Artikel 110
Articulus CX
<Summarium> Von roublicher gewere.
<Textus>
[110 (109) § 1] Wir<t>1 aber eyn man beclaget vmme roubliche gewere, do man dy hanthaftige tat an bewisen
mag, vnde wirt der richter mit gerufte dorczu geladen, der richter sal zcu hant volgen,
vnde richten deme clegere obir dy hanthaftige tat, vnde obir den rouber, vnde obir
syne vnrechte vollleist. Alczuhant sal er ghenen geweldigen siner gewere, ab sich
ghener nicht entredet mit rechte, uff den dy clage geet1.
Glosad /
B 191v[110 (109) § 1] Uf3 dis ist zcu uornemen eczwas sunderlichz, vnde meint zcum ersten male, das kein man
sines selbist richter sal sien. Das ist zcu uornemen: Ab ymande icht genomen were,
der sal is gheme mit gewalt nicht weder nemen; wer das tete, vorlore nach vnserem
rechte den halz; js gescheige denne yn der flucht, vnde das bewisete, alzo recht ist,
<ut> ss li. ii ar. lxix wer do totit adir wundit4.
Ouch5 zo meint er hie, der richter sal kein orteil geben, dy bewisunge sy denne vor geschen;
vnde darumme spricht <ere> hie: Hanthaftige tat, <ut> C. de edendo l. qui accusare6. Wenne dy bewisunge geschen ist, so sal der richter obir dy roubere geben eyns roubers
orteilf, <ut> ff. de vi publica l. eadem7. Vnde daz selbie orteil ghet ouch obir dy volleister; daz rurt er ouch Institu. de
obligacionibus que ex delicto nascuntur § interdum8. Hulffen sy ouch mit helen, sy musten das selbie orteil mitliden, <ut> C. qui latrones
vel aliis criminibus reos occultant l. eos9. Vnde wenne er denne gerichtit hat, zo sal er den cleg(er) des synen weder geweldigen,
das em genomen was, <ut> ss li. ii ar. xxv w(er)t eyn man10.
[110 (109) § 2] Nota11. Wen man abir vor gerichte brenget et cetera. Jr sollet wissen, das uffte eyner vnschuldig werden mochte, wenne er sich
zcum rechten irbieten wolde; vnde so machit sich manich schuldig.
Primo. Beclaget man eynen, do er gheinwertig ist, vnde thar er sinem rechten nicht
getruwen, vnde w(er)t fluchtig, der macht sich schuldig, ab er wol nicht schuldig
ist, ut C. de assessoribus l. consiliantis12.
Secundo. Ouch w(er)t eyner schuldig, ab man hussuchunge tete; vnde weret sich des
ymand, den hat man vor eynen dip, ut Institu. de obligacionibus que ex delicto nascuntur
§ conceptum13.
Tercio. Spreiche man ouch vnder eyne(m) <ang> vorstolen dinge, vnde wurde er fluchtig, zo machte er sich selbir schuldig, /B 192r <ut> Institu. e. ti. § est eciam14.
Quarto. Hette ouch eyner eynen freuil an em begangen, vnde wolde nach rechte nicht
abelegen, vnde were dy clage pynlich angesatczt, so machte er sich selber machtelos,
vnde w(er)t darumme yn dy achte getan, <ut> ss li. i ar. lxix wer ouch eynen15, <et> C. quomodo et quando iudex sentenciam proferre debeth l. cessante16.
a so L fol. 107vb; Wenne B.b für nicht getilgtes dingphlichtig mit Verweiszeichen am Rand B.c et cetera folgt B.d rubriziertes et cetera folgt B.e so L fol. 107vb; fehlt B.f ursprünglich stand orteils, -s durchgestrichen B.g so L fol. 108ra; fehlt B.h davor l durchgestrichen B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht II 25 § 1.
2–2Vgl. Ssp.-Landrecht II 45 erster Satz.
4Ssp.-Landrecht II 69.
6Cod. 2, 1, 4.
8Inst. 4, 1, 11.
9Cod. 9, 39, 1.
10Ssp.-Landrecht II 25 § 1.
11Zu den nächsten sechs Absätzen vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht II 43 (II 45) (BG S. 805 Z. 2 – S. 806 Z. 9).
13Inst. 4, 1, 4.
14Inst. 4, 1, 4 dritter Satz.
15Ssp.-Landrecht I 69.
16Cod. 7, 43, 2.
17Richtig: Ssp.-Landrecht III 39 § 3.
18Dig. 50, 17, 142.
19Cod. 2, 58, 2.