Artikel 28
B 111vArticulus XXVIII
<Summarium> Wie eyn man sich antwert weren mag in eynem and(er)n gerichte.
<Textus>
[28 § 1] Keyn vzwendig man ist phlichtig, zcu antwerten yn eynem andern gerichte eynem manne,
die beide yn eynem gerichte gesessen sien; wenne brenget en ghenner da yn keinen schaden,
er mus em bessern, er hette em denne rechtis geweig(er)t.
[28 § 2] Claget er denne yn wichbilde uff eyn erbe, ader uff eyn eigen, ader vmme ander gut,
ader vmme schult, ader vmme vngerichte, er sy Dewczsch ader Wendisch, er mus do antwerten.
Wo1 der man recht vordert, do mus er rechtis phlegena 1 vmme iczliche sache, ane zcu kamphe ghein sinen genossen.
[28 § 3] Beclait ouch eyn man den andern in wichbilde vor geistlichem gerichte, daz der werltliche
richter durch recht richten sal, vnde wirt er schadehaftig darumme, vnde beclaget
er en zcu werltlichem gerichte, vnde mag er daz geczugen, daz er em rechtis nicht
gewegert hot, er mus em sine busse geben, vnde schadeloz halden, vnde muz dem richtere
wettenb.
Glosa
[28 § 1] <N>v wir vnderwisit sien von dem rechte, das is von Romischer satczunge komen ist,
vnde wurden /B 112r zcu eynem rechte, vnde das selbe recht wart begriffin by koning Nemrot zcu Babilon,
vnde quam mit dem riche an dy Romere, vnde ist, wy man eynes gutes gewere irkrigit,
vnde wy man eyne stat zcu wichbilde rechte bestetigen sal, vnde von vormundeschaft,
witwen vnde weisen, vnde ist das Romische recht genant, ut in autt. de iure naturali
gencium et civili § sed ius quidem civile2.
Darvmme wil er nu eyne andere saczunge anheben nach der begriffunge wichbilde rechtis.
Vnde disse saczunge saczte keiser Otto der grosze zcu eyner bestetigunge des kegenwertigen
privilegij, vnde ist komen an von keiser Frideriche von Stouffen, der dissis artikils
eyn vynder vnde eyn bestetiger ist aller Sachzin recht.
Vnde disser articulus wart darumme gesaczt, das eczliche des rechten wise sprachen,
daz man eynen iczlichen man vor eynem iczlichem richtere wol beclagen mag; vnde czogen
sich an das recht, daz gemeniglich gegeben ist dem lande zcu Sachsen, <ut> ss li.
i ar. lix allerhande clage vnde vnrecht3.
Wider das waren eczliche, vnde sprachen: Man sal eynen iczlichen beclagen vor sinem
richtere. Vnde bewerten daz mit eynem gemeinen lantrechte, <ut> ss li. iii <ar.> xxiiii stirbit eyn richter4 ver. bynnen marckte5.
Disse czweitracht entschitte der keiser vnde saczte disz zcu eyner concordancien.
Vnde concordia is<t> also, das kein vswendig man ist phlichtig, zcu antwerten in eynem and(er)n gerichte. Wenne hie mit steet zcu irkennen lantrecht vnde wichbildec recht; das ist zcu uornemen: Kein vszwendig man ist phlichtig.
Jst er eyn lantman, so ist er vzwendig sinem gerichte. Ydoch so ist das nicht gemeiniglich
zcu uornemen. Hette eyn man gut gelegen yn eynem and(er)n gerichte, so muste er clage
vnde antwert nemen, vnde so ist er do dingphlichtig, vnde /B 112v sien gut zcu uorantwerten vmme solliche sache, die das gut antrifft, <ut> C. ubi
de criminibus agi oportet l. sciens6. Missetete ouch eyner in eynem fremden gerichte, er muste do antwerten, ut iii q. vi <c.> ibi semper causa7. Koufslayt ouch eyner in eynem and(er)n gerichte, ader borgete er do icht, er muste
do antwerten, ut ff. de iudicijs l. i8. Vnde wo ouch eyn man claget, do mus er antwerten, <ut> ss li. iii ar. lxxiii wo gebure9, et li. i ar. lxi wo der man10, et iiii q. viii <c.> cuius in agendo11, <et> ff. de procuratoribus l. inimicus12.
Jr sollit wissin: Eyn richter mag wol alle clage richten; der richter sehe <abird>, ab er dor zcu rechte sine clage gestellen moge. Wenne were beyde cleger vnde antwerter
vz eynem gerichte, vnde clagete der cleger obir den antwerter vor dem fromden richtere,
vnde clagete denne der antwerter vor irer beider richtere, er mus en vor allen schaden
nemen, vnde vorlust dorczu sine sache, <ut> ss li. iii ar. lxxx <welche leyee> eynen and(er)n13, <et> C. constitucione nova ne filius pro patre conveniatur l. habita14.
Der sich ouch so vor eynem fromden richtere beclagen lest, vnde sich nicht an sinen
vnde an sines widersachen rechten richtere czuht, syne pyne ist: Ap eyn orteil obir
en gegebin wurde, das bynt em; vnde das bunde en sust nicht, wen er sich selber nicht
doryn gebe, <ut> C. de iurisdiccione omnium iudicum l. item15.
Twunge man den antwerter dorczu, das er dorczu antwerten muste, das orteil, das man
do obir en vynt, das byntf en nicht, <ut> ff. de iudicijs l. ii16. Wurde abir die sache do geant mit gute vnde mit rechte, so mochte man sy darumme
nicht pynigen, <ut> ff. de inofficioso testamento l. Papinianus § novissime17.
Nota. Alz18 ouch das gemeine recht spricht, das eyn richter alle clagen richten moge, das ist
nicht zcu uornemen, das werltliche richtere mogin geistliche sachen richten; das behort
en nicht, ut extra de foro conpetenti c. si diligenti19. Trifft ouch /B 113r die clage geistlich gut an, so behorit dem <wertlicheng> richtere dorobir nicht zcu richten noch zcu orteiln, noch ouch obir geistliche lute,
<ut> extra de foro competenti c. significasti20, <et> in autt. ut clerici apud proprios conveniantur episcopos § si vero colla. vi21. Gynge ouch eyne clage obir eynen toden man, vnde man nicht wuste, ab er tot were,
ut C. quando appella. rescindi possunt l. impetrata22.
Qwemen23 ire czwene yn eyn fromde gerichte vor iren rechten richter, mochte do irer sachen
do eyn richter sien adir nicht? Jr sollit wissen: Qwemen czwene nackebur vz eynem
dorffgerichte yn eyne stat vor irem richter, vnde clageten em, do mag er ir richter
nicht gesien. Wen(ne) er ist do nicht eyn richter, <ut> C. de rectoribus provinciarum
l. iustissimus24.
Jr25 sollit ouch wissin: Gerichte ist czwierley, alzo werltlich vnde geistlich. Die geistlichen
sollen volgen vor ire richtere, ut ii q. i <c.> pervenit26. So sollen die werltlichen volgen vor ire richtere, wenne das mogen die geistlichen
richtere nicht richten, ut xi q. i <c.> te quidem oportet27. Beclaget abir eyn phaffe eynen leyen, ader eyn leye eynen phaffen, so sal der cleger
dem antwertere volgen vor sinen richter, ut xi q. i <c.> experiencie28, <et> ff. de regulis iuris l. doctor29, <et> C. de foro competenti l. iuris ordo30.
Nota vmme solliche sache, die do nicht zcu clagen gehorit. Jr sollet wissin: Nach31 vnserm Meideburgischem rechte so sien eczliche sachen, die do werltliche lute zcu
geistlichem gerichte rugen muszin; vnde das mussin sy thun zcu rechte. Die erste ist
vngloube, ketczerie, czowberie, vnde andere ding, do der cristenliche gloube mit geswechent
werde, ut extra de re iudicata c. ad apostolice ver. heresi32. Breiche ouch eyner geistlichen freden, also sien viere, ader an geistlichen stucken
breiche, ader weder dy czen gebot tete, <ut> ss li. ii ar. lxii nu vornemet33, <et> extra de foro competenti /B 113v c. cum sit34. Ouch so rurit er do meyneidere, <ut> extra de iudicijs c. novit35. Vnde alle sachen, die dy geistliche ee antreffen, ut xxviii q. i <c.> quoniam preterea36.
Er habe em denne geweg(er)t rechtis. Jr sollet wissin: Eyn man weg(er)t rechtis, ab man uff en claget, wen er voruest
ist, wenne worumme er tar nicht gestehn. Den mag man wol in eynem and(er)n gerichte
beclagen, vnde vffhalden, vnde bestetigen, wo man en ankomit, uff das das man rechtis
von em bekomme, <ut> ss li. iii ar. xiii w(er)t eyn man37. Ader nicht wider gibt ader gilt schult, die er gelden sal, vnde man em das nicht
mit phenden angewynnen kan, so mag man wol obir en clagen, wo man rechtis obir en
bekomen mag, <ut> ss li. iii ar. lxxx welch leye38 ver. rechtis weg(er)t39. Weigirt ouch der richter ymandes rechtes, so darff man em nicht rechtis phlegen,
<ut> ss li. ii ar. xiii in fi.40
Her sy phaffe ader monich, geistlich ader werltlich, den sien richter mit rechte nicht
betwingen mag, den mag man vor eynem iczlichin and(er)n richtere beclagen, vnde do
mus er sich vorantwerten, ut xi q. i <c.> si quis <sacerdotumh>41, <et> jn autt. ut clerici apud proprios conveniantur episcopos deinde apud civiles
iudices § i colla. vi42, <et> C. de episcopali audiencia l. episcopali43.
a davor vordern (mit übergeschriebenem wedder) B.b et cetera folgt B.c über -e unpassender Kürzungsstrich B.d so L fol. 64va; fehlt B.e–e so L fol. 64va; welchirley B.f mit Einfügungszeichen über der Zeile B.g so L fol. 64vb; geistlichen B.h so L fol. 65rb; sacerdotem B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht I 60 § 3.
2Richtig: Inst. 1, 2, 2.
3Ssp.-Landrecht I 59 § 1.
4Richtig: Ssp.-Landrecht III 25 § 1.
5Richtig: Ssp.-Landrecht III 25 § 2.
6Cod. 3, 15, 2.
7C. 3 q. 6 c. 1.
8Dig. 5, 1, 1.
9Richtig: Ssp.-Landrecht III 79 § 1.
10Richtig: Ssp.-Landrecht I 60 § 3.
11Richtig: C. 3 q. 8 c. 1 § 2.
13Richtig: Ssp.-Landrecht III 87 § 1.
14Cod. 4, 13 angehängte Nova constitutio Friderichi (so Venedig 1581 IV S. 484 f.) mit dem Initium habita, in der es am Schluß heißt: Hanc autem legem inter imperiales constitutiones sub titulo "Ne filius pro patre
etc." inseri iussimus (MGH DF I. 243 S. 36–40).
15Dem Titel nach Cod. 3, 13. Aber keine l. item vorhanden. – Ist Cod. 3, 13, 1 (l. non quidem) gemeint?
16Dig. 5, 1, 2.
19X 2, 2 c. 12.
20X 2, 2 c. 18.
21Nov. 83, 1.
26Richtig: C. 11 q. 1 c. 39.
27C. 11 q. 1 c. 29.
28C. 11 q. 1 c. 15.
33Richtig: Ssp.-Landrecht II 66 § 1.
34X 2, 2 c. 8.
35X 2, 1 c. 13.
37Ssp.-Landrecht III 13.
38Richtig: Ssp.-Landrecht III 87 § 1.
39Richtig: Ssp.-Landrecht III 87 § 3.
40Ssp.-Landrecht II 13 § 8 zweiter Satz.
41C. 11 q. 1 c. 18.
42Richtig: Nov. 83 pr. 1.