbuch leszen add(er) bewysze, wie sich Meyus
mit Ticio vorbunden habe, vnd frage Meyum, ab er widd(er) dysze bewyszunge icht reden
wolle? Spricht danne Meyus ,neyn‘, so byte Meyus Ticio syn pfant an vor gehegetem
dinge. So sal jm der richter gebyten, syn pfant czu loͤszen by vierczehentagen; loͤszet ers danne nicht, so frage Ticius, was er mit dem erbe thun solle, is sei eygen
add(er) erbe? So findt /L 121ra man jm: Obir vierczehentage czu loszen, vnde deme abir also. So teilt man jm abir,
er solle is uff byeten drye vierczehentage; wanne er das gethut, so sal man jm is
kundigen add(er) anbieten czu huwsze vnnd czu hofe, mit der scheppin wissen; so hat
er ab(ir) frist vierczehen tage.
So spricht danne Ticius: „Nach dem mal das ich alle recht mit dem pfande begangen
habe, das mir richter vnd scheppin vor eyn recht geteilt haben, das ich mich an sie
czihe, vnd bitte in einem rechten orteil czu irfaren, als ich darczu gewyszt bin nach
rechter bewyszunge, ab er mir nu icht die gewere mynes pfandes czu rechte ruͤmen solle, add(er) was darumb recht ist?“
Hiruff spre<chen> wir eyn recht: Hat Ticius syn recht mit dem huwsze begangen, als
recht ist, Meyus ruͤmet die gewere billich.
Wisset: Wanne er danne nu so vsz bringet mit rechte, so sal sich der pfandtherre daryn
czihen, vnd die gewere da mitte behalden, add(er) einen and(er)n daryn lassen czihen,
add(er) vorsliessen, vnd sal sich der gewere vndirwynden et cetera.
So sprech Ticius: „Sintdemmal das mir das huwsz geeygent ist uff solch recht, als
ich bewyszt habe, bitt ich in eynem rechten orteil czu irfaren, was ich nu mit dem
huwsze thun solle?“
Hiruff sprechen wir eyn recht: Ticius sal das huwss behalden in stiller gewere iar
vnd tag vnuorthan, synt man is geloszen mag ane erben orloub; koͤmpt ymant, der sich darczu czihen wil, so mag er is vorkouffen, vnd gewer thun uff
solch recht, als er daran hatte, vnd and(er)s nit von rechts weg(e)n, <ut> ss li.
i ar. lxx45. /
L 121rbAbx eyne frawe eine morgengabe hett uff dem huwsze, vnd wuͤrd das huwsz vorkoufft, mochte sie die gabe vorsprechen, yennem vnschedelichen an
synem pfandtrechte?
Hiruff sprechen wir ein recht: Die frawe spricht die morgengabe an mit rechte, ab
sie vor wol mit globt hat, vnd schatte ir an yrem rechten nicht, vnd behelt sie vor
alle schult, ab sie die morgengabe bewyszen mag, synt das is ir czu pfande eh(e)r
gesaczt wart, darumb schatte is ir an yrem <rechte> nicht von rechts weg(e)n, <ut>
Insti. quibus alie. licet vel non § accidit46.
Ab ein vormunde vnmundiger kindere gut vorkouffte add(er) vorseczte, mochte er czu
pfande setczen add(e)r moͤcht er czinss daruff vorschryben add(er) nicht?
Hiruff sprechen wir ein recht: Der vormunde mag der weiszen gut nymande vorsetczenne
nach vorschryben, das sie czu rechte lyden duͤrffen, wanne sie czu yren iaren kommen, der vormunde tete is danne mit der weiszen
wissen, das ers bewyszen mochte, das ers durch der weysen bestes willen gethan hette,
vnd das gelt in der weyszen nutcz kommen were; so mocht is der vormunde vorsetczen,
vnd and(er)s nicht.
Ab eyn kirchen meyster, add(e)r ein pfarer, add(er) ein apt, add(er) ein prior, add(er)
ein gardian erkente, syner kirchen gebrechen czu wandiln, moͤchte er gewiet gerethe, als die dalmatica ornat add(er) and(e)r gewant czu gotes dinst
vnd kelche, ymande czu pfande setczen add(er) nicht?
Hiruff sprechen wir ein recht, das keyn man, er sei pfaffe, leye, moͤnch add(er) kirchenstiffter, sal nit vorkummern nach vorsetczen keyn(er)hande ding,
das czu der kirchen ge/L 121vahoͤrt vnd gewyet ist, mit rechte vmb keynerhande not, ane ab man gefangene nicht and(e)rs
geloͤszen mag, <mag> mans vorsetczen vnd die gefangen damitt loͤszen, vnd and(e)rs nicht, von rechts wegin, <ut> Insti. de re. divi. § sacra sunt47.
Wisset: Frye lute sal man auch nicht czu pfande setczen, vnd kindere, ut Insti. de
non alienan. promit. ecclesia. rebus § si vero creditor coll. ii48.
Ab man gut brechte uff myn czinsgut add(e)r in myn huwsz, das ich vor mynen husz czinss
habe, als vor geschreben ist, vnd der czinsman erkryge das gerethe, vnd vorseczte
das einem and(er)n, vnd gebe mir mynes czinses nicht, vnd ich qweme is an, vnd der
is hette, der spreche, is were syn pfant; soͤltt man mir myn pfandt icht widder bringen czu rechte, add(er) moͤcht is yennes pfandt gesyn, add(er) nit?
Hiruff sprechen wir ein recht: Welchem herren ein guty koͤmpt uff syn czinsgut, add(e)r welchem wirte syn huwsgnoͤse koͤmpt in syn huwsz, das ist des wirtes pfandt vor synen czinss; des selbin gerethes,
das er in des wirtes huwss bracht hat, das mag er einem andren nicht czu pfande gesetczen;
thut ers abir, der wirt mag is ansprechen mit rechte, wo ers ansichtig wirt; vnd loͤuckent jm der, der is vorsaczt hat, man thut mit dyszem, was ein recht ist; bekennet
ers ab(i)r, er mus herwidder geben mit busse vnd gewette; wanne vorloͤre jm der wirt das pfand, er muͤst is gelden, add(er) muͤste is geweren, als recht ist, das is jm gestolen were, add(er) jm von vngeluͤcke entkommen were ane syne vorwarloszunge, ut C. que res pigno. obli. pos. vel non
l. felicis49, <et> l. executoris50.
Nu ruͤrt er hie das dritte, da mit eyn man syn gut an der stat, da ers czu /L 121vb rechtez uff lassen sal, er geloszta' syner gewere billichen damit, ut Insti. de re. di. § per tradicionem51. Da spricht das recht: Dem naturlichen rechte ist nit glycher, wanne das eyn man
uff lest syn gut willigclichen, das ers da mit geloͤszen moͤge; vnd das ruͤret er hie, ut C. de usucapi. transformata l. unica52.
Add(e)rb' vorjaretb'. Das ist das vierde, da mitt eyn man syns gutes enyg wirt, ab sich eyn man vorswege
an synem gute, ab er nicht inheymisch were, vnd qweme in jare vnd in tage nicht, das
ist by einvnddryssig jaren vnd sechs wochen, <ut> ss li. i ar. xxix an eygen vnd an hofen53; js beneme jm danne echte not, <ut> ss li. i ar. vii vier sachen54.
Abir czu lantrechte. Das wisset: Ein man vorjaret sich gein syne(n) herrn, ab er syns lehns nicht synnet
bie jar vnd tage, ut Insti. de usu feu. § constitucio nuper § preterea coll. x55.
Abir czu lantrechte. Das ist, ab er drystund geladen wirt, als man uff syn gut claget, vnd er danne nicht
gestuͤnde, das man yennen nicht czu der dritten clagen wyszete czu dem gute; davon spricht
er hie, <et> ss li. i ar. lxx welch man uff gut56, <et> C. quomodo et quando iud. sen. proferre nonc' debet l. cessante57.
Nota. Ab eyn man eyn gut beclaget, vnd der cleger were vnrecht, der liesse sich wieszen
czu einem gute, vnd dyser vorsumete sich an synem rechte, schat jm das, das er mit
vnrechte darczu gewyszt wart? Dis vorantworten ettliche vnd sprechen: Js schat dem
antworter nicht, darumb das der antworter so faste hatte vnrecht gethan als yenner.
Wanne das recht gebuͤth, das man nymande czu vnrechte schaden sal, ut Insti. de reg. iure § iuris precepta
sunt58. Dis thut dyser nicht, der sich vorantw(or)te mit vnrecht lest wyszen in eyn gut.
Wanne was czu dem ersten vnrecht ist, vnd /L 122ra stunde das gar lange, damit mag is nicht recht werdin, <ut> ff. de reg. iure l. quod
autem ab inicio59. Wanne is sal nymant richend' mit eins and(er)n schaden, ut ff. de reg. <fehlt Text> iure60.
Wir sprechen abir: Jst der antw(or)ter nicht geinwertig, addir wil nicht geinwertig
syn, vnd vorsumet sich an syne(m) rechten, da mit wirt jm syn gut vorteilt, vnd wirt
yenner daryn gewyszt, er mag sich vorsumen an synem rechten von rechts wegin.
Wisset abir: Der luͤte gerichte mag betrigen, vnd darumb betruͤgt er die lute, abir gote mag er nicht betrigen; wanne got thut einem iglichen dinge
recht, ut C. de iusti. et iure l. iure61.
Wisset: Nach gotlichem rechte so vorlore dyser syn gut nicht. Wanne noch gotes rechte
so weren allen luten alle ding gemeyne, ubi supra, nach keyser rechte. Abir nach vnserm
rechte so vorluͤst dyser gut, er moͤges danne widder erkrigen mit rechter clage. Wanne die keyser habin gesaczt, das man
sich vorswygen moͤge, ydoch so ist gemeyne allir luͤte. Wanne wie man gut vorswygen, vorsuͤmen vnd gewynnen moge, das habin vns die edel(e)n keyser gesaczt von gots anwyszunge,
ut viii di. <c.> quomodo defendas willas ecclesiasticas62. Vnd darumb so vorluͤst yenner syn gut, ut ff. quibus mo. in pos. ea. l. ii63, <et> C. quomodo et quando jud. sen. profer. non debet l. ii64, <et> Insti. de offi. iudi.65 Vnd dis koͤmpt so czu, das der dem richter vngehorsam ist; darumb so nympt jm das recht syn gut,
ut in aut. de introdu. et exhi. reis § si vero colla. v66.
Laus deo.
a überflüssiger Kürzungsstrich über dem -m- L.b mit Einfügungszeichen am Rand L.c durchgestrichenes si folgt L.d nunccciaciones L.e mit Einfügungszeichen über der Zeile L.f davor verschriebener Buchstabe (?) L.g davor worten durchgestrichen L.h überflüssiger Kürzungsstrich über dem zweiten -n- L.i -e- über unterpunktetem -a- L.j -z- über der Zeile L.k überflüssiger Kürzungsstrich über dem -e L.l aus an korrigiert L.m davor teilweise unterpunktetes d(ir) thun, die vorswert das recht mit übergeschriebenem va- ... -cat L.n überflüssiger Kürzungsstrich über dem -a- L.o davor ane unterpunktet und durchgestrichen L.p überflüssiger Kürzungsstrich über dem zweiten -n- L.q Kürzungsstrich über dem -e durchgestrichen L.r Nota am Rand L.s davor duͤrffe unterpunktet L.t Nota am Rand L.u über unterpunktetem vormunde L.v Nota am Rand L.w aus workouffenn korrigiert L.x welch man uff gut clagt am Rand L.y über unterpunktetem recht L.z davor cz durchgestrichen L.a' g- aus lo korrigiert L.b'–b' am Rand L.c' mit Einfügungszeichen über der Zeile L.d' ursprünglich stand richten, -t- unterpunktet L.
1Richtig: Ssp.-Landrecht II 24 § 1.
2Inst. 4, 2, 1 dritter Satz.
4Richtig: Ssp.-Landrecht II 24 § 1.
5Ssp.-Landrecht II 18 § 2.
6Cod. 4, 19, 16.
7Cod. 2, 1, 8.
8Cod. 2, 1, 3.
9Inst. 4, 15, 4 letzter Satz.
12Dig. 48, 19, 5.
13Richtig: Ssp.-Landrecht I 70 § 1.
14Richtig: Ssp.-Landrecht II 2.
15Richtig: Ssp.-Landrecht II 3 § 1.
16Cod. 7, 43, 2.
18Cod. 7, 43, 10.
19Ssp.-Landrecht I 9 § 1.
21Ssp.-Landrecht I 29.
23Inst. 3, 23, 1.
25Cod. 4, 21, 17.
27Dig. 18, 6, 3.
28Richtig: Inst. 3, 23, 4.
29Dig. 18, 6, 18.
30Inst. 3, 23, 3 dritter Satz.
31Dig. 18, 6, 1.
33Dig. 18, 1, 35.
34Inst. 3, 24, 5.
35Cod. 8, 13, 3.
36Cod. 8, 13, 3.
37Cod. 8, 13, 3.
38Richtig: Wurmʼsche Glosse zu Ssp.-Landrecht I 54 § 2.
39Ssp.-Landrecht I 54 § 1.
40Wurmʼsche Glosse zu Ssp.-Landrecht I 54 § 3.
43Ssp.-Landrecht I 23 § 2 zweiter Satz.
44Cod. 8, 14.
45Ssp.-Landrecht I 70 § 1.
46Inst. 2, 8 pr.
47Inst. 2, 1, 8.
51Inst. 2, 1, 40.
52Cod. 7, 31, 1 l. un.
53Ssp.-Landrecht I 29.
54Richtig: Ssp.-Landrecht II 7.
55Richtig: Lib. feud. 2, 54, 2.
56Ssp.-Landrecht I 70 § 1.
57Cod. 7, 43, 2.
58Inst. 1, 1, 3.
60Dig. 50, 17, 206.
63Dig. 42, 4, 2.
64Cod. 7, 43, 2.
65Inst. 4, 17.
66Nov. 53, 4.