Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 62››
Articulus LXIIa
<Summarium> Von vsgeraten kindern. /
<Textus>
B 165r[62] Stirbit eyn man yn wichbilde, der kyndere hat, die vzgerat sien von sinem gute, vnde eynen son vnbestat, der bestorben ist yn dem gute, ader eyne tochter yn der gewere, die mogen wol ir gebewde vorkeuffen mit der muter wille, ane der kindere wederrede, dy vzgerat sien von dem guteb.
Glosa
[61] Nw vnderwist vns das recht, ab eyn man so sien gut vorgebin welde, das uff czinsgut steht, vnde spreche denne der herre, er wuste von em nicht, so muste das der czinsman bewisen mit sinen genoszin selbsobinde. Vorworffe der czinsherre die geczeuge mit deme, daz er spreche, er wuste von en nicht, so muste eyn iczlichir vmme sien gut mit geczeuge ghein em behalden selbsobinde, alz in dem texte stehit, et C. de agricolis et censitis l. i1, <et> ss li. i ar. liiii js darff kein czinsman2, et ss li. ii ar. xxi vul wergelt3 ver. der czinsman4, et <ss> li. ii ar. liii waz eyn man buwet5, et e. li. ar. xlix wil eyn herre6.
[62] Nota. Stirbit eyn man yn wichbilde, vnde lest er kindere, die vzgerat sien, das ist, die erbeteilunge vorlabit haben, vnde besterben kindere in dem gute, is sien welchirley erben is sien, tochtere adir sone, in den geweren, die mogen wol sien gebeuwede vorkouffen, das ist, das uff dem czinsgute stehit, mit der muter wille. Das ist darumme, das dy muter angeuellis an den vnbestaten kindern wartende ist; vnde ouch, ab das gut nicht eyn anirstorbin gut were; weres abir eyn anirstorbin gut, zo mochten is die kindere nicht vorkouffin ane erben orloub.
Nota regulam. Jr sollet wissin: Sturbe ouch eynem wibe eyn angeuelle an, stirbit sy, das erbe vellet uff ire kint. Sterben dy kindere dornach, is vellet uff den vater, vnde der kindere magen von muter /B 165v halben mogin darczu kein recht gehabin. Also <istc isc> ouch von deme vatere zcu uornemen. Wenne worumme die kindere mogen irer swester angeuelle nicht genemen, die wile vater vnde muter lebet, <ut> ss li. i ar. xvii stirbit der man7 ver. wo das kint8, <et> in autt. de heredibus que ab intestato deferuntur § quia colla. ix9.
Jr10 sollet ouch wissin: Ab sich eyn man vorswestirt ader vorbrud(er)t, das sal man alzo vornemen: Stirbit eyner, der keinen bruder noch swester hat von <vollerd> gebort noch von halber, alle, die yn glicher sippe sien, is sy von vater halben ader von muter halben, die sollen das erbe glich nemen, alz <vaterse> brud(er) vnde swester. Disse nemen glichen teil, alzo vor gesprochen ist.
Jr11 sollet ouch mehr wissin von der sipczal: Vffwert, vnder den zo nymt der nehiste alleine erbe. Nedirwert, wy uil ir sien, die nemen daz, daz ire worczil solde genomen haben. Wenne is abir vz den swest(er)n vnde vz den brud(er)n komet, zo nympt man das erbe nach der czelgen glich, <ut> Institu. de heredibus que ab intestato deferuntur § consequens12.
a rubriziertes et cetera folgt B.b et cetera folgt B.c–c so L fol. 94ra; is ist B.d so L fol. 94ra; wuller B.e so L fol. 94rb; vater B.
1Cod. 11, 48, 1.
2Ssp.-Landrecht I 54 § 1.
3Richtig: Ssp.-Landrecht II 20 § 2.
4Ssp.-Landrecht II 21 § 1.
5Ssp.-Landrecht II 53.
6Richtig: Ssp.-Landrecht II 59 § 1.
7Ssp.-Landrecht I 17 § 1.
8Richtig: Ssp.-Landrecht I 16 § 2.
9Nov. 118 pr. letzter Satz.
10Zum Absatz vgl. Ssp.-Landrecht I 17 § 1.
11Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht I 16 (I 17 § 1) (BG S. 222 Z. 4–15).
12Richtig: Nov. 118, 1 letzter Satz Mitte.