Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
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B 157vArticulus LVIa
<Summarium> Ab eyn wip ire morgingabe adir lipgedinge zcu eigen behalden weldeb.
<Textus>
[56 § 1] Keyn wip mag in wichbilde morgingabe noch lipgedinge an eynes mannes erbe zcu eigen behalden. Stirbit sy, is gheit weder an des mannes erben.
[56 § 2] Hat ir der man kein gut gegeben, die besiczit in dem gute, vnde ire kindere sollen ir ire notdorft geben, dy wile sy ane man blibt.
[56 § 3] Hot der man schoff, die nymt sy zcu der gerade.
[56 § 4] Wolde man der vrouwen ire morgingabe brechen an varnder habe, die ir gegeben ist vor gerichte, sy behelt sy mit mannen vnde mit wibern, die do ke<i>nwertig waren, selbsobende.
[56 § 5] Hot der man vnde daz wip kindere, waz der zo vzgeradt sien, stirbt der man, die kindere nemen daz gutis nicht; die abir in der gewerec nemen daz gut, die nicht vzgeradit sien; das erbe mogen sy nicht vorkouffen ane erben orlob.
[56 § 6] Dy kindere, dy yn dem erbe bestorbin sien, stirbit der eyns, sy teilen daz erbe gliche, beyde dy uszin vnde ynnen syn.
[56 § 7] Wer aber yn den geweren ist, vnde blibit er eyn phaffe, er nympt dy gerade, ab do keined iungfrouwe ist. Jst do abir ouch eyne /B 158r jungfrouwe, zo teilen sy ouch die gerade gliche.
Glosa
[56 § 1] Also ir wol gehort habit, waz eyn man sinem wibe zcu wichbilderechte zcu lipgedinge geben mag, <ut> ss li. i ar. xx nu horet vnde vornemet1. Darumme wil er vns nu vndirwisen, ab nu die frouwe den man obirlebete, die sich sollich lipgedinge von orem elichen manne an eigen vnde an erben entphangen hette, vnde daz noch irer besiczunge vnde irer ynwisunge yn ire gewere brocht hette. Daruff so griffen die frouwen, den solliche gabe gegebin w(er)t, vnde ire erben nach irem tode, vnde meynten, das eigintlich zcu behalden. Das entscheit er hie korczlichin, vnde spricht, das kein wip in wichbilde et cetera.
Nota. Is geth wedir an dy erben. Dis ist zcu uornemen, ab ir man eyn lipgedinge gegeben hette, mit sollichir bescheidunge, zcu haben zcu irem libe. An syne erbin. Das iste an vnbewegelichin gute; das stirbit wider an des mannes erben billichir, denn an der frouwen, ut ss supra e. ar.2 Wenne worumme man mag wider eigen noch erbe ane erbin orloub nymande geben, <ut> ss li. i ar. li3. Ouch so ist is darumme, das is den frauwen zcu irem lipgedinge gegeben w(er)t, vnde nicht ewiglichen, alz ir in der nehisten racien gehort habt. Wenne worumme wert is ir zcu irem libe gegeben, so ist is irf, dy wile sy lebit; vnde darumme so mag den frouwen kein man ire lipgedinge brechen, <ut> ss li. i ar. lii morgingabe4 ver. lipgeczucht5. Wenne dy frouwen sollen keinen schaden entphan, ut in autt. de equalitate dotis et propter nupcias dona. § hiis consequenter6.
Ap nu eyn man sinem wibe hette gegeben gabe an sinen erben, vnde der man gewonne kindere mit ir, vnde sunderlichen were ir das erbe vorschreben vor yre morgingabe, vnde ir were /B 158v kein gelt benant; jr were ouch nicht benant, das sy domete zcu thun vnde zcu lassin hette; sy blebe nach ires mannes tode yn der gewere; die frouwe hette anders nicht, wenne das gut; wy wolde dy frouwe dem gute thun, sint sy is nicht mochte behalden, vnde sy is ane erbin orloub nicht mochte vorkouffen?
Jr sollet wissin: Gibit eyn man syme wibe eyn lipgeczucht an eigen, vnde is were der frouwen gegeben ane allerley bescheidenkeit, so das die frouwe domete nicht hette zcu thun vnde zcu laszin: Die frouwe mag das gut keinem lassen. Wenne worumme lest sy is vz iren geweren, sy vorlust is, <ut> ss li. i ar. xxi morgingabe7 ver. lipgeczucht8, et ss li. i ar. xxxiii kein wip9. Sie mag is ouch nicht vorkouffen ane erben orloub, <ut> ss li. i ar. lii ane erbin orloub10. Lisze sie is ouch wider erben wille, die erbin vndirwinden sichz mit rechte, recht alz die frouwe tot were. Wenne worumme wer eyn gut vz siner gewere lest, der selber keine gewere dorane hat, wenne nymant mag dem and(er)n bessir recht laszin vnde gegebin an eynem gute, wenne alz er selbir dorane hot, ut ff. de regulis iuris l. nemo11.
Nota. Das ist nicht alleyne vnser recht, das kein man mag sines wibis morgingabe entphromden. Du hast is ouch Institu. quibus alienare licet vel non § non dotata12. Vnde is mag ouch kein wip vorkouffin noch vorkomern noch vz irer gewere lasen, ab sie is wol mit irem schaden hilde. Darumme so wolle<n> wir eyn mittil vynden, wie das dy frauwe durch ir armut nicht vorwuste, vnde ouch darumme keinen kummer lyden dorffe, ab man is wol weren mochte.
Nota. Were is sache, das eyner frouwen eyn lipgedinge gegebin were, vnde mochte sy das nicht behalden durch armut wille, /B 159r so sal sy komen vor den richter in gerichte, do das gut ynne gelegen ist, vor gehegete bang, vnde sal bewisen ir recht, das sy zcu dem gute hat. Vnde sal sprechen: "Herre, er richter, ich byn zcu vnmundig, des gutis zcu uorwesen, vnde zcu arm; das gut mochte vorwust werden durch myns gebrechens willen, den ich bewisen wil, wy mir is die schepphen teilen vor eyn recht, vnde bitte, mich mit dem rechten zcu vnderwisen, was ich mit deme gute zcu rechte thun solle, das ich nicht bekomirt doby dorffe sien." So vint man ir zcu rechte: Sy solle is den erben zcu losen geben. Weigert der erbe das, <sieg> tut is vz vmme czinsz; wollen is abir dy erben vmme czins nemen, als man is andirswo besteen wolle, die erben sien is nehir. Weig(er)n sy das, man sal der frauwen das gut schatczen, do dy erben kegenwertig sien, vnde man sal is en anbyten mit des richters vnde der schepphen orkunde vnde bekentinisz. Weig(er)n das die erben, so vrage die frouwe eynes orteils: Nach dem male das rechte nod die frauwe dorczu twinget, sunderlich alz armut, das sy der gutere nicht behalden mag, die ir vorschrebin sien zcu irem libe, dy selbien gutere sy den erbin angeboten hat vmme gewonlichin czinsz zcu irem libe, ader lediglichin abe czu losen, des sy sich geweig(er)t haben, wissintlichin richtern vnde schepphen; bitt die frauwe, yn eynem rechten orteile zcu irfaren, was sy domete zcu rechte thun solle, das sy ir domete nicht schade<n> an yrem rechten.
Hiruff sprechen wir eyn recht: Sy mag is vorphenden vmme czins zcu yrem libe, vnde iris libis notdorfft domete irkrigen; mag sy is nicht vormyten, sy vorkouft is, wy sy mag, synt sichz dy erben nicht wollen vndirwinden, do man is en anboth; /B 159v vnde ist der frauwen vnschedelich, ut infra ar. xciii wo eyn man13, <et> ss li. i ar. xx nu vornemet14.
Jr sollet wissin: Sturbe eynem wibe ir man, vnde hette er ir gut gegeben vor gerichte, vnde ist die gabe an varndir habe, dy frouwe tut domit, was sy wil. Jst abir die gabe an eigen vnde an erbe, vnde mag man das geczugen, das is ir zcu irem libe gegeben ist, wenne sy gestirbet, is vellet an ires mannes erben. Jst is ir gegeben, domit zcu thun vnde zcu lasen mit erben orloub, an der stat, do is craft hat, sy erbit <ish> uff iren nehisten magen. Stirbit ir abir gut an von iren kindern, sy erbit is an ire nehisten magen.
Jr sollit wissin: Jst eyner frouwen eyn hus gegeben, sy behelt mit rechte, was ir darane gegeben wirt, vnde geuellet nach irem tode an des mannes erben; vnde ist den erben vnschedelich, ab sy der gabin nicht wedersprechen; haben sy sich vorswigen iar vnde tag, sy mogin is ansprechen, wenne sy wollen, vnde das swigen ist en vnschedelich an irem rechte.
Jr sollet wissin: Stirbit eynem wibe ir man, vnde hette er ir gabe gegebin vor gerichte an sinem gute, sy behelt dy gabe mit richtere vnde mit schepphen, alz recht ist, <ut> ss li. i ar. viii wo der man15. Jst abir die gabe vor gerichte nicht geschen noch bestetiget, vnde hat er ir gabei gegebin, sy ist ire gabe nehir zcu behalden mit ires selbist hant vff den heiligen, wenne ir ire gabe ymant angewynnen moge mit geczuge; die gewere abir iris gutis ist sy nehirj mit geczeuge zcu behalden nach todir hant, selbsobinde mit mannen vnde mit wiben, dy do gheinwertig waren, do die gabe geschach.
Jr sollit wissin ouch: Gibit eyn man sinem wibe alle sien gut, das er hot, mit erben orloub, vnde w(er)t /B 160r die gabe benant vor geheigeter bang, vnde behelt der frouwen man, zcu thun vnde zcu lassen mit dem gute, vnde blibit das gut vnuorwandilt vnde vnuorrucket, die frauwe besiczit mit der gabe vswisunge bisz an ires libis ende. Was do gutis ist an varnder habe, das erbit sy vff iren nehisten.
[56 § 5] Nota. Hat der man vnde das wib kyndere, was der et cetera. ,Vszgeradt‘ ist alzo gesprochen, alzo zcu rate vzgesatczt vsz sines vaters ader muter brote yn sien eigen broth, mit abesunderunge gutis, dy das gut annamen wollen, <ut> ss li. ii ar. xxix der vater16, <et> Institu. quibus modis ius patrie potestatis solvitur § i17.
Wirt so eyn kint vsgerat, vnde vorlabet is erbeteilunge, so blibit das gut nach sines vaters tode den, die yn der gewere bestorben sien, <ut> ss li. i ar. xiii sunder<t> der vater18 ver. haben sy abir19. Das erbe mogin sy abir nicht vorkouffen, darumme das man is ane erbin loube nicht gelassin mag, <ut> ss li. i ar. lii ane erbin loube20. Welden abir dy vszgeraten kindere ires vaters ader irer muter erbeteilunge ansprechen, sy musten ynlegen alles das, das en ir vater gegeben hette, mit irem eyde, <ut> ss li. i ar. xiii sundert der vater21. Des mochten sich die vngeratten kindere nicht geweren mit keinem rechte, sy mochten denne die vz geratten vorlegen mit geczuge.
Jr sollet abir wissin: Ab is dy vsgeratten mit rechte vordern <woltenk>, sy musten by irem eyde bewisen vnde ynbrengen, do sy mit vsgeradt worden; was abir gewislichz gutis were, das musten dy vsgeratten nicht ,neyn‘ dauor sprechen, <ut> ss li. i ar. xiii sunder<t> der vater22. Jst is an eygen ader an erbe, das en gegeben was, das mussen sy alles ynbrengen ane vnschult. Doch dorffen sy nicht ynbrengen, waz der vater ader /B 160v diel muter <enm> gegeben hette, sunderlich dem sone, vmme cleidere, an harnisch vnde an pherden, zcu der czit, do er is geben mochte, <ut> ss li. i ar. lii ane erben orloub23 ver. alle varnde habe24, vnde do dis der so nuczin mochte, das ist, alzo der son mundig worden was, <ut> ss li. i ar. xlii ehr sinen tagen25 ver. ober eyn vnde czwenczig iar26. Der tochter mag man ouch geben, das sy nicht ynbrengen darff, alz ire cleidere, vnde ir gebende, vnde gerade; vnde dem knechte hergewete, alz vor gesprochin ist; vnde darumme teilet die vngeratten swester irer muter gerade nicht mit der geratten swester, <ut> ss li. i ar. v nympt der son27 ver. die tochter28. Das selbie ist ouch zcu uornemen vmme das hergewete; des dorffin sy nicht ynlegen, vnde dy, die in der gewere bestorbin sien, durffin mit dissen nicht teilen; vnde disz ist dorumme, das ghene iren teil weg haben, vnde dorffen keins wagin, ab sichz mynret. Disse aber, die yn der gewere bestorben sien, mussin das wagen; vnde wer denne an dem erben schaden wartende ist, der hat den fromen billich, ut Institu. de legittima patronorum tutela § ideo autem29.
[56 § 6] Nota. Dy kindere, die yn dem erbe bestorbin sien, stirbit der eyns, sy teilen das erbe glich vnder sich. Daz ist zcu uornemen, ab do keine muter ist, an die is gesterben mag, ut in autt. de triente et semi<s>se § neque colla. viii30, <et ss> li. i ar. iii Origenes31 ver. alle die sich32.
[56 § 7] Nota. <Wero> abir et cetera. <Ut> ss li. i ar. v nymt der son33 ver. der phaffe34. Jr sollit wissen: Das ist den phaffen zcugegebin durch iris betens wille, vnde das man dy pristerschaft do mete eret. Wenne die muter der heiligen cristinheit genuszit iris gebetis, ut in autt. de sacrosanctis episcopis et deo amabilibus clericis § i colla. ix35.
Vnde darumme sollet ir wissin: Sturbe zo eyne gerade los von eyner frouwen, vnde wil sichz do eyn schulir zcuczien, der /B 161r sal gewiet sien, vnde sal sien formate bewisen. Jst er ehr gewiet gewest, ehr en die gerade anirstarb, so volget em dy gerade billich, ab er phaffe blibit. Blibt er abir nicht phaffe, er mus die gerade wedergeben, sunderlich der nyftiln, an die dy gerade solde geuallen sien; wenne do er wyb namp, do vorslug er dy phaffheit. Were dis wip eyne iungfrouwe gewest, alzo er sy nam, vnde gelabit er pristirschaft, ab er das wip obirlebt, er blibit by der gerade, so verre ab er vor gewiet were von dem bisschoue, <ut> lxix di. <c.> non oportet36.
Jr sollet wissen: Gebe eyn man sinem wibe eyne morgingabe nach des landes gewonheit, an allerley vnderscheit, vnde sturbe das wyb, die morgingabe sturbe an iren vater, al lebete der man. Hette aber der man behalden, domit zcu thun vnde zcu lassen, vnde das sy die morgingabe nach <synemq> tode halden solde, vnde obirlebete der man das wip, die morgingabe blibt by dem manne. Vnde stirbit der man, die morgingabe mit anderim sinem gute stirbit an des wibis erben.
Nota. Gibit eyn man synem wibe morgingabe, vnde nymmet sy dy vz nach iris mannes tode, vnde hat der man kindere, dy nicht bestat sien, waz der kindere sterben, das angeuelle stirbit der muter in den schosz, alzo verre als das tode kint <keyner> kindere vort hat. Jst dis eyn wibisname gewest, vnde hat is eyn kindelin knechelin gelassen, so behelt der toden frouwen muter die gerade billich. Were is ouch <eins> meidelein gewest, vnde sturbe is nach der mutert tode, der frouwen muter nympt die gerade mit merem rechte, denne des mannes muter, <ut> ss li. i ar. xxi morgingabe37 ver. so behelt38.
a rubriziertes et cetera folgt B.b rubriziertes et cetera folgt B.c ursprünglich stand geweren, -n über- und unterpunktet B.d folgendes iu durchgestrichen B.e folgendes v durchgestrichen B.f die folgt B.g so L fol. 90va; So B.h so L fol. 90vb; fehlt B.i davor gabe und einzelner Buchstabe g (?) B.j davor nehr durchgestrichen B.k so L fol. 91ra; worden (davor mochte unterpunktet) B.l davor noch einmal ader B.m so L fol. 91rb; em B.n vn- über vz- B.o so L fol. 91va; Were B.p ursprünglich stand genam, ge- durchgestrichen B.q so L fol. 91va; irem B.r so L fol. 91vb; kenei B.s so L fol. 91vb; fehlt B.t folgendes die gerade billichir unterpunktet B.
1Ssp.-Landrecht I 20 § 1.
2Ssp.-Landrecht I 20 § 1.
3Richtig: Ssp.-Landrecht I 52 § 1.
4Richtig: Ssp.-Landrecht I 20 § 6.
5Richtig: Ssp.-Landrecht I 21 § 2.
6Nov. 97, 3 (richtig: c. his consequens).
7Richtig: Ssp.-Landrecht I 20 § 6.
8Ssp.-Landrecht I 21 § 2.
9Richtig: Ssp.-Landrecht I 32.
10Ssp.-Landrecht I 52 § 1.
11Dig. 50, 17, 120.
12Inst. 2, 8 pr. zweiter Satz (richtig: nam dotale).
13Weichbildrecht 93.
14Ssp.-Landrecht I 20 § 1.
15Ssp.-Landrecht I 8 § 1.
16Richtig: Ssp.-Landrecht II 19 § 1.
17Richtig: Inst. 1, 12 pr.
18Ssp.-Landrecht I 13 § 1.
19Ssp.-Landrecht I 13 § 2.
20Ssp.-Landrecht I 52 § 1.
21Ssp.-Landrecht I 13 § 1.
22Ssp.-Landrecht I 13 § 1.
23Ssp.-Landrecht I 52 § 1.
24Ssp.-Landrecht I 52 § 2.
25Ssp.-Landrecht I 42 § 1.
26Ssp.-Landrecht I 42 § 1 dritter Satz.
27Ssp.-Landrecht I 5 § 1.
28Ssp.-Landrecht I 5 § 2.
29Inst. 1, 17 letzter Satz.
30Nov. 18, 4.
31Ssp.-Landrecht I 3 § 1.
32Ssp.-Landrecht I 3 § 3 vierzehnter Satz.
33Ssp.-Landrecht I 5 § 1.
34Ssp.-Landrecht I 5 § 3.
35Nov. 123, 1.
36D. 69 c. 2.
37Richtig: Ssp.-Landrecht I 20 § 6.
38Richtig: Ssp.-Landrecht I 20 § 7.