Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 49››
Ar. XLIX
<Summarium> Von bussen zcu wichbilde vnde von lassen rechte.
<Textus>
[49 § 1] Wo eyn lasse syne busze vorlust zcu geben, daz sien driszig schillinge; syn gewette vir schillinge.
[49 § 2] Waz der lasse vngerichtis tut, do sal er sinem herren vmme antwerten, uff des gute er siczt, ader sinem voite.
[49 § 3] Wen der lase stirbit, zo ist sinem herren ledig das beste phert, daz sien waz, vnde syne tegeliche cleidere. Daz selbie ist dem erczpristere, wenne eyn phaffe stirbt vnder sinem bannea.
Glosab
[49 § 1] Hiemit wil er nicht mer bewisen, wenne was eyne rechte busze sy zcu wichbilde rechte; vnde meynt, das keines mannes busze hochir louffe zcu wichbilde rechte, wenne uff driszig schillinge /B 153r sollichir pheninge, alzo do ghenge vnde gebe sien; vnde setczit eyn glichenisz von den lassin. Eyn lase ist nicht anders zcu uornemen, denne die von den <sync> komen, dy vnsere eld(er)n lissen siczen, do sy die Doryngisschen hern slugen vnde vortreben, <ut> ss li. iii ar. liiii zcu Babilonia1 ver. do lissen2.
Jr sollit wissin: Disse, die lasen sien gnant, dy waren eigen, vnde do dy lant ir siczir saczten, do wart den eigen gegebin virley gnade.
Primo. Eczliche3 wurden zcu male fry vnde ledig; von den vint man ss li. iii ar. lxiii wo gebuer4 ver.d czugen auere dee schepphen5, <et> Institu. de libertinis § <dediticiorumf>6.
Secundo7. Eczliche8 bleben eigen alle ire lebetage, vnde wurden fry, wen(ne) sy gestorbin. Vnde das waz darczu guth, das sich ir herre iris gutis nichtis nicht vnderwynden mochte. Vnde die sien in dem rechten <dediticiig> genant, <ut> C. <de> <dediticiah> libertate l. i9.
Tercio. Eczliche10 wurden ledig, die wile sy lebeten, vnde wenne sy storben, so wurden sy eigen. Vnde dy hisen dy lasen. Vnde heisen darumme die lassen, das sy ire gutere iren hern lasen. Vnde darumme spricht er hie: [49 § 3] Jr beste phert, vnde ire tegeliche cleidere. Vnde dis recht komit von Romischem rechte, ut Institu. de libertinis § libertinorum autem11.
Vnde seczit das darumme, recht ab er solde sprechen: Alle, dy in wichbilde gesessin sien, sien gliche vry. Vnde darume, das denne dis dy geringiste friheit ist, der uor eygen ist, vnde vry gelassin w(er)t; vnde darumme behelt er vrier lantsessin recht, <ut> ss li. i ar. xvi kein man mag12 ver. sunder13. Vnde darumme, daz sy fry sien, darumme habin sy so getane busze, <ut> ss li. iii ar. xliiii nu vornemet14. Czu lantrechte ist sine busze xx schillinge vnde sechz pheninge vnde eyn helbeling15.
Concordancia. Dis ist darumme, das dis gewilkort recht ist, vnde ghenes /B 153v gesaczt rechti.
a et cetera folgt B.b rubriziertes et cetera folgt B.c so L fol. 87ra; synen B.d mit Einfügungszeichen über der Zeile B.e–e mit Einfügungszeichen über der Zeile B.f so L fol. 87ra; dediciorum B.g so L fol. 87ra; diditicii B.h so L fol. 87ra; dedidicia B.i et cetera folgt B.
1Richtig: Ssp.-Landrecht III 44 § 1.
2Richtig: Ssp.-Landrecht III 44 § 3 erster Satz Mitte.
3Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 42 (III 44 § 3) (BG S. 1220 Z. 1 f.).
4Richtig: Ssp.-Landrecht III 79 § 1.
5Richtig: Ssp.-Landrecht III 81 § 1.
6Inst. 1, 5, 3 zweiter Satz (richtig: sed dediticiorum).
7Zu den folgenden zwei Absätzen vgl. Accursius, Glosse zu Inst. 1, 5, 3 ad v. dedititii (Venedig 1581 V S. 20): Id est, vocabantur Dedititii ... Et erant hi toto tempore vitae suae servi, & tunc fiebant liberi cum moriebantur: quod proderat, quia bona (ut peculium) a domino non occupabantur: sed in Latinis aliter fiebat, ut colligitur hic ex eo, quod minus habebant Dedititii, quam Latini, ut infra de suc. lib. § fi.; dazu Steffenhagen, Accursische Glosse S. 73 f.
8Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 42 (III 44 § 3) (BG S. 1220 Z. 3–6).
9Cod. 7, 5, 1 l. un.
10Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 42 (III 44 § 3) (BG S. 1220 Z. 7–10).
11Inst. 1, 5, 3.
12Ssp.-Landrecht I 16 § 1.
13Ssp.-Landrecht I 16 § 1 letzter Satz.
14Richtig: Ssp.-Landrecht III 45 § 1.
15Vgl. Ssp.-Landrecht III 45 § 7.