Artikel 7
Articulus septimus
<Summarium> Von des richz beghin, vnde von siner wandelunge, vnde wie daz rich kegen Rome komen
ista.
<Textus>
[7 § 1] Nv muszin wir grifenb an daz recht, vnde sagin, wy lange daz riche stund biz an Krichen, daz is sich nicht
vorwandelte alzo lange bisz an den leczten koning Darium, den Allexander /B 23r mit strite obirwant. Do vorwandelte sich daz rich zcu Babilon, vnde stunt zcu Constantinopilin,
alzo1 lange bis daz sichz sien Rome vnderwant, vnde Iulius keiser wart, vnde geweldiglich
behilt von sente Peters wegen, der noch der cristenheit hoͤpt ist, vnde die czwei swert der Romischin gewalt beuolen hot. Der bobist hot daz
geistliche, der keiser daz werltliche, zcu beschirmen die criste<n>heit1. Waz der babist nicht betwingen mag, daz sal em der keiser helfen betwingen; alz<o>
hilft ir iczlichir demc andern durch recht.
[7 § 2] Vnde daz rich stund zcu Rome, alzo vor geschrebin ist. Do daz rich an dy Romere
qwam, vnde alzo zcu Rome bestunt, do woren dy Romere ane recht, vnde darumme zo tat
eyn iczlicher yn dem lande, waz er wolde vnde uolbrengen mochte nach sinem mutwillen,
vnde daz bleib ane clage vnde ane /B 23v wandil, wen do kein recht waz, do man sich vorclagen mochte. Daz stunt alzo lange
bis an die czit, daz die zcu Rome qwamen, vnde recht irworben von Athenis, vnde baten
die hant, do wir noch den hantfreden von haben.
[7 § 3] Do qwomen die Romere zcu sampne, vnde wurden zcu rate, wy sy die lant betwingen
mochten in ire gewalt, zcu Romischem rechte.
[7 § 4] Do sy daz getaten, do wurden sy daz zcu rate, vnde buwetend burge vnde festen in dem lande, von den sy betwungen alle lant. Do sy daz getaten,
do wurden sy zcu rate, wy sy die burge beseczten, daz is en hulflich were; vnde besaczten
die burge mit alzo getane(m) rechte, alz ir vornemen sult. Sy namen allee, dy ritters namene hatten, vnde besaczten die burge mit en, mit alzo getanem rechte, alzo noch bur<g>recht
ist an burglehn.
[7 § 5] Do wurden sy zcu rate, waz recht /B 24r sy deme lande seczten von wilkore des landes, vnde saczten dem lande solch recht,
alzo noch Sachzin lant hat von Constantino vnde Karolo. Disze2 lant waren alle koningriche; den wandelten sy dy namen, do sy do gewaldig waren,
vnde hieszin sie herczugthum. Die lant wil ich nennen: Sachzin, Beyern, Swoben, vnde
Francken2.
Glosa
[7 § 1] Disze cronica, die vns vzwisit von des richis orsprung, wie is gewandiltf ist von eyme lande zcu dem and(er)n, douon were vns lange zcu reden vnde ouch zcu
horen. Vnde darumme so wolle<n> wir is korczin, vnde wollen angriffen wichbilde recht.
Ydoch wollen wir vns irwegen, vnde wollen is mit korczir rede obirslaen, wie das Nabuchodonosar
Arfaxat obirwant mit strite3, vnde der selbie Nabuchodonosor Rome zcustorte yn den gecziten Sedechie. Dornach
quam eyner kein Rome, der hies Tarquinius Superbus, vnde waz in der czit Cziri; do
stund daz Romische rich ane koning nach dem Tarquinio zcwey hund(er)t iar; do stund
daz rich zcu Krichen, alzo do Allexander, koning Philippi son, von Macedonia entphurt
wart, vnde ist von Rome iiii C iar vnde xxvi iar. Diss(er) Allexandir obirwant Darium den koning mit strite. Vnde waz zcu Constanti<no>polis;
do waz is so lange, bisz daz sich Rome vndirwant vnde Julius keiser wart, vnde waz
zcu Rome beghin obir sechzhundert iar. Vnde do bleib das werltliche swert by den Romern
also lange, bisz daz Cristus ge/B 24vboren wart zcu Bethlehem, vnde vns daz himmelisch rich vff ertriche offinbarte. Daz
selbe rich vnser herre Ihesus Cristus beuolen hat sente Peter vnde sinen nachkomelingen,
den wir von gotis halben gehorsam sollen sien, do er sprach zcu Petro: Quodcumque
ligaveris super terram erit ligatum et in celis, et <quodcumqueg> solveris super terram erit solutum et in celis4. Daz sprach er nicht alleine zcu sente Petere, sunder er hot domete gemeint alle
pristerschaft, dy daz geistliche swert haben von gotis halben, der eyn houpt sente
Peter ist, vnde den ersten stul zcu Rome besessen hat zcu geistlicher gewalt. Noch
der zcijt, alzo Christus gemartirt wart, den selbien stul der hymmel furste sente
Peter besasz vier iar in den landen orientis, do er die erste messe hilt, vnde besasz
den andern stul in Anthiochia acht iar. Dornach quam er zcu Rome, vnde in der czit
waz eyn keiser zcu Rome, der hies Claudius; vnde doh besasz sente Peter den Romischin stul von gotis wegin, vnde waz der cristinheit zcuuor
mit siner lere, vnde besasz do xxv iar vnde zcwene monden vnde sobin tage. Do hilt dy cristenheit vndir ir daz naturliche
recht, daz wir ouch gotis recht heiszin. Jn dem selbien rechte bevint man ouch die
heilige ee, ut Instituta de iure naturali gencium et civili § i5, <et> i di. <c.> ius naturale6. Vnde in deme rechte waren alle ding gemeine, ut xii di. <c.> dilectissimis fratribus7. Vnde alzo quamen die zcwey swert zcusampne. Vnde sente Peter vnde sente Pauil wurden
von Nerone gemartirt zcu Rome. Also bleib daz geistliche swert zcu Rome offinberlichen
vndir den cristen, vnde sente Iohannes ewangelista, das werltliche swert vnder den
cristen. Alzo quamen die zcwey swert zcusampne vnde an dy Romische gewalt, bisz an
dy czit, daz Philippus mit sinem sone zcu Rome keyser wart. Der wart getoufft von
dem babiste Poncio. /B 25r Alzo quam daz werltliche swert offinberlichin in dy cristinliche gewalt, vnde wart
bestetiget zcu Rome. Vnde darumme heist Rome noch daz houpt der cristinheit, wen die
zcwey swert gewaldiglichen do sin, <ut> ss li. i ar. i czwey swert8, et li. iii ar. xliii czu Babilonia9 ver. noch hot Rome10. Vnde alzo sollen die zcwey riche vndirscheiden syn an der gewalt.
Vff solliche sachei gefellit eyne vrage. Nach dem male daz dy zcwey swert der Romisschin gewalt beuolen
sien, vnde die gewalt an den zcweyen personen entscheiden ist, alzo das geistliche
swert dem babiste, vnde deme keisere daz werltliche, welchis doch vndir dissin czwen
daz groste vnde daz vornemiste sy? Disserj vragin genug zcu thune sy<n> wir zcu uornu(n)ftig. Doch wollin wir vor vns nemen
die heiligen recht, der wir doch eyn kint sien, vnde wollen vns dorane vorsuchen,
ab wir der vragin icht gethun kunnen, daz uch behegelich were. Wenne die leges beschermen
iren fursten; daz thun ouch die decreta. Vnde wollen vor vns nemen die decretistenk; die sprechen alzo, daz die keiserliche gewalt sal vndertenig sien der bebistlicher
gewalt, wen sy arguiren alzo: Primo: Der bebistlichen gewalt hat got beuolen die slussil
des ewigen riches, vnde habin gewalt zcu byndene vnde zcu entpindene, ut de conse.
di. i c. i per totum11. Vnde sint denne deme babiste die hymmelische gewalt beuolen ist, vnde deme keisere
daz erdische rich, vnde wen denne dy hymmelischen ding, daz ist geistliche, wirdiger
sint wenne die vorgengliche, ut extra de maioritate et obediencia c. illud dominus12, vnde darumme ist der keiser billich vnder dem babiste.
Nota. Vff disz argument seczin sy conclusiones, vnde sprechen, daz die pristerschaft
sy eyn vzdirweltis geslechte koninglichz, ut extra de sacra unctione c. cum venisset13 ver. refert autem14. Mit disser /B 25v salbunge bewisin sy, daz der bobist sall eyn houpt sien aller cristenheit, vnde em sollen vndertenig vnde gehorsam sien alle
cristen, <ut> extra de maioritate et obediencia c. illud15. Sollen em denne alle cristen gehorsam sien vnde vndertenig, so ist ouch wol billich,
daz der ouch dy gehorsam helt, der vngehorsam twingen sal mit synem swerte, ut xxiii q. v <c.> principes seculi16. Secundo. Der babist hat die zcwey swert, wen der babist hat die gewalt, daz er daz
thun mag, daz dem riche zcugeschrebin ist: Er mag dispensiren mit vnelichen kindern
vnde die elich machen zcu beiden rechten, <ut> extra qui filij sunt legittimi <c.>
per venerabilem17 ver. sed sicud18. Wenne worumme der keiser mus sine seligkeit von dem babiste entphan, wen der babist
mus den keiser vorhoren, ab er guten glouben hot, vnde ab er in des babistes banne
ichten sy, ut ss li. iii ar. xlviii lehn ane gerichte19 ver. lame man20, et ar. l der babist wyet den keiser21, et ss li. iii ar. xlvi die Dewczschen sollen durch recht22 ver. wen en der babist23. Vnde er mus syne crone von dem bobiste entphan, ut extra de elec. c. venerabilem24 ver. sed et principes25. Sal den(ne) der keiser daz alles von deme babiste habin, so ist der babist billichir
hochir an der gewalt. Wen worumme der keiser mus deme babiste hulde sweren yn der
wyunge, ut lxiii di. <c.> tibi domino26. Tercio. Der babist ist beider riche gewaldig, wen worumme der babist hat von Krichen
den stul geleit in <Germaniamm>, ut extra de eleccione c. venerabilem27 ver. verum illis principibus28. Vnde dorumme mag ouch der babist deme keisere entczagen vnde bannen vmme redeliche
sache, ut xv q. v <c.> alicuius Romanus pontifex29. Vnde hot denne der babist sotan gewalt obir den keiser, so ist der babist billich
obir den keiser, alzo ir gehort habt. Mitn dissin vorgeschrebin conclusionibus /B 26r behe<l>ffen sich die decretisten, vnde nemen vor sich die vorgeschreben raciones
vnde conclusiones.
Jn oppositum. Wed(er) disz sprechen die legisten alzo: Die czitliche<n> strite gebin
vns eyne figure der geistlichen, jn <demo inferireno> sy, daz der keiser, deme daz czitliche swert beuolen ist, mit dem er die gerechtigkeit
beschirmen sal, vnde wetwen vnde weisen, ut xxiii q. v <c.> regum est officium30. Vnde ist denne daz swert em alzo beuolen, so mag er mit dem czitlichen swerte richten
ober dy lute, zo daz gotis zcorn domete gesenftit w(er)t, ut xxiii q. iiii <c.> si quis legitur31. Wenne hette der babist wolt gehat haben beide gerichte, so were daz nicht an den
zcwen personen entscheiden; wen got sprach selber: Min rich ist nicht vff erden32. Ouch wolde er nicht, daz die bebistliche gewalt mit dem swerte solde fechten, wen
sancto Petro vorbot vnser herre, daz er nicht mit dem swerte solde fechten, do er
sprach: "Mitte gladium tuum in locum suum. Omnis qui gladio pungnat gladio peribit33." Do by gab er vns zcu uorstene, daz sich der babist noch kein prister solde vndirwinden
werltlichir sachen, ut extra ne clerici vel monachi secularibus negocijs se inmisceant
c. multa sunt negocia34. Sollen sy sich denne keiner werltlichir sachen vndirwinden, vnde mag denne der keiser
mit dem werltlichen swerte eyme eyne busze seczen vmme sine missetat, zo ist er em
babist genug, vnde zo ist der babist obir den keiser nicht. Vnde daz denne die <czytlichenp dingp> nicht edeler sien; were daz also, so hette sente Pauel vnrecht, der nante sich eyn
borg(er) von Rome, ut xii di. <c.> si in adiutorium35. Were denne, das dy bebistliche gewalt were obir dy keiserliche gewalt, so hette
Paulus vnrecht von stund an.
Secundo. Were daz alzo, daz der keiser sien rich von dem babiste hette, so muste man
sich beruffin in werltlichen sachen an den babist; daz en ist nicht, ut extra /B 26v de appellacionibus c. si duobus36. Wen worumme er nympt geschos ader czins von den kirchen; hette er syn rich von dem
babiste, so mochte er von der kirchen keinen czinsz nemen ader tributum, ut xi q. i <c.> magnum hoc quidem37. Wen denq keiser macht dazr heer, vnde nicht der babist, ut xciiis di. <c.> legimus38.
Nota. Is were verre czwiuil, daz wir mit vnser vornu(n)ft vns sollichz vndirwunden,
vnde sy zcu krige brechten. Vnde wer daruff keine solucio vinden kundet: Got, der mechtig ist aller dinghe, der geschaffen hat hymmil vnde erde, der beschuff
zcwey licht vff der erden, vns zcu schinen, die vns beczeichen disse zcwu gewalt;
by der sonnen ist vns bedewtit der babist, by dem monden der keiser, ut extra de maioritate
et obediencia <c.> solitae39 ver. preterea nosci40. Daz eyne ist schinende deme tage, daz ist das groste, daz ist der zelen; vnde der
monde der nacht, daz ist deme lybe. Wenn disz, daz der monde heist, mus synen schin
entphan von der sonnen, vnde yo der monde vorder von der sonnen kompt, yo sien schin
volkomelichir ist. Wenne der keiser synen schyn mit der wyunge entphet, vnde wen er
gekresemt w(er)t vnde gekronet, so hat er vollen schyn, vnde so ist daz dy vndirscheit
czwisschin den czwen fursten, dy do houpt sien der heiligin cristinheit; wen ab wol
der monde vorginge, so ist doch dy sonne. Vnde darumme ist dy bebistliche gewalt an
dem tage, daz ist an der zelen, hochir, wen der keiser, vnde in geistlichen sachen
sint dy geistlichen prelaten wirdig(er), wen die werltlichen, vnde dy werltliche<n>
stritte sint eyne figure der geistlichen.
Nota. Daz ist zcu uornemen, daz daz werltliche swert sal stetiglich bereit sien, zcu
vechten vor dyu heiligev cristinheit, daz man sy beschirme vor vnrechter gewalt. Alzo /B 27r sollen die geistlichen prelaten die werltlichin fursten beschirmen; vnde also tat
sente Pauel durch eyner grossen sichirheit willen, ut x di. <c.> si in adiutorium41. Wenne dy werltlichen bedurffen der geistlichen durch des ewigen leben willen, daz
<thunw> ouch die geistlichen, ut x di. <c.> quoniam idem mediator dei et hominum42. Vnde so ist keiner grosser denne der andere, sunder eyn iczlichir nach siner gesaczten
wirdigkeit.
Jr sollit wiszin: Alz hir vor steet, daz pristirschaft sy eyn vsderweltis geslechte,
daz ist zcu geistlichen stucken, daz zcu geistlichen sachenx gehorit, also tewffen vnde bichten vnde andere sacramenta. Vnde darumme zo kresemt
man den geistlichen fursten daz houpt, vnde den werltlichen fursten, wen man den zcu
keisere wyet, so strichit man em eyn crucze czwischen den schuldern; vnde ist durch
des vndirscheidis wille der personen, vnde daz houpt beczeichint die gedancken.
Nota. Daz ist zcu uornemen: Wer andere lute sal gehorsam machen, der sal selber gehorsam
syn. Jr sollet wissin: Dy cronunge vnde dy wyungey, daz der babist dem keisere tut, daz ist durch sines ammechtis wille, vnde hie mit
bewisit der keiser sinen gehorsam; wen ab der keiser nymmer gewiet worde, dennoch
were er gliche wol keiser; wen der keiser irkriget daz rich mit deme, daz er gekoren
w(er)t zcu koninge; daz keiserrich irwirbt er mit dem swerte; den keiserlichin namen
irkriget er mit des babistes wyunge; vnde daz mus der babist thun, daz er en cronet
vnde wiet, wen em des keisers redeliche kor bewisit w(er)t, ut <xciiiz> di. <c.> legimus43. Vnde darumme sollen dy korfursten mit em zcu der wyunge czihn, also in <li.a'> feudorum steit ar. v44.
Tercio. Daz ouch der babist moge thun, daz dem riche zcugeschrebin ist, daz ist, daz
der bobist moge in eczlichem stucke des riches stat vorstehen, daz er eynen elich
machte, der vor vnelich, /B 27v do mete uolget em daz nicht zcu thun in allen sachen; wenne deme keisere fuget sich
ouch nicht, in geistlichen sachen sich zcu stoszin, ane vmme sunderliche sachen. Daz
selbie ist ouch von dem babiste zcu uornemen. Also blibet ire gewalt gliche nach iren
wirden. Daz der babist deme keisere entczagen mag, daz ist vmme solliche sachen, also
ir hirnachb' vornemen werdit.
Jr sollit eigintlichen wissin, daz leges vnde keiserrecht canones nicht sollen vortilgen
nach vordrucken, ut x di. <c.> lege imperatoris in omnibus45. Wen in den geistlichen sachen sal des keisers wille nicht vor dy phaffheit ghen,
ut e. di. <c.> certum est46. Wen waz zcu der kirchin gehorit, daz sal sich nicht dy keiserliche gewalt zcuczihen,
ut e. di. <c.> imperium nostrum47. Vnde daz selbie ist ouch zcu uornemen von dem babiste.
Nota. Wen daz geistliche recht gebuͤt, der keiser saczunge zcu halden, alzo babist Leo dem keisere Lothario schribet,
ut x di. <c.> de capittulis48. Wenne waz weder recht geschit, daz mag man wol weder yn brengen, alzo babist Johannes
der achte keiser Lodewico schreib, <ut> x di. <c.> vides fili karissime49. Wen kein man sal der keisere saczunge, noch der heiligen lerer vnde vetere lernunge
vorsmehen, <ut> e. di. <c.> quis autem leges principum50. Wen man all halden sal der keisere saczunge, also Gelasius schreib dem keisere Theoderico,
<ut> e. di. <c.> certum est51. Wen kein man sal sich freuelichen seczen weder dy Romische saczunge, ut x di. <c.> vestram flagitamus presenciam52.
Nota. Vz allen den rechten, dy hie genant sien, do vint man allis, wy man en gliche
sal vndirtan sien, vnde dorumme zo collegire<n> wir eyne conclusio, vnde sprechen
gar eigintlichen: Waz zcu der zelen seligkeit gehorit vnde zcu geistlichen sachen,
do hat eyn iczlichir cristen mensche dem babiste, der eyn houpt ist der cristenheit,
hulde getan in der czit, do is den cristinlichen /B 28r glouben entphing; wen er ist vnser vater des cristinlichen gloubis, vnde ist getruwet
vnser muter, der heiligin cristinheit; wen der babist vnde dorczu alle phaffheit sollen
beschermen alle dy, die ire beschermunge begeren, ut lxxxvii di. <c.> licet de omnibus53. Vnde dy sollen sy beschermen vor vnrechter gewalt. So sal der beschermer dirkennen,
ab is em angehorte zcu richten, so richte er is; jst des nicht, so lasse er den richten,
den daz angehore zcu richtene. Von deme sprach babist Allexander: Ab zcwene mit <einanderc'> krigen, vnde eyner beruft sich an vns, der ander an sinen richter, des solle<n>
wir nicht richten, ab is vnsere gerichte nicht antrifft, ut extra de appellacionibus
<c.> si duobus54. Vnde ab er wol richte, so bunde is nicht sinen wedersachen, wen man sal dy sache
nicht anders richten, denne vor dem richtere, ut xi q. i <c.> clericos55. Waz aber sachen sien, die werltlichen sien, vnde ouch den lyp alleine antreffen
vnde nicht dy sele, yn sollichin sachen ist der keiser obir den babist, ut x di. <c.> animadvertendum56. Wenne dy gancze werlit sal von den zcwen houpten geregiret werden. Vnde darumme
ist ouch billich, daz ire gewalt gliche sy, eyme iczlichen nach syme ammechte, ut
xcvi <di. c.> duo sunt quippe57. Wen(ne) sy sollen beidersyt ir ammecht halden, alzo on von der muter der heiligin
cristinheit gesaczt ist; thun sy des nicht, vnde welchir doran bricht, er sy babist
ader keiser, der sal darumme liden, waz em darumme gesaczt ist; vnde waz sy denne
liden, daz liden sy nicht alzo eyn babist ader alzo eyn keiser, sunder alzo eyn misseteter,
vnde alzo vorteilt man en ire riche. Die wiled' aber des nicht geschit, so sint sy glichir wirdigkeit. Vnde darumme so sal eyner
den and(er)n stercken vnde bystehn mit aller craft vnde macht, ab is eyner von dem
and(er)n be/B 28vgeret.
[7 § 2] Nota. Do daz riche an die Romere quam. Jr sollit wissin, daz alle dy saczungee', die zcu Babilon vnde zcu Persia gesaczt wurden, die sint abegeleit. Die abir in
Krichen gesaczt wurden, die habin wir noch, vnde dy helt man ouch noch, vnde heist
der czwelff taffiln recht.
Nota. Do daz rich an dy Romere quam, vnde do gewaldiglichen stund, do waren sy ane
bescheiden recht; do santen en dy von Athenis beschrebin recht vz <Salonisf'> buch(er)n in xg' elffinbeinen taffiln; do wurden dieh' Romere zcu rathe, vnde saczten dorczu czehn manne, die machten zcu den czen taffiln
zcwu; zo wurden ir czwelfe; vnde die recht entphingen die x manne von der Romere wegen von den von Athenis. Beide beschrebene recht der von Athenis
vnde ouch vnbeschrebene recht der von Lacedemoniorum, die selbien recht zcu bess(er)n
vnd zcu meren wart den selbien czen gegeben volle craft vnde macht; dy saczten die
zcwu tafiln darczu, douon heist daz recht der czwelff tafiln recht, vnde heist Latinisch
lex xii tabularum; vnde dirre name ist dem rechten geben von der geschicht wegen, ut ff.
de origene iuris l. ii § i58.
Jr sollit wissen: Vz dissin zcwen steten, alz von Athenis vnde Lacedemonia, <isti' das recht entsprossen, jn der wysze, was die von Lacedomoniai'> vor eyn recht hatten, daz waz nicht eyn beschrebin recht, wenne sy kundin is alles
vswendig; die Athenenses hilden sich nach dem beschreben rechte, ut Institu. de iure
naturali gencium et civili § et non ineleganter59. Daz60 sien der czhen manne namen, die daz recht der czwelff taffiln beschrebin habin, alzo:
Apius, Claudius, Gemicius, Noterius, Julius, Mannlius, Sculpicius, Sextus, Curacius
vnde Remedius. Disze czhene wurden dorczu gesaczt von den Romern, alzo wir gesprochen
habin, ut xii di. <c.> fuerunt autem hij61.
Jr sollit wissen: Alz wir zcum ersten gesprochen haben von den, die /B 29r recht gesaczt haben. Nu wolle<n> wir sagin von Moyses, der gab den kindern von Ysrahell
ir recht nach den czhen geboten vnde der heiligen schrifft, vnde heiszit die iudische
ehe. Der koning Feroneus, der saczte den Krichen zcum ersten ire recht; vnde der irdochte
zcum ersten, wy man richten solde, ut extra de verborum significacione c. forus62. Mercurius Trimegestus, daz waz der erste, der den Egipcien ire recht gab. <Salonj'>, der waz der erste, der den von Athenis ir recht gab. Ligurius waz der erste, der
den von Lacedemonia ir recht gab von Appolonis gewalt. Numa Pompeyus quam von Romulo
an daz rich, der gab den Romern ir recht mit dem ersten; vnde dornach, also sich daz
uolg alzo wider enander saczte, vnde begunste zcu orlougen, vnde mochte nicht recht
uolkomelich gehaben, do wurden czwelff tafiln gesaczt, ut vii di. <c.> Moyses63.
Jr sollet wissin, daz der czwelff tafiln recht wart gesant den Romern von Rome beghyn
obir drie hund(er)t iar, vnde wurden do bestetiget.
Nota. Pompeyus64, der ratman von Rome, wolde zcum ersten der Romischin keisere saczunge laszin beschribin,
der lies is durch der richtere forchte. Dornach wolde is keiser Cesar thun, der wart
irslagen. Alzo zcugingin die aldin saczungen.
[7 § 3] Nota. Do quamen die Romere alle zcusampne, vnde wurden des zcu rate, wy sy dy land betwungen
in ire gewalt, zcu Romisschem rechte et cetera. Jr sollit wissin: Do sy dy landt besaczten, vnde betwungen worden von
den Romern, do woren alle eckere ir; vnde saczten uff der vynden festen eynen, den
heissin sie eynen fursten, vnde bedewt sich eynen vorstender, vnde heist dux, vnde
heist ouch alzo uil alzo eyn heerfurer; vnde ist ouch zcu uornemen, daz er zcuuordirst
muste syn yn allen den sachen, die dem lande an sachende weren, <ut> de usu feudorum
quid sit dux quid marchio l. i65. Vnde den fursten beuolen sy dy /B 29v ritterschaftk'. Dy hilden dy fursten stetiglichin in iren kosten; vnde do vorgobin die fursten der
betwungin eckere vz vmme zcinsz, der zcu uormiten tuchte, vnde hilden die ritterschaft
douon; daz oberige musten sy den Romern wider geben. Do daz dy Romere vordrosz, do
gabin sy den selbien fursten eyn recht, vnde vorlegin en dy burge vnde daz land, daz
sy dorumme dinen musten, wenne man en daz dinst geboth; vnde daz recht, daz sy den
fursten legen doran, daz hissen <siel'> ius emphiteoticum, vnde ist burglehn genant. Daz vorlegin die fursten vorbasz der
ritterschaft, dy musten den fursten darumbe dinen noch der lande notdorft; vnde von
dem rechte ist manschaft vffkomen vnde lehnrecht, ut in libro feudorum c. i66. Vnde das taten dy rittere vorbas vz vmme zcins den gebuern zcu erbczinsze rechte,
vnde heiszit ius emphiteoticum; vnde dy zo zcu dem gute geboren wurden, dy heiszin
sy asscripticijm', ut C. de agricolis et censitis l. ne diucius67. Vnde den saczten sy sunderlich recht; vnde waz sy denne do vndir eynander gelobeten,
der herre, der iheme daz guth lies, vnde der is bestund, daz wart denne vndir en eyn
recht, ut Instituta de locato et conducto § ea que supra diximus68, et § adeo autem69. Vnde daz komet von dem gelobde, daz der czinsman deme hern tut.
Nota. <Emphiteosisn'> ist eyne vorbindunge frier willekor vmme guth, daz man eyme lieto', das er daz erbeiten sal von roer worczele, daz vor nicht geerbeit ist; vnde die
vorphlichtunge, die er vmme daz gut thut, w(er)t eyn recht von en beiden, vnde heist
emphiteosis. Nu abir thut man vz geerbitp' vnde gewonnen lant, vnde douon gibt man czinsz; nach deme, daz sy sich beyde vorbynden
vnde mit einandir bereden, daz w(er)t vnd(ir) en eyn recht, <ut> C. de sacrosanctis
ecclesijs l. perpetua70, <et> C. de iure emphiteotico l. i71. Vnde daz wart den rittern gegeben vor iren solt, ut i di. <c.> ius /B 30r militare72.
[7 § 5] Nota. Do wurden sy zcu rate, waz recht sy dem lande gheben et cetera. Alz ir vornomen habt, wy daz recht an dy Romere komen ist, vnde wy sy
dy land becreftigeten, vnde dornach, waz recht sy den fursten, rittern vnde knechten
saczten. Nu wil er hie seczen, welcherley recht sy dem lande saczten, vnde spricht:
Zogetan recht, alzo Sachzin land hot von Constantino vnde Karolo.
Jr sollit wiszin, alz man vint in der cronica, daz dy Petraculi, die in Allexandirs
heere waren, dy Romischin hern betwungen, vnde dy Dorynge vortreben, vnde dy land
besaczten. Do machten sy eyn koningrich, vnde Swabin, Francken vnde Sachzen waren
noch nicht cristen. Do stunden dy koninge vnbetwungen alzo lange, daz sy Constantinus
bekarte zcu dem glouben, vnde gab en eyn beschreben recht, vff daz daz sy sich towffen
lieszin, vnde mit sollichem rechte bestetigeten sy dy land. Do sy do betwungen, vnde
wandelten sy dy namen iren koningen, vnde hiessin sy herczogen, ut ss li. iii ar. xlvii jczlich Dewczsch land hat sinen phalcz: Der herczoge von Sachsen73, et ss li. iii ar. lxq' funff stete sien et cetera74. Der phalcz von dem Ryne ist der herczoge von Beyern; der phalcz von Francken ist
der bischoff von Meyncze; der phalcz von Swobin ist der bischoff von Trier; der phalcz
von Gruna ist der bischoff von Koln.
Jr sollit ouch wissin: Hier' von habin sy die kore, vnde sien genant korfursten; vnde habin fursten zcu mannen,
dy in den phalcz gehoren; <vndes'> korfursten heiszin superillustres zcu Latin, ut in autt. ut ab illustribus et qui
super eam sunt dignitatem § i colla. v75.
Nota. Alz wir gesprochen haben, wy dy alden saczungen, die dy keisere saczten, gar
vortilget wurden, do irhuben sich dy nuwen saczungen von Constantino, von dem wir
vnser recht haben, vnde /B 30v vont' synen nachuolg(er)n, ut vii di. <c.> fuerunt76 ver. nove leges a Constantino Cesare inceperunt77. Dornach quam <Theodosiusu'> minor vnde vant eyn buch noch der wise der buchere, der eyn genant ist Gregorianus
et Hermogenianus, dorynne er beschreib eynes iczlichin keisers saczunge, vnde gab
dem buche sinen namen vnde nante is <Theodosianumv'>, ut vii di. <c.> fuerunt78 ver. preterea vero <Theodosiusw'> minor79. Dornach <qwamx'> der edele Justinianus, des erstin Justinianus son, ut Instituta de donacionibus
§ est et aliud80, der irluchte alle recht, vnde saczte dy bescheidiglich vnde vornemelich, vnde voruolgete
daz, vnde vortiligete, waz zcu uil waz, vnde voruullete, waz zcu korcz gesaczty' waz, ut Institu. in prohemio § cumque hoc deo propicius81. Mit sollichir saczunge habin wir korczlichen begriffen von des rechtes orsprunge.
a rubriziertes et cetera folgt B.b davor be- unterpunktet B.c doppelt B.d folgendes lange unterpunktet B.e–e mit Einfügungszeichen auf dem Fußsteg B.f vor -d- unterpunktetes l B.g quitcumque B.h mit Einfügungszeichen rubriziert am Rand B.i mit Einfügungszeichen rubriziert am Rand B.j rubriziertes ab das geistliche swert ist obir daz werltliche et cetera am Rand B.k davor decristen unterpunktet B.l aus sy korrigiert B.m so L fol. 17rb; Germania B.n davor Jn oppositum unterpunktet B.o–o so L fol. 17va; den (aus deme geändert) ferierr B.p–p so L fol. 17va; czitliche dingere B.q aus der korrigiert B.r folgendes er durchgestrichen B.s über unterpunktetem xxiiii B.t ursprünglich stand kunden, -n unterpunktet B.u folgendes hei durchgestrichen B.v erstes -i- über der Zeile B.w so L fol. 18ra; fehlt B.x mit Einfügungszeichen rubriziert am Rand B.y überflüssiger Kürzungsstrich über dem -u- B.z xxiii B.a' so L fol. 18rb; fehlt B.b' ir folgt B.c' eimander B.d' folgendes wir unterpunktet B.e' folgendes die sint abegeleyt. Dy ab(ir) in Krichin gesaczt worden unterpunktet B.f' Salomonis B.g' über unterpunktetem czwelff B.h' über der Zeile B.i'–i' so L fol. 19ra; fehlt B.j' Salomon B.k' davor die B.l' so L fol. 19va; fehlt B.m' ursprünglich stand asschripticij, -h- über- und unterpunktet B.n' so L fol. 19va; emphiteosus B.o' davor le B.p' davor geubit durchgestrichen B.q' davor vi unterpunktet und durchgestrichen B.r' wo folgt B.s' so L fol. 20ra; abbreviiertes et B.t' davor noch einmal vnde B.u' so L fol. 20ra; Theosius B.v' so L fol. 20ra; Theosianum B.w' so L fol. 20ra; Theosius B.x' so L fol. 20ra; fehlt B.y' folgendes wart unterpunktet B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht III 44 § 1 erster Satz Ende und zweiter Satz.
2–2Vgl. Ssp.-Landrecht III 53 § 1.
3Vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 42 (III 44 § 2) (BG S. 1217 Z. 6 f.); Sächsische Weltchronik, Anhang I: Der Sachsen Herkunft c. 1 (ed. L. Weiland [MGH Dt. Chron. 2, 1877] S. 259).
4Matth. 16, 19.
5Richtig: Inst. 1, 2 pr.
6D. 1 c. 7.
7Richtig: C. 12 q. 1 c. 2.
8Ssp.-Landrecht I 1.
9Richtig: Ssp.-Landrecht III 44 § 1.
10Richtig: Ssp.-Landrecht III 44 § 1 zweiter Satz.
11De cons. D. 1 c. 1.
12X 1, 33 c. 5.
13X 1, 15 c. 1 c. un.
14X 1, 15 c. 1 § 5 letzter Satz c. un.
15X 1, 33 c. 5.
16C. 23 q. 5 c. 20.
17X 4, 17 c. 13.
19Richtig: Ssp.-Landrecht III 54 § 1.
20Richtig: Ssp.-Landrecht III 54 § 3.
22Richtig: Ssp.-Landrecht III 52 § 1.
23Richtig: Ssp.-Landrecht III 52 § 1 dritter Satz.
24X 1, 6 c. 34.
25X 1, 6 c. 34 sechster Satz.
26D. 63 c. 33.
27X 1, 6 c. 34.
28X 1, 6 c. 34 fünfter Satz.
32Ioh. 18, 36.
33Matth. 26, 52.
34X 3, 50 c. 1.
35Richtig: D. 10 c. 7, mit Act. 22.
36X 2, 28 c. 7.
38D. 93 c. 24.
39X 1, 33 c. 6.
41D. 10 c. 7.
42D. 10 c. 8.
43D. 93 c. 24.
44Richtig: Ssp.-Lehnrecht 4 § 2.
46D. 10 c. 3.
48D. 10 c. 9.
49D. 10 c. 10.
50D. 10 c. 11.
51D. 10 c. 12.
54X 2, 28 c. 7.
57D. 96 c. 10.
58Dig. 1, 2, 2, 1–4.
59Inst. 1, 2, 10.
60Zu diesem Satz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht Textus prologi (BG S. 114 Z. 16 – S. 115 Z. 2). Vgl. Isidor von Sevilla, Etymologiae 5, 1, 4.
61Richtig: D. 7 c. 2.
62X 5, 40 c. 10.
63D. 7 c. 1.
64Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 42 (III 44 § 1) (BG S. 1213 Z. 9–13); Isidor von Sevilla, Etymologiae 5, 1, 5 f.
65Lib. feud. 2, 10.
66Ist Lib. feud. 1, 1 pr. gemeint?
67Cod. 11, 48, 21.
69Inst. 3, 24, 3.
70Richtig: In der Ausgabe Venedig 1581 IV S. 32 f. nach Cod. 1, 2, 14 als Authentika
"Perpetua" angehängt (vgl. Nov. 7, 3, 1 und 120, 6, 1).
71Cod. 4, 66, 1.
72D. 1 c. 10.
73Richtig: Ssp.-Landrecht III 53 § 1.
74Richtig: Ssp.-Landrecht III 62 § 1.
75Nov. 71, 1.
76D. 7 c. 2.
77D. 7 c. 2 sechster Satz.
78D. 7 c. 2.
80Inst. 2, 7, 3.