Artikel 41
Articulus XLIa
<Textus>
[41 § 1] Wo eyn man des andern wort sprechen sal, do er mit orteiln zcu getwungen wirt yn
eyner hanthaftigen tat, der spreche alzo: "Herre, er richter, habt ir mich dissem
manne zcu eynem vorsprechen gegeben, zo vrage ich eynes orteils zcu uorsuchen, ab
ich vyntschaft ader veide haben dorfe, daz <ichd> des wort spreche durch rechtis wille, alz ich beste kan vnde mag?" Zo em daz gefunden
w(ir)t, zo dinge er em das wandil, vnde ab er icht sich des mit mir vnde mit eynem
andern irholen moge.
[41 § 2] So vrage er yn eynem orteil zcu irfaren, wy er die clage begynnen solle, daz is
em helffe zcu synem rechte. Wenne em das gefunden w(ir)t, so vrage er vort eyns orteils
zcu uorsuchen, ab man icht durch recht den sachwaldigen vragen solle, wer den vrede
an em gebrochen habe.
[41 § 3] Ab er zo vnkreftig ist, das er nicht gesprechen mag, wenne em daz gefunden /B 137r wirt, vnde en der richter vnde czwene schepphen ader czwene dingmanne besehen haben,
wen em dis gefundene wirt von dem eynen, von dem andern, von dem dritten, zo mag er vragen, ab er volkomen
sy. Wenne er das gehort hat, vnde der vredebrecher vorgeladen ist, zo spreche er alzo:
[41 § 4] "Herre, er richter, wollit ir N. wort vornemen? N. claget obir Heinrichen, daz er
ist komen in wichbilde yn der vrien straszin, vnde hot den vreden an em gebrochen,
vnde hat en gelemet, vnde hat die not an em getan, die er wol bewisen mag, vnde hat
en beroubet libes vnde gutis, vnde hat em des zouil genomen, das is nicht erger ist,
is sy wol kamphes wirdig; vnde darumme bittit er rechtis gerichtis." So mus man den
vredebrecher vorheisschen zcu eynem male, zcum andern male, zcum dritten mole by synem
namen. Zo sal er aber syne clage vornuwen: "N. claget obir Heinriche, daz er komen
sy yn wichbilde yn des keisers strasse, vnde hat en beroubit libes vnde gutis, vnde
hat dy not an /B 137v em getan, die er wol an em bewisen mag, vnde bittit darumme gerichtis." Alzo thu
er ouchf zcum dritten male.
[41 § 5] Zo sal er bewisen dy wunden. Zo vrage er an eynem rechten zcu uorsuchen, ab er den
fredebrecher nyndert an qweme, ab er en icht bestetigen moge von rechtis halben. Wen
em daz gefunden w(er)t, zo bitte er denne eynes fredeng.
Glosah
[41 § 1] Dis vint man in dem richtstige. Ydoch so sollit ir wissen eyne sunderliche wise,
die er hie vor gibit, zcu bewaren eynen iczlichen vorwunten, vnde den zcu uoruechten
zcu wichbilde rechte. Wenne worumme sal eyn man sien ding mit rechte bewaren, so ist
ouch wol not, das von dem rechte bescheiden sy, wy man is bewaren sal; wenne die sachen
sien manicherley. Darumme ist dy vorderunge an manichen stucken sunderlich. Darumme
so spricht er hie von dem gemeinsten. Wenne worumme vorsprechen sien gesaczt zcu dem
gemeynen nucze, deme rechte zcu dinen vnde der gemeinen, daz sich cleger vnde antwerter
vor schaden bewaren mogen, des sie sich nicht bewaren kunden, wenne sy nicht vorsprechen
hetten, <ut> ss li. i ar. li allerhande1 ver. so clage eyn iczlichir mit vorsprechen2.
Wenne3 worumme dy vorsprechen sien genant des rechtis stritliche rittere. Wenne so der krigliche
ritter mit dem swerte der gemeinen nucz beschirmit vnde stritit, alzo tut der vorspreche
mit siner vornu(n)ft vor das recht, das vnrecht zcu uordrucken, als vns des heiligen
rechtis vswisunge zcu uornemen gibt, <ut> Institu. in prohemio /B 138r <§> jmperialem maiestatem non solum armis decoratam4.
Do by <isti> zcu uornemen, das gar eyn vornemisch ammecht ist eyn vorspreche, vnde darumme mag
eyn iczlich vnbesprochen man wol eyn vorspreche sien, <ut> ss li. i ar. lij ane vorsprechen5 ver. eyn iczlich man6. Wenne wer rechtelosz were, ader eigen, ader toup, ader vnsynnig, ader vnmundig were,
der mag nicht des and(er)n sache furen vor gerichte, darumme das sy nicht macht haben,
vor gerichte zcu stehn, ut ff. de postulando per totum7, et iii q. vi <c.> infames8. Wenne worumme wer selber ane vorsprechen nicht vorstehn mag, der mag andere lute
sachen nicht furen; vnde dis ist manicherley zcu uornemen, <ut> ii q. i <c.> prohibentur alii accusare propter sexum9. Sunderlichin frouwesnamen sollen sich des nicht annemen. Phaffen vnde moniche sollen
ouch nymandis wort furen, <ut> ss li. i ar. lx ane vorsprechen10 ver. iczlich man11. Ydoch yn sunderlichin sachen mogen sy procuratores sien in geistlichem rechte, vnde
darumme, das sy der gemeinen nucz zcugehoren. Darumme mag sich eyn man schadens irweren,
der eynen vorsprechen hat, die wile er an synes vorsprechen wort nicht gheit, <ut>
ss li. iii ar. xiiii ab der man an sines12. Vnde darumme spricht er hir: Wo eyn man des and(er)n wort reden sal, do er mit orteiln zcu getwungen w(ir)t.
Jrk sollit wissin, wy man eynen dorczu twingen sal, das er eynes mannes wort furen mus
zcu wichbilde rechte. Wissit: Wenne eyner spricht: "Herre, er richter, ghunnet ir
mir eynes mannes, der myn wort spreiche?" So spricht er: "Ich gan dirs wol." Spricht
abir der, der des vorsprechen darff: "Herre, er richter, ich byn so arm vnde enelende,
das ich nymandis zcu rate vnde zcu hulffe gehaben mag, der is durch got tete, vnde
zcu myme rate /B 138v ghinge, vnde myn wort spreiche, ghunnet ir mir des?" So spricht der richter: "Ich
ghan dirs wol." So spricht disser: "Ich dancke gote vnde uch, er richter." So sehe
dissir gar eben, wen er bitten wil. Bit er eynen, vnde weis sines namen nicht, so
spreche er alzo zcu deme, den er gerne hette: "Herre, ich bitte uch durch got vnde
durch des rechten wille, das ir min wort sprecht." Weigert er em des, so spreche der
vorderer: "Worumme wollet ir is nicht thun?" Bittit abir der vorderer den richter,
vnde spricht alzo: "Jch bitte vmme den man", vnde benennet en, vnde bewisit en, das
en der richter irkennen moge, so spricht der richter: "Ich ghan is em wol." Spricht
abir der vorderer: "Nach deme daz er yn euwerem gerichte besessin ist, bitte ich yn
eynem rechten orteile zcu irfarn, ab er sich weren mag zcu rechte, ader nicht?" Hir
uff spreche<n> wir eyn recht: Jst er besessin, er mag sichs nicht weig(er)n, <ut>
ss li. i ar. lx ane vorsprechen13 ver. vorsprechens mag sich keiner geweig(er)n14. Jr sollit abir wissen: Spricht der richter: "Ich gebiete dirs von gerichtis halben,
das du sien wort furest", weig(er)t er das ane rechte sache, so mus er dem richtere
wetten; hat er abir rechte sache, do mete er sichz weig(er)n mag, als ab die sache
uff sinen herren ghinge, ader uff sinen mag, das lip ader gesund antreiffe, so weig(er)t
er is billich; das mus er bewisen mit sinem eide, ab er is thun thar, vnde ab is en
der richter nicht irlassin welde. Spricht er abir, er konne is nicht, das mus er abir
bewisen, ab is <derl> richter nicht gloubin wil. Wenne worumme alle disse sachen treffen den richter an.
Wenne worumme der sachwalde bath den richter vmme eynen vorsprechen; das irloubete
em der richter; wenne kein vorspreche mag ane des richters loube nicht sien, <ut>
ss li. i ar. lx ane vorsprechen15 ver. der richter16, <et> iii q. vii /B 139r <c.> tria17. Vnde darumme darff der vorderer keines zcu vragen, wenne er tut nicht weder den
vorderer, sunder wedir den richter. Vnde darumme zo nymt der richter das gewette,
vnde der vorderer keine busze, <ut> ss li. i ar. liii wer nicht <volgetm>18 ver. ydoch zo wettet man dem richtere19. Also mag eyner eynen zcu eynem vorsprechen irkrigen.
Nota. Hette ouch eyner zcu teidingen, vnde sege eynen vorsprechin, den er gerne hette,
vnde hette sien wedirsache mit dem selbien betedinget, vnde disser welde en ghenem
entphromden. Alz: N. vnde P. tedingen mit eynander; des hette N. mit Heinrich getedinget,
das er syn wort sprechen solde; nu were Peter antwerter, vnde hette ouch gerne den
H.; P. spreiche zcu dem richtere: "Ghunnet ir mir zcu reden, herre, er richter?" Der
richter spricht: "Ich ghan dirs wol." "Jch bitte eynes mannes, der myn wort rede,
vnde bitte vmme den Heinrich." Spricht denne N.: "Ich bitte ouch vmme den Heinrich,
das ir mir en gebit." Spricht denne P.: "Herre, er richter, ghunnet ir mir zcu reden
mit loube. Nach dem male das ich zcum ersten male vmme den Heinrich gebeten habe,
des ich mich czihe an richtere vnde an schepphen, vnde bitte yn eynem rechten orteil
zcu irfaren, ab er icht myn wort billichir vnde ehr reden solle, wenne mir en ymant
entphromden moge von rechtis wegen, ader was darumme recht sy?" N.: "Ich habe vor
mit em gereth, vnde habe en uff myne frie gelt herbrocht, des ich mich czihe an en
selber, vnde er mir is ouch gelobit hat, so bitte ich yn eynem rechten orteil zcu
irfaren, ab er mir en entphromden moge vonn rechtis wegen, adir was darumme recht sy?"
Nota. Mag P. mit richter vnde mit schepphen bekentinisze bewisen, das er zcum ersten
vmme den Heinrich gebeten habe, er spricht sien wort billich; haben /B 139v sie glich vmme en gebeten, is lyt an deme richtere, weme er en geben wil, <ut> ss
li. i ar. lx ane vorsprechen20 ver. bitten czwene man21.
Nota. Weig(er)t H. N. ane redeliche sache, syne teding zcu furen, so darff der richter
siner tedinge nicht zcu horen. Spricht ouch denn so eyn man des andern wort, vnde
er wurde mit rechte gewonnen, so mag der vorspreche wol in eynem orteil vragen, ab
er des in schaden qweme, wer en des zcu rechte benemen solle. Der sachwalde helt en
billich losz, das ist schadelosz. Zo vrage der vorspreche den richter, ab em an em
genuge; so blibit er ane schaden; vnde <soo> kome er an sien wort, alzo recht ist, vnde alz ir vindet in deme richtstige, vnde
hie yn pynlichir clage, vnde begere sien recht mit allem rechte, vnde tu nach rate.
Daz ist myn rat.
a rubriziertes et cetera folgt B.b davor rubriziertes wer durchgestrichen B.c rubriziertes et cetera folgt B.d so L fol. 77va; fehlt B.e folgendes gefunden durchgestrichen B.f -ou- ligiert B.g et cetera folgt B.h rubriziertes et cetera folgt B.i so L fol. 78rb; fehlt B.j zwischen l und i durchgestrichenes v B.k rubriziertes wie man eynen twinget, das er eynes wort spricht in wichbilde am Rand B.l so L fol. 78vb; dem B.m so L fol. 78vb; wolget B.n davor ader B.o so L fol. 79rb; fehlt B.
1Richtig: Ssp.-Landrecht I 59 § 1.
2Richtig: Ssp.-Landrecht I 59 § 2 letzter Satz Mitte.
5Richtig: Ssp.-Landrecht I 60 § 1.
6Richtig: Ssp.-Landrecht I 61 § 4.
7Dig. 3, 1.
8Richtig: C. 3 q. 7 c. 2.
10Ssp.-Landrecht I 60 § 1.
11Richtig: Ssp.-Landrecht I 61 § 4.
12Ssp.-Landrecht III 14 § 1.
13Ssp.-Landrecht I 60 § 1.
14Ssp.-Landrecht I 60 § 2 zweiter Satz.
15Ssp.-Landrecht I 60 § 1.
16Ssp.-Landrecht I 60 § 2.
17C. 3 q. 7 c. 1 Gratian.
18Ssp.-Landrecht I 53 § 1.
19Ssp.-Landrecht I 53 § 1 letzter Satz.
20Ssp.-Landrecht I 60 § 1.
21Richtig: Ssp.-Landrecht I 61 § 2.