Artikel 64
B 166vArticulus LXIIII
<Summarium> Wy kein man noch kein wip in sichbette sien gut vorgebin mag.
<Textus>
Glosa
[64] Also hiruor gesprochen ist von czweierley gabe, czum ersten, die eyn wip irem manne,
ader eyn man sinem wibe gibit, vnde das ist eyne vorbundene gabe, die czwisschen elichen
luten geschit. Disse gabe geschit nicht alleine durch des todes vorchte, sunder mehr
durch sachen willen der heiligen ehe. Vnde darumme sollet ir wissen, das der gabe
czwierley sache ist. Eyne geschit durch vorchte wille des todes, die andere ane vorchte
wille des todes.
Darumme wolle<n> wir en wenig setczin von der selbien gabe, die zo geschit von denc luten, die mit suche beuallen sien, vnde iris libis noch irer craft nicht geweldig
sien; vnde lassin erben vnde iungen, den das gut von des rechtis anwisunge anirstirbet,
deme sy is denne entphromden wollen wedir das naturliche recht. Wenne das ist eyn
naturlich recht, vnde ouch eyn gesaczt rechtd. Vnde dis ist vnnaturlichen, das eyn man ader eyn wip, die mit des todis craft ryngende
weren, vnde das ire vorgeben welden, vnde is iren erben domit entphromden. Wenne wer
sien gut vorgibt zcu der czit, alzo er is selbir <nichte genuͤtczene> mag, so vorgibt er nicht, das sien ist, sunder er vorgibt das, das der ist, die
is von em wartende syn, <ut> jn autt. de mandatis principum § oportet autem colla.
ii1.
Contra. Were das alzo, das weder man vnde wip iris gutis nicht vorgebin mochte, wenne
is sich were, so muchten sy ouch kein testament machen. Vnde das ist vnrecht; des
ich mich czihe an das recht, das das testament <nyrnef> vorboten ist, ut extra de testamentis et ultimis voluntatibus /B 167r c. si heredes2.
Do sprechen die decretales: Welde eyn erbe nicht volbrengen das gelobde ader das testament
des testatoris, so solde en der bischoff des landes mit rechtem twange twingen, vnde
sine gutere mit allen fruchten vorkomern als lange, bis das er volbrenge, das der
tode gelabit hatte. Muste denne der erbe das thun, so mag der tode das syne wol vorgeben
vnde bescheiden.
Secundo. <Vortg> mehir, <wereh> das also, so bunde eynes mannes wille nicht. Vnde das ist vnrecht. Wenne worumme
man sal halden vnde volbrengen dy letczte begerunge vnde willen des toden, ut xvi q. ii <c.> ultima voluntas3. Vnde hette denne eyn todir das sine bescheiden durch got in sinem letczten willen,
vnde blebe der wille vnuorwandilt, vnde bestorbe mit dem willen, so volbrenget man
sine begerunge billich, ut extra de testamentis et ultimis voluntatibus c. non quidem4.
Tercio. Ouch mag eyn yderman das sine geben, weme er wil, is sy durch des todis vorchte
wille, ader nicht, ut Institu. de donacionibus § mortis donacio5. Do spricht das recht: Er mag das sine bescheiden; vnde blibit er lebende, er mag
das sine selber behalden, alz ab er is mit vnderscheide alzo bescheiden hat. Wenne
worumme der letczte wille sal der allercreftigiste sien, ut Institu. de legatis §
nostra autem6.
Jni oppositum. Weder dis zcu reden ist eyn teil zcu heftig. Darumme wolle<n> wir is korczlichen
obirlouffen, vnde sprechen, das kein man noch wip in sichbette iris gutis icht vorgeben
obir das bettebret obir drie schillinge, ader alzo uil, alz er begriffen mag mit der
hant in sinem bereitem gelde.
Vff dis sollit ir wissen: Gabe, die w(er)t drierley vnnuczlichen von sundirlichen
personen, die do gabe geben. Czum ersten male so ist die gabe vorbotten von dem rechten,
die do geschiet czwisschen mannen vnde wibern; das ist zcu uornemen, ab eyn wip eigen
ader erbe hette, ader lipgedinge, ader gerade, das sal syj irem manne mit rechte /B 167v nicht geben, weder jm sichbette noch by gesundem libe, do sy is iren erben mete entphromden
moge. Das ist ouch von dem manne zcu uornemen, ut ff. de donacionibus inter virum
et uxorem per totum7. Vnde dis ist darumme, das man vnde wip kein geczweiet gut haben zcu irem libe, ut
ss li. ii ar. xxxi man vnde wip8. Vnde9 von gemeinem gute mag nymant icht vorgebenk weder des wille, der das gut mit em gemeine hat, ut ff. pro socio l. ii § hiis vero10. Vnde mag denne ir eyns deme andern nicht geben, ab is wol ir beyder wille were,
so mag der man noch das wib wider synes gegaten wille keins vorgeben. Der11 man ist eyn houpt des wibis, vnde darumme so mag das wip wederl des mannes wille keins gethun, noch gelaben, noch geben, <ut> xxxii q. v <c.> mulierem constat12. Vnde13 vnmundige kindere mogen keins ane yres vormunden wille thun, noch gelaben, noch geben,
ut Instituta de auctoritate tutorum vel curatorum § unde in hiis causis14.
Vnde darumme irloubt das recht, ab ire vormunden iren willen darczu nicht welden geben,
das sie iris gutis nicht vorgeben ader bescheiden toren, das sy doch drier schillinge
wol gewaldig sien zcu geben, ader alzo uil, alz er mit der hant begriffen mag, ut
Institu. de inofficioso testamento § quia plerique15.
Tercio. Kein eigin man mag sines gutis ouch nicht vorgeben ane sines herren wille,
wenne worumme sy sien iris selbist nicht. Wenne sy sien eynem andern vndertaen mit
rechte. Vnde wer denne eynem andern gebunden ist zcu rechte, der ist sines selbist
nicht, ut Institu. quibus non est permissum facere testamentum § statim enim16. Gescheige <ism> abir mit der wille, die des angeuellis wartende sien, so mag er is geben ader bescheiden,
wemen er wolle, ab den erben ire dritten teil blibe, <ut> Institu. ad legem Falcidiam §
quantitas autem17.
Ad primam racionem. Ir /B 168r sollit vornemen uff dy erste jnstancia, das ane erbin orloub sines gutis in sinem sichbette nymant vorgeben mag. Vnde dis ist darumme, ab do schulde weren, die bliben vnuorgolden, vnde gebe denne
eyn erbe sinen willen dorczu, so muste der erbe das testament geben, vnde dennoch
die schulde gelden, ut Institu. de fideicommissariis heredi. § in primis igitur18. So verre, ab man des geczugen mag haben, das der erbe gelabete, so muste er is leisten.
Douon sprechen die decretales.
Ad secundam racionem. Daz man des mannes letczte begerunge volbrengen sal, das ist
zcu uornemen von den, die vry sien, vnde nymande gebunden sien. Weren sy abir gebunden,
vnde vorgeben sy icht, ader bescheiden sy icht ymande, sy musten is leisten. Douon
spricht der canon.
Ad terciam racionem. Eyn man mag wol das syne vorgeben, ader eyne bescheidunge thun,
die man volbrengen mus nach sinem tode; das ist, by gesundem libe vnde voller crafft
vnde guter vornunft sien ding geczuges hette, vnde geschickito, das man das geczugen mag mit soben erbarn mann(en), die by der bescheidunge waren.
Vnde ist, das der erbe <gewustp> hetteq, so muste is der erbe leisten, <ut> Institu. de legatis § nostra autem19.
Jr sollet wissen: Wo man so eyn gut weg scheiden wil, do sal er nemen by sinem gesundem
libe keigenwertig siben mannen, den er syne meynunge beuelen sal, vnde sinen rechten
erben das ouch beuelen; so hat is craft.
Nota. Die soben sollen ire bekentinisze thun mit des testatoris wille, vnde gemeiniglich,
vnder eynem ingesigele, ab is not ist, alz vor gerichte ader gewaldigen mannen. Disse
geczug sollen erhafftig vnde warhaftig sien; is sal weder wip, noch vnmundig, noch
eigen, noch stum, noch towp, noch vnsynnig geczeug sien, noch ouch eyn echter, noch
ouch eyn vorbanter, noch kein man, der rechtelos ist, ut Institu. de testamentis ordinandis
/B 168v § testes autem20. Wurden sy begriffen mit des rechten craft, alzo zcu uornemen, ab der testator zcu
dem testamentario spreiche: "Ich gebe dir myne gutere, vnde beuele sie dir, vnde heisse
dich, das du das dor vnde das dorhen geben salt, alzo verre, alz myn gut went vnde
gewendin mag nach mynem tode." Vnde gelabit das ghenner zcu thune, er ist phlichtig
zcu halden.
Das abir hie yn deme texte steit, das ist zcu uornemen, ab er keins bescheiden hette.
Wenne was eyn man yn sinem sichbette gibt, das vnuorgabit ist, geschit is nicht mit
der <erbenr> orloub vnde wille vnde sunderlichen worten, is ist vnnucze, ut Instituta quibus
<modiss> testamenta firmantur § rumpiturt 21.
a mag folgt B.b gloube B.c folgendes selbin unterpunktet B.d folgendes weder das naturliche recht unterpunktet B.e–e so L fol. 94vb; geczugen B.f so L fol. 95ra; fehlt B.g so L fol. 95ra; vor B.h so L fol. 95ra; fehlt B.i rubriziertes Jn oppositum am Rand B.j mit Einfügungszeichen über der Zeile B.k -ge- doppelt B.l -de- doppelt B.m so L fol. 95va; fehlt B.n aus wenne korrigiert B.o folgendes hette unterpunktet B.p so L fol. 95va; bewust B.q davor hat unterpunktet B.r so L fol. 95vb; erbern B.s modum B.t et cetera folgt B.
1Nov. 17, 12.
2X 3, 26 c. 6.
3Richtig: C. 13 q. 2 c. 4.
6Inst. 2, 20, 2 letzter Satz.
7Dig. 24, 1.
8Richtig: Ssp.-Landrecht I 31 § 1.
12Richtig: C. 33 q. 5 c. 17.
14Inst. 1, 21 pr. letzter Satz.
16Inst. 2, 12 pr. zweiter Satz.
17Inst. 2, 22, 2.
18Inst. 2, 23, 2.
19Inst. 2, 20, 2 letzter Satz.
20Inst. 2, 10, 6.
21Inst. 2, 17, 1.