Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
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Articulus VItus
<Summarium> Wy wichbilde recht ist vff komen.
<Textus>
[6 § 1] Wollet ir horen vnde vornemen, zo wil ich uch sagen von dem beghin wichbilde rechtis, vnde wy daz dem lande zcu Sachzin gegeben wart, vnde bestetiget von wilkore des koningis vnde der fursten.
[6 § 2] Czu1 Babilonia stunt daz rich aller erst, vnde waz gewaldig obir alle lant1, wenne der heydenische koning Nemroth buwete die stat Babilon /B 21v aller erst, vnde bawete doryn eynen hochen torm, vnde beringete die stat mit eyner groszen vnde wyten gegnoten, vnde buwete ouch doryn manich wichhuz, douon is noch wichbildea recht heist. Der koning waz selbst dorynne wonhaftig, vnde der herczoge vnde andere fursten uil, vnde dorczu manich gut knecht, die sint kouflute heiszin, vnde waren alle mit eynem rechte begriffen, daz heist wichbilderecht, alz ir wol vornemen werdet in diszim buche, wo von is diszin namen behaldin habe, den is nicht uorwandilt.
Gloza
[6 § 1] Jn der Romischen cronica list man, daz nach der singfluth Noes sone drye: Cham, Sem vnde Japhet. Cam besaczte Affricam, Sem Asyam, vnde Japhet, douon wir komen syn, Europam. Sem <erdachteb>, wie man machen solde purpura vnde edele tewre salbe; Cham, der ouch genant waz Czoroastes, der irdochte vnde vant artem magicam, vnde dy sobin kunste. Noes son Jonatas, der zcum ersten vant astronomiam. Czu dem selbien quam Nemroth, den wir Saturnus son heissen vnde Jovis, vnde nam /B 22r roth von dem Jonatha, wie daz er mochte herschin, vnde daz volg betwingen. Von den drien Noes sonen sien komen zcwene vnde sobinczig geslechte: XV von Iaphet, XXX von Cahm, XXVII von Sem2; vnde ir iczlicher <besacztec> eyne plaga des ertrichz; daz wurden nach der singflut vier sunderliche vnde nemeliche reiche: Asyriorum von orient, do herschte von ersten Belus; Sichiriorum von occident, do herschte Agialeus; Schitarum von aquilo, do herschte Ninus; Egipciorum von mittage, do herschte Nineus. Nach im Belo, sin husfrauwe <Semiramisd>, die vant zcum ersten linen gewant, vnde bruchtee, den mannen die schande mete zcu deckin; vnde dirre saczte zcum ersten Babilon zcu eyner houptstat des riches. Do machte der selbe Ninus, der eyn vinder waz der aptgote, eyn bilde nach sinem vatere. Dornoch quam eyner Sardinapolus, vnde wandelte <dasf> rich in Medos. Dornoch herschte der Astrages, der gab den fursten von Persia sine tochter. Von dem qwam Czirus. Do der starb, do bleib daz rich zcu Babilon, bis an die czit, daz Allexander vorsegete. Der wandelte daz rich in Krichen. Do stunt is alzo lange, bis daz sichz Rome vndirwant, alz ir in dem andern artikile horen werdit3.
Nota. In der selbien zcit, do Phalet herschte, worden vorstoret zcwuvndesobinczig zcungin. Vnde der selbe Phalet herschte mit Cyro; in sinem geslechte bleib die judische zcunge; vnde heist ,Phalet‘ alzo uil alzo ,von den and(er)n gesund(er)t‘.
[6 § 2] Nota. Do selbist zcu Babilon in der czit Nemrot, der zo eyn jeger waz vnder dem volke, der mit siner gewalt begunste daz volgk zcu twingen, alz man vint in genisi4, et xi di. <c.> jus vero consuetudinis ver. postmodum a <temporeg> Nemrot5. /
B 22vNota. Also hieuor dis kegenwertige buch vz gewisit hat von dem naturlichen rechte, wy do nymant des and(er)n syn sal, vnde gar eigintlich entscheiden hat von dem rechte der person. Nu wil er sagen in dissim keinwortigen artickil, wy daz gesaczte recht vffkomen ist, vnde wo, vnde spricht: Czu Babilon stund daz rich, vnde waz gewaldig obir alle lant, <ut> ss li. iii ar. xliii czu Babilonia et cetera6. Recht ab er sprechen sulde: Von dem riche haben alle recht eynen orsprung, vnde des ist Babilon eyn stam des richz. Jr sollet wissin, daz alle die saczunge, die gesaczt wurden zcu Babilon vnde Persia, die sint alle abegeleget. Vnde in der selbien stat Babilon waz der koning Nemrot vnde andere fursten, vnde ouch andere gute knechte, vnde waren alle mit eynem rechte begriffen; daz wart sint genant ius municipale, vnde heist alzo uil alz wichbilde recht, vnde heist o<u>ch ius civile, alz ir uor gehort habt7, vnde den namen is vnuorwandilt helt. Vnde dornach alz daz recht vzwisit, wie disz privilegium vnde ouch der Sachzinspigil gegebin wart dem lande zcu Sachzin, vnde heist ouch ius privatum, vnde daz heist der Sachsen privilegium, <ut> ss li. i ar. xxx eyn iczlich inkomen man8, vnde bedewt sich eyn sunderlich recht, das man luthen ader landen gibt, ut iii di. <c.> pr<i>villegia sunt leges privatarum9.
a folgendes heist unterpunktet und durchgestrichen B.b so L fol. 15rb; der dochte B.c so L fol. 15rb; nur be B.d so L fol. 15va; Samiamis B.e -u- über unterpunktetem und durchgestrichenem o B.f so L fol. 15va; fehlt B.g so (abbreviiert) L fol. 15va; parte (abbreviiert) B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht III 44 § 1 erster Satz Anfang.
2Vgl. Isidor von Sevilla, Etymologiae 9, 2, 2 (Migne Sp. 328).
3Vgl. Weichbildrecht 7 § 1 mit Glosse.
4Gen. 10, 9.
5Richtig: D. 6 c. 3 Gratian § 1 zweiter Satz.
6Richtig: Ssp.-Landrecht III 44 § 1.
7Glosse zu Weichbildrecht 1 § 3.
8Ssp.-Landrecht I 30.
9D. 3 c. 3 (richtig: c. privilegia sunt leges privatorum).