Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 31››
Articulus XXXI
<Summarium> Von burgeczoge vmme schult.
<Textus>
[31 § 1] Welch man eynen burgen seczt vor gerichte vm<m>e schult alzo bescheidelichen, daz er selbir gelde ader sien burge von sinenthalben, vnde mag er das volbrengen, das er selber vorgulden habe, alz recht ist, dennoch mus der burge die gulde bewisen.
[31 § 2] Wer1 abir burge w(er)t vor den andern, vnde gelabit eynem bescheiden gelt zcu geben zcu tagen, daz mus er selber volbrengen mit geczeuge, daz er is vorgulden habe1.
[31 § 3] Wer abir burge wirt eynes mannes in wichbilde vor gerichte, der vmme vngerichtea beclaget w(er)t, en wider zcu gestellen, vnde gestellet er sien nicht zcu rechten tedingen, vnde w(er)t er dorumme beclaget, zo mus er is bessern, nach deme alz er beclaget /B 117v waz, mit sinem besacztem wergelde.
Glosa
[31 § 1] <I>n dissim articulo wil er korczlichen entrichten vmme sollich recht, ab eyner eyme eyn gelt schuldig were, vnde der schuldiger setczte lichte dem schultherren burgen; nu wolde lichte der schultherre das gelt von sinem selbschuldigen haben, vnde ouch von deme burgen. Vnde ist sine meynunge: Ab wol uil lute eyn <geltb> mit gesampter hant gelabin2.
Vnde3 disser § ist ouch genomen vz keiser Otten saczunge, die gesaczt hat der rote keiser Otto, des groszin keisers Otten son. Vnde die saczunge wart darumme gesaczt: Wenne wo man eynen eyn genant gelt mit gesampter hand gelabete, so wolden sy io, das eyn iczlichir halden solde, das man en gelabit hette; wenne sie gelabeten eyne gancze summe mit gesampter hant; so hilde eyn iczlichir billich, alz er gelabt hette; vnde bewerten das mit eynem gemeinem lantrechte: Was <eync> man gelabt, das sal er halden, <ut> ss li. i ar. vii § i4, <et> Institu. de obligacionibus § obligacio <estd> iuris vinculum5. Vnde disse vorbindunge komit von Romisschem rechte, <ut> ff. de verborum significacione l. veluti6, <et> Institu. de fideiussoribus § si plures7.
Die8 and(er)n sprachin, eyn iczlichir wurde mit siner anczal ledig vnde los, ut Institu. de duobus reis stipulandum § i colla. vii9.
Vnder10 dissin czweiungen hilt der keiser den mittilsten weg, vnde sprach: Eyn iczlichir, der do gelabit, der ist die schult gancz vnde gar phlichtig zcu gelden, alzo bescheidenlich, ab is synen gesellen nicht vormogin zcu beczalen, ader ab man sie zcu rechte nicht brengen mochte; welchin burgen aber der man mit rechte twingen mag zcu gelden, der mus vor sine anczal gelden, vnde antwerten. Also tut man eynem iczlichen. Wo is abir gebricht, do mussin die vorgelden, die man manen mag mit /B 118r rechte, <ut> jn autt. de duobus reis stipulandum § i colla. vii11.
Gibt12 aber der selbschuldige selber, das mus er volkomen, ab man en dorumme beschuldigete, selbdritte, die disse beczalunge sogen vnde horten, <ut> ss li. ii ar. vi wer do13 ver. alle vorguldene schult14, <et> ff. de solucionibus l. solucio<n>em15, <et> ff. de negociis gerendis l. solucionem16.
Dennoch mus er die gulde bewisen mit den sachwalden, ab man dem burgen sunderlich zcu spreche, <ut> Institu. quibus modis tollitur obligacio § i17, <et> C. de solucionibus l. ult.18
[31 § 3] Nota. Wer abir burge wirt eynes mannes, <ut> ss li. iii ar. ix wer abir19. Als ir gehort habt von burgen, die so vor eynen gelabin vmme burgliche sachen, wie die los werden; nu wil er hie sagen von den burgen, die vor eynen man gelabin in pynlichen sachen. Vnde <rurte> hie sollichir sache burgeschaft, die vor gerichte gelabt w(er)t. Mag der burge den sachwalden nicht gestellen, er darff darumme dy pyne nicht lyden, dy ghener solde geleden habin, sunder er wirt losz mit dem wergelde, <ut> ss li. i ar. lxv20.
a vn- mit Einfügungszeichen über der Zeile B.b so L fol. 67rb; fehlt B.c so L fol. 67va; fehlt B.d so L fol. 67va; et B.e so L fol. 67vb; w(er)t B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht III 85 § 4.
2Vgl. Ssp.-Landrecht III 85 § 1.
3Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 77 (III 85 § 1) (BG S. 1504 Z. 1–10).
4Ssp.-Landrecht I 7 erster Satz.
5Inst. 3, 13 pr. zweiter Satz.
6Dem Titel nach Dig. 50, 16. Aber keine l. veluti vorhanden. – Richtig: Dig. 45, 1, 27? Inhaltlich passend: Dig. 45, 1, 29 (l. scire).
7Inst. 3, 20, 4.
8Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 77 (III 85 § 1) (BG S. 1504 Z. 11–13).
9Richtig: Nov. 99, 1.
10Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 77 (III 85 § 1) (BG S. 1504 Z. 14–22).
11Nov. 99, 1.
12Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht III 77 (III 85 § 3) (BG S. 1505 Z. 10–14).
13Ssp.-Landrecht II 6 § 1.
14Ssp.-Landrecht II 6 § 2.
15Dig. 46, 3, 23.
16Dig. 3, 5, 38 (richtig: l. solvendo).
17Richtig: Inst. 3, 29 pr.
18Cod. 8, 42, 25.
19Ssp.-Landrecht III 9 § 1.
20Ssp.-Landrecht I 65 § 3.