Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 63››
Articulus LXIII
<Summarium> Ab eyn man zcu varndir habe gewist wurdea.
<Textus>
[63] Besiczit eyn man koufenschacz ader varnde habe yn wichbilde von gerichtis halben, vnde bewt er daz vff yn dren dingen, alz recht ist, vnde wirt er des geweldiget zcu dem virden dinge mit rechten orteilen, vnde gibit er sine fredebusze doruff vor dem richtere vnde vor den schepphen; vnde komit ghenner dornach, sien gut zcu uorstehn ader vz zcu czihn, der erste ist nehr, siner geweren zcu behalden daran mit dem richtere /B 166r vnde mit den schepphen, sint is vz den geweren komen ist, denne is ghenner zcu behalden sy mit rechteb.
Glosac
[63] Jn dissim articulo wil vns das recht lernen, wy eyner eyne gewere an varnder habe irkrigen moge, vnde spricht: Besiczit eyn man varnde <habed> von gerichtis halben. Das ist zcu uornemen, ab eyn man zcu eynem gute gewist wurde von richtere vnde von schepphen, ader ab eyme phandes gehulffen wurde, alz ab er eyn gut angesprochen hette, ad(er) ab is em gegeben were, ader vorsaczt; dis sal er uffbieten vor eynem gehegeten dinge, vnde sal vmme eyn orteil vragen, was man em domit bescheide zcu allen vffbitungen; vnde gebe sine wissepheninge doruff. Komit denne ghener, vnde wil sien gut ader sien kouffinschatcz ader andere varnde habe dorane bewisen, so vinte man: Wer das gut in geweren hat vmme schult, ader vmme anders icht, der ist nehir, mit sinen geczugen, das ist mit richtere vnde mit schepphen, zcu behalden sine schulde, wenne sy ghenner darane behalden moge, ut ff. ne vis fiat ei qui in possessionem missus est l. pretor ait1.
Jr sollet wissin: Besesse zo eyn man kouffenschatcz ader andere varnde habe von gerichtis halben, vnde der vngheinwertig ist, ist er vnkeinwertig durch redelichir sache wille, vnde ist nicht geladen gewest, der cleger, der sien recht uff dem gute irstanden hat, vnde das yn sine gewere mit orteil vnde mit rechte gebracht hat, ist nehir, doby zcu bliben; das ist, ab en ghenner deube ader roubes dorane czigen welde. Spricht aber ghenner, em were vnwissende vmme keinerhande beschuldigunge, vnde er were nicht ynheimisch noch ynlendisch, er welde sien gut vortreten mit rechte, gebe em ymand icht schult, des wolde er sich vorantwerten jn sollichir wise, <derf dasf> gut in geweren hette, vnde yn dieg gewere bewisen mag, ist uff dem gute sine schult nehir zcu behalden, den ghener das gut vzcihn mag. /
a rubriziertes et cetera folgt B.b et cetera folgt B.c rubriziertes et cetera folgt B.d so L fol. 94rb; fehlt B.e für nicht getilgtes mus mit Verweiszeichen am Rand B.f–f so L fol. 94va; das der B.g mit Einfügungszeichen über der Zeile B.
1Dig. 43, 4, 1 (richtig: l. ait praetor).