Artikel 90
Articulus <XCa>
<Summarium> Von deube.
<Textus>
[90 (89) § 1] Wirt eynem manne syn gut vorstolen /B 182r in wichbilde, vnde w(er)t daz gebracht yn eynes mannes were, em vnwissinde, der vnbeschulden
<istb> an sinem rechte, vnde wirt dy dube dorynne gesucht mit sinem willen von gerichtis
halben, vnde w(er)t die dube gefunden yn synen geweren, ader yn sinem husze, der w(ir)t
sal bliben des ane schaden vnde ane schande, ab er das geweren tar uff den heiligen,
daz er douon nicht wisse. Wirt aber dy dube gefunden yn sinen besloszin geweren, den
sliszir sal man halden vor eynen dip.
[90 (89) § 2] Jst aber dyc dube zo cleine, das man sy yn eyn fenster gestoszin moge ad(ir) werffen, vnde vynt
man das yn synem kellere ader gadem, der wirt sal sichz entreden, alzo vor gesprochen
ist. Waz1 aber der wirt vor besprochen, zo mag er sichz nicht entsagen uff den heiligen, wenne
er mus daz gluende isen tragin, ader sichz des kamphes entwerend 1.
Glosa
[90 (89) § 1] Als vor gesprochen ist vmme pynliche sachen, vort mehir wil er hir sagen von dube.
Nota. Dube ist nicht mehir, wenne eyne vndir/B 182vwindunge fromdes gutes, wedir des wille, des das gut ist, ut Instituta de obligacionibus
que ex delicto nascuntur § furtum2.
Jr sollet wissin: Wo man in eynem gerichte eynem sien gut vorstilt, wil er, das em
das gerichte zcu holffe kome, so kome er vor gerichte vnde thu kunt, das em daz seine
vorstolen sy, jn der nacht ader an dem tage, "vnde bitte uwere hulffe darczu, vnde
bitte, das ir mir wollet helffen hussuchunge <thune>, dorch got vnde durch des rechten wille"; das sal der richter geweren. So sal der
richter die stat vorsliszin lassin alzo lange, bis das man husgesuchte; wer denne
yn sinem huse nicht wil lassen suchen, den mag der suchir ansprechen vor eynen dip,
<ut> Institu. de obligacionibus que ex delicto nascuntur l. eciam prohibiti § furti3.
Lisze er abir williglichen suchin, vnde were eyn vnbesprochen man, funde man die dube
yn sinen geweren, vnde gewerte er is uff den heiligen, das is ane synen willen doryn
komen were, er blibit is ane wandil, <ut> Institu. e. ti. § conceptum furtum4.
Funde man is abir in sinen gesloszin geweren, ab is so gros were, das man is ane sluszil
daryn nicht brengen mochte, so ist der slussiltreg(er) eyn dip, <ut> C. de hiis qui
latrones vel aliis criminibus reos occultant l. ii5, et iii6.
Nota. Ap eyn dip eynem manne sien gut vorstele in sinem huse, vnde qweme er domete
uff dy gasse, vnde volgete em der man, alzo das er em dy dube entfallen lisse, das
gut mag er wol vffheben, vnde behalden yn sinen geweren ane des richters orloub, ab
do kein geruffte geschregen w(er)t vnde behort; wurde abir do gerufte gehort, so mag
er der habe nicht uffheben noch vffhalden vnde behalden yn sinen geweren ane des richters
wille vnde /B 183r orloub.
Wurde ouch eyn dip begriffen, vnde lisse en der sachwalde von mutwillen em entghen,
ad(ir) entginge er em mit gewalt ane dang, welde en der richter darumme beschuldigen,
disser komit von <demf> richtere mit sinem rechte, ab er tar, alzo das er swere, das er em mit gewalt vnde
an sinen dangk entgangen sy, ut ff. de regulis iuris l. favorabiliores7.
Jr sollit wissin ouch: Qweme eyn cleg(er) vor geheigete bang, vnde kundigete deme
richtere vnde den schepphen, wy das er eynen dip yn das gefenckenisze bracht hette,
der sal bitten den richter, das er czwene schepphen dar sende; nach der schepphen
bekentinisze wil er sine clage ghein dem gefangenen gestellen; das tut der richter
billich. Die schepphen sollen ghen vnde besehen, wy der yn gefenckenisz komen sy;
das sollen sy bekennen vor dem richtere; nach dem bekentinisze sal ghener sine clage
stellen. Alz man den man in hanthaftiger tat vehit, also sal er en vor gerichte brengen,
<ut> ss li. i ar. lxvi wen man et cetera8, et ss li. ii ar. <lxiiiig> wyp adir mait9.
a CX B.b so L fol. 102vb; fehlt B.c doppelt B.d et cetera folgt B.e so L fol. 103ra; fehlt B.f so L fol. 103rb; fehlt B.g so L fol. 103va; xliiii B.