Artikel 22
(B 78v)Articulus XXII
(B 78r)<Summarium> Von libe geczucht zcu uordern. /
<Textus>
B 78v[22 § 1] Nv vornemet vnde hort, waz eyne frauwe iris mannes gut behalden moge nach sinem
tode yn wichbilde rechte. Waz1 er ir gegeben hot vor gerichte an sinem eigen czu irem libe1.
[22 § 2] Man spricht, daz man frouwen yn wichbilde phleget zcu geben morgingabe. Daz ist
nicht. Wenne waz den frouwen gegebin wirt yn wichbilde vor gerichte, daz mus sien
eyne lipczucht ader eyn eigen, mit erben gelobde, ader varnde habe, in des mannes
gereitem gelde.
[22 § 3] Hirum(me) czweiet sich daz lantrecht vnde wichbilde recht. Wenne2 zcu der morgingabe gehoren czewne vnde czimmer vnde feltgenge vye2; wenne man phleget <ina> wichbilde mit steinen zcu buwen, vnde sien alle mit eynem rechte begriffen, die
yn dem wichbilde gesessin sien, vnde darumme nympt daz wip nicht mer, wenne dy geradeb.
Glosa
Also hieuor das recht gesprochin hat von dem rechte, wy eyn man das sine gebin sal,
vnde wie vnde wenne.
[22 § 1] Nu wil er hie sagen von der ersten gaben, dy czwisschin elichen luten geschen mag,
wenne worumme dy heilige ehe ist eyne sache alles rechten, vnde darvmme muszin wir
eyn wenig von sollichir gabe sagen. /
B 79rDie3 erste gabe heist in dem rechte arra, vnde heissit alzo uil alzo malschaczc; vnde solliche gabe gibt der man dem wibe in der czit, alzo man sy zcusampne truwitd. Were is sache, daz die truwunge muste widir zcughen, wer an der sachen schuldig
were, das die ehe abeginge, der muste dem and(er)n sine gabe widergeben czweiuach,
ut C. de sponsalibus et arris l. mulier4. Sturbe abir ir eyns, ehr sy eyn wurden, so gebe man slecht weder, ut C. e. ti. l.
arris5.
Die6 andere gabe heist sponsalicia largitas, vnde ist morgingabe genant. Vnde morgingabe
heist solliche gabe, die eyner von ritters art sinem wibe gibt, des morginst, alz
er mit ir zcu tissche siczit; vnde daz gibit er hir an erbin orloub; vnde gibt ir
eynen knecht, der zcu sinen iaren komen ist, daz ist zcu virczin iaren, vnde eyne
mayt, die ir eigin ist by czwelff iaren, czune vnde czymmer vnde veltgende vye, <ut>
ss li. i ar. xx nu vornemet7.
Die8 dritte gabe heist donacio propter nupcias, vnde heist gabe. Vndee desse gauee sal gliche sien mit der medegifftf. Vnde disse gabe heist nach rechtem Dewczschem eyn lipczucht. Vnde waz an der metegift
dem manne gebricht, daz sal ouch an dem lipgedinge gebrechen, ut in autt. de non obligan.
secundis nubentibus l. i9, et in autt. de equalitate dotis § hoc colla. vii10.
Ab eyn man benente sinem wibe eyn bescheiden gelt, vnde seczte ir dauor czu phande
alle sien gut, mochte der man das guth vorkomern ader vorkowffen, daz is der frauwen
zcu irem rechten schedelich were, ader nicht? Hir uff spreche<n> wir eyn recht: Vorschribit
eyn man sinem wibe eyne lipczucht, czu wartende vnde zcu beczalen uff allen sinen
gutern gemeniglich, wo er sy habe ader ymmer mehr gewynne, der man mag vorkouffin
sien guth, vnde daz wandiln nach siner notdorft; do mag en dy frouwe nicht ane gehindern,
is were denne sundirlich /B 79v ir vorschrebin uff eyn genant gut, alz uff das husz, ader uff den wyngarten, ader
uff daz czinsgut; daz torste er ane widerstatunge nicht vorwandiln von rechtis wegen,
ut Institu. quibus alienare licet vel non § nam dotale predium11.
Racio prima. Vnde dis ist darumme: Er wandele is, wie er is wandele, so ist is io
des mannes gut, daz er hot, ader ymmer gewynnen mag; daz ist yo ir phant, vnde blibit
ouch ymmer ir phant, er habe is, wo er is habe. Jst <isg> aber vorschrebin uff eyn sunderlich guth, das mag er widir mit irem willen noch
widir iren willen nicht gelosen ane widerstatunge; vnde die ist genant eyne vrsal
nach aldem Sechsisschem.
Racio secunda. Vnde die ist ouch darumme: Ab lichte die stat der frouwen, do das lipgedinge
vff gegebin was, durch der metegift willen wol des mannes worden were, domete were
is nicht sien, der frouwen zcu entphromden, <ut> ss li. i ar. xx nu vornemet12 ver. ist aber die stat der frouwen13.
Ouch <soh> ist <isi> zcu uornemen, ab der man zcu thun vnde zcu laszin behalden hette, die wile er lebete.
Jdoch so sollit ir wissin, wie is zcukomit mit aller wise, wo eyn man sinem wibe beschribit
eyn gnant gelt, zcu habin nach sinem tode gemeniglichen uff sinem gute, do mag der
man daz gut wandiln, ab er by sollichem gute blibe, als er ir vorschreben hat. Ergerte
sich das gut, vnde wurde so cleine, daz sy ire morgingabe volkomelichin nicht gehabin
mochte, sy nympt ire morgingabe vor alle schulde, die nach irer morgingabe gemacht
sint, ut in autt. de equalitate dotis § aliud colla. vii14. Hette er abir sine gutere ehr vorgeschrebin vor der morgingabe, die schult ghet
vor, vnde die morgingabe nach.
Ab eyn man sinem wibe vorschrebe eyn genant gelt zcu rechter morgingabe uff alle sien
guth, /B 80r is were varnde ader vnvarnde, vnde er behilde doch mit dem selbien gute zcu thun
vnde zcu lassin, der man vorseczte die gutere vmme gelt dornach, vnde die frouwe spreiche
lichte: "Vnschedelichen mynem rechte an myner morgingabe"; der man sturbe, der schultherre
vorderte sine schult, vnde bewisete sine schult mit der stat buche, ader mit geczuge
richter vnde schepphen, adir mit geczeugen nach todir hand, vnde die frauwe spreiche
ouch daz guth an nach irer bewisunge vmme morgingabe, vnde die frauwe seczte solliche
vrage: Nach demmale daz ire schult die erste schult ist, die uff irer beyder gute
ist, daz ist, vff mannes gute vnde uff yres selbist gute gemacht wart, des sy sich
czuhit an iren brieff, vnde bittit yn eynem rechten orteil czu irfaren, ab sy nu icht
billichir vnde ehr vnde vorderlichir ire schult uff dem gute wartende sy, is sy varnde
ader vnvarnde, wen sy ymand doran mit keinerhande sachen gehindern moge, ader waz
darumme recht sy? Der vorderer: "Nach demmale daz die frauwe eynen briff hat obir
ire morgingabe, dorynne steit, wie er domete zcu thun vnde zcu laszin behalden habe,
vnde er mir denne die selbin gutere zcu phande hat gesaczt, vmme so uil geldis, daz
ich bewisin mag, bitte ich in eynem rechten orteil czu irfaren, ab ich icht billicher
vnde nehir by mynem phande zcu blibin sy, das mir gesaczt ist, wen mir dy frauwe mit
irem briue geschadin moge von rechtis wegen, adir waz darumme recht sy?" Die frauwe:
"Ich hoffe, ich habe mich darane bewart, wenne ich sprach ,mynem rechte vnschedelich
vnde mynem briue‘, das ich wil bewisen, wie mir die schepphen vynden vor eyn orteil
vnde recht; ab ich ioch daz nicht getan hette, so getruwe ich gote dennoch vnde dem
rechten, daz mir is vn/B 80vschedelich were, vnde bitte uwere gnade, nach vnsere beider rede vns mit dem rechten
<czuj> entscheiden." Hir uff sprechen wir eyn recht: "Die frauwe ist mit irer morgingabe
vnde mit irer bewisunge nehr vor allen schulden, dy ir man uff den gut(er)n gemacht
hat nach der morgingabe, wenne sy ymant dorane gehind(er)n moge, von rechtis wegen",
ut in autt. de equalitate dotis § aliud colla. vii15.
Ab eyne frouwe bewisete morgingabe hette uff ires mannes gutern, vnde der man borgete
uff daz selbie gut, der dem manne borgete spreche: "Laszit uwere frauwe mete gelabin."
Js gescheige. Der spreiche: "Jch gelabe hir mit myner frouwen P. xxx margk." Der richter vragete die frauwe, ab sy mit wolbedochtem mute vnde mit frolichem
antlicze mit irem manne gelobete? Sy spreiche: "Ich gelabe." Ir man ghinge abe von
todis craft, vnde lisze nicht mehr, wenne nerlichen ire morgingabe. Ghenner, der das
gelobde entphangen hette, der spreiche die frauwe an vmme daz, daz sy mit orem manne
gelabit hette, vnde czoge sich des an richter vnde an schepphen. Die frauwe: "Ich
bin mynis selbist nicht gewaldig gewest, sunder ich was vnd(er) mynes mannes besem
yn rechter vormundeschaft, vnde was em phlichtig aller gehorsamkeit, vnde habe gesprochin
,ich gelabe‘, vnde nicht anders, des ich mich czihe an richter vnde an schepphen,
vnde bitte yn eynem rechten czu irfaren, ab ich durch sollichz gelobdes wille myne
morgingabe em geben solle, sint ich mich darby nicht vorbunden habe von rechtis wegen,
ader was darumme recht sy?" Der vorderer: "Nach demmole das sy hie steit, vnde des
gelobdis mir bekennet, vnde also sy is tat an allen vndirscheit, noch ouch do keines
getwanges vorluterte, widir mit worten noch mit wercken /B 81r noch mit geberde, bitte ich yn eynem rechten czu irfaren, ab sie mich icht nw mynes
geldis zcu rechte beczalen solle, ader waz darumme recht sy?" Hir uff spreche<n> wir
eyn recht: "Also die frauwe die schult horte, vnde sy mit irer selbist munde frolichen
sprach ,jch labe‘, vnde zcu der czit keinerley getwang rurte, wider mit worten noch
mit wercken, vnde hot ir man anders keine gutere, do sy dy schult uff wisen moge,
so mag die frouwe der schult vnde der beczalunge nicht oberig gesien, von rechtis
wegen", <ut> Institu. de verborum obligacionibus § verbi<s> obligacio16.
Jr sollet wissin: Is sien nicht uil wort, die eynen man schuldig machen; sunder spricht
eyner zcu dem andern ,du bist mir das schuldig‘, ghenner antw(er)t ,io‘, spreiche
denne dissir ,gelabistu denne, is mir zcu geben‘, vnde ghenner antw(er)t ,ich gelabis‘;
wenne yn allen worten des gelobdis ist nicht me zcu nemen wenne der wille, vnde wer
denne beczalen wil, der gelabit alzo mer uil also wenig, vnde gelabit er denne mit
slechten worten, er ist also phlichtig zcu leisten, alz ab er sich gar sere vorbunde.
Doch sollit ir gar eigintlichen wissin, das alle gelobde sollen geschen mit vingern
vnde mit czunge, daz ist, wenne eyner eynem gelabit mit dem munde, daz sal er bewisen
mit der hant, vnde sal em sine hant daruff gebin, daz ist eyne bestetigunge der truwe.
Wen(ne) worumme spreiche eyner, daz er mir nicht schuldig were, der mir vor ware schuldig
ist, vnde ist sine meynunge, daz er daruor sweren wolle vor gerichte, er mus sich
mit der hant entschuldigen, do mete er gelabit hat, ader sampt mit dem strumppe, ab
er der hant nicht en habe, ut C. de iureiurando <l.> si17.
Ap eyn man sinem wibe morgingabe gebe an der stat, do is craft hette, eyne gnannte
summe geldis ir czu geben, vnde zcu haben nach sinem tode, vnde vorschrebe er dy vff
eyn husz, vnde das husz were czinshaftig, der czinsherre were keinwertig, vnde horte
vnde sege /B 81v orteil vnde gabe, vnde wederspreiche das nicht; nu vorbrente daz husz, vnde der frouwen
man vorturbe dorynne, ader andirswo, nu hilde sich der czinsherre zcu der houestat
vmme den czins, vnde die frauwe spreich<e>, is were ire morgingabe, vnde er hettes
gehort vnde nicht wedirsprachen, der spreiche lichte: "Was mochte er vff mynem phande
ymande bescheiden?" Nu bitten sy an beider syt, an eynem rechten czu irfaren, ab die
frauwe billichir by der houestat vor ire morgingabe sy zcu bliben von rechtis wegen,
ader ghenner mit syme czinse, ader waz darumme recht sy. Hir uff sprechen wir eyn
recht: "Die schulde, die elder syn, dy vordrucken dy nuwen. Jst der czins elder wenne
die morgingabe, dy frouwe mus dem czinshern wichin; die houestat mus er aber vorkouffen,
ab er sie nicht selber bestaten wil; wil er sy selber bestaten, so sal er sich der
houestat vnderwinden, do er bewisunge obir hat; die sal schaczin richter vnde schepphen;
wy is die schaczen, so hat der czinsherre dy kore, ab er is darumme behalden wolle
ader nicht. Annamet er is vmme dy schaczungek, was oberigis do ist, das ist der frauwen morgingabe. Gebricht abir icht, die frauwe
darff em das nicht irfullen; sy hot em nicht vorkouft noch gelabit, vnde darumme ist
sie em nichtis phlichtig von rechtis wegen."
Jr sollit wissin: Were der frouwen man gheme czins schuldig von eynem iare, czwen
ader dren gewest, vor der frouwen morgingabe ader dornach, vnde hette er dorumme nicht
gemanit, er mochte mit dem czinse der frouwen morgengabe nicht gehindern, sunder hette
er mit der frouwen vmme eyn sollichz zcu schaffin, daz muste er mit dem rechten von
ir vord(er)n; waz sy em bekente, das gebe sy em billich; louckent sy abir, sy entgeet
em /B 82r mit irem rechte, ut ss li. i ar. xv were dem and(er)n18 ver. beschuldiget19.
Ab eyn man sinem wibe gebe eyne morgingabe nach des landes gewonheit, vnde spreiche
ir domete zcu thun vnde zcu lassin, vnde der man beschide keins vsz, weder nach sinem
tode, weder eyns noch daz andere, die frouwe sturbe ane kint, der frouwen vater vorderte
dy morgingabe, die der frouwen benant was, der frouwen man spreiche, is were mit merem
rechte an en gefallen vnde gestorben; nu bitten wir in eynem rechten orteil zcu irfaren,
welchz vndir dissen czwen besser recht habe zcu der morgingabe? Hir uff spreche<n>
wir eyn recht: Gebe eyn man sinem wybe eyne morgingabe nach des landes gewonheit ane
vndirscheit, vnde sturbe daz wyb ane kint, dy morgingabe vile vff iren vater, all
lebete der man; hette er abir vndirscheit dorane benant, also ,nach sinem tode‘, vnde
behilde domite zcu thun vnde zcu lassene, so sturbe die morgingabe mit merem rechte
uff den man, wen(ne) uff der frouwen vater. Wen aller vndirscheit bricht recht, vnde
macht recht von rechtis wegen, wo man is bewist, alzo recht ist, ut ff. de pactis
l. i20.
Ab eyn man sinem wibe eyn egelt gelabete, vnde er vorborgete das gelt, wenne man em
die metegifft mete gebe, so solde er dem wybe ire morgingabe adir daz egelt vorschriben
vorl die metegifft; is gescheige, daz er ir keins vorschrebe, vnde sturbe vndir des; der
frouwen vormunde mante die burgin, die von des mannes wegen gelobit hetten; die burgin
spreichen lichte: Geschicht ist geschen, daz sy gelobt hetten vor solliche morgingabe,
daz man sy vorschribin solde, wenne man die metegift yn brechte, dy noch nicht geuallen
ist, wenne hette man en geleist, sy weren bereit gewest zcu leisten; ghenner spreiche:
Sy hetten ghenem die metegift gegebin, vnde hetten des noch lebinde geczuge, den is
wissintlichen /B 82v ist, vnde vor den sie is beczalit habin; vnde ghene louckenten, daz is geuallen were.
Nu bitten wir in eynem rechten czu irfaren, ab nu disse dis egelt billicher, neher
vnde ehr uff des toden gute, do die frouwe ynne gestorben ist, zcu behalden sie mit
geczuge, wen man is en zcu keinerhande wise geloucken moge, ader was darumme recht
sy? Nota. Hat eyn man eynem wibe eyn egelt ader eyne morgingabe zcu uorlobunge gelobt,
vnde <daz wip> dem manne eyne metegift, vnde w(er)t daz vorborgit beyder halben, vnde
wirt daz mit sollichen bescheidenlichin worten gesaczt: Wenne die frouwe ire metegifft
ynbrechte, so solde or ir man vorschriben daz vorlobete gelt; der man sturbe, vnde
hette ir keins vorschreben; vnde der frauwen frunde bewisen eyne rechte beczalunge
des egeldis, vnde gheine louckenten syn, vnde bekenten doch der burgeschaft. So teile<n>
wir yn eynem rechten: Mag die frouwe vnde dy burgen bewisunge habin eyner leistunge
ader beczalunge, alz recht ist, des mannes borgen sollen leisten nach irem gelobde
billichir vnde ehr, wen(ne) sy mit keinerhande vnschult douon komen mogen, von rechtis
wegen, <ut> ss li. ii ar. vi wer syne21 ver. alle vorguldene schult22.
Ab eynem wibe yn eyner zcusampmen lobunge gelobit wurde von irem elichen wirte vor
den luten eyn geltm, do die ee zcusampne gelobit wart, vnde benente daz uff sinem huse ader vorwercke,
ader vff eynem wyngarten; die frouwe besesse mit dem manne in geweren vnde yn gewelden
iar vnde tag vnuorruckit in dem selbien gute, do er ir iren morgingabe uffe vorheisschin hatte, der man hette ir aber keins vorschreben, vnde
sturbe; des mannes erben seczin der frouwen stulo vor dy thor, mit eynem rocken, als sy lichte nach dem driszigisten zcu der kirchen
were, vnde welden sy abewisen mit der gewalt; /B 83r die frauwe spreiche uff das gut vmme ire morgingabe; die erbinp spreichen: Hette sy bewisunge, sy welden tun, was sie solden; die frauwe spreiche:
Sy welde is geczugen mit erbsessin luten, vor den er hir ire morgingabe bescheiden
hette; die erbin meineten: Eyne bewisunge eynes gehegeten dingis, ader eynes briues,
ader der stat buchis; vormochte sy des nicht, so kerten sie sich an keine geczuge,
nach dem alzo sy ir nicht gelabit hetten; so meint die frauwe alzo: Als sy des erbsessin
lute hot, daz er is ir gelabit hatte, is were genug. Nu bitten wir in eynem rechten
orteile zcu irfaren, ab die frauwe mit sollichin geczugin volkomen moge, vnde yre
morgengabe behalden billicher, nehir vnde ehr, wenne sich die erben des geweren mogin,
ader was darumme recht sy? Nota. Gelobitq eyn man sinem wibe vor den eluten eyne morgingabe, er bestetigete die morgingabe
vor gerichte ader nicht, daz wip behelt dy morgingabe uff den heiligen, vnde die gewere,
do ir die mor<gin>gabe uff gegeben was, mit geczuge billichir vnde ehr, wenne sy des
mannes erben douon gewisen mogen, von rechtis wegen, <ut> ss li. i ar. xxi § morgingabe23.
Ab eyner frouwen keins gelobit were, vnde die frauwe hette gelt zcu irem manne bracht
mit gewissin, der man sturbe; des mannes erbin spreichen: Sy wusten douon nicht zcu
sagen, wenne er hette ir wider gelobit noch gegeben, noch ouch keins bescheiden, vnde
wustin dovon nicht, ab sie icht hette en yn bracht ader nicht, vnde welden yre vnwissintschaft
bewisen, wie is on geteilt wurde vor eyn recht. Vnde bitten in eynem rechten czu irfaren,
ab wir icht billichir vnde ehr vnsere vnwissintschaft vnde vnser vnschult zcu entgende
sien, wen(ne) sy vns keinerley angelegin moge ane gehegete bang von rechtis wegen,
adir was darumme recht sy? /B 83v Hir uff spreche<n> wir eyn recht: Wen man nichtis gelobit, dem ist man nichtis schuldig.
Beschuldiget sy abir die frauwe vmme daz, daz sy ir gut in des mannes gut bracht hat,
thoren die erben ire vnschult vor thun nach todir hant, alz recht ist, sy sien is
nehir zcu entgende, wen man sy mit geczewge ane gehegete bang obirczugen moge mit
rechte vonr rechtis wegen, <ut> ss li. i ar. vii wer icht gelabit24, et e. li. ar. xviii drierhande recht25 ver. das andere ist26, et e. li. ar. xv wer dem and(er)n sien varnde guth27 ver. mag abir ghener28.
Jr sollit wissin: Daz ist darumme, daz is in daz erbe komen ist, do die erben lichte
nicht von wissin. Wollen sie is abir ir vnde iren geczeugen gelouben nach iren eyde,
daz steit an en vnde nicht an der frouwen.
Ab eyner frouwen morgingabe gegebin vnde vorschreben were uff ires mannes gut, die
frouwes obirlebete iren man, vnde besesse mit den kindern in voller gewere vngesundert, die
frouwe bemante sich, vnde der sy neme blebe also besiczin; vnde sy deme manne eyne
metegift gelobt hette, vnde er ir widir eyne morgingabe; die frouwe besturbe yn der
kindere gutere, vnde weren noch nicht abegesundert; vnde der frouwen beschreben morgingabe
were von dem ersten manne von den erbin vngesundert, so das yn der frouwen hant nicht
komen were by irem lebindem libe; disser andere man welde die morgingabe haben der
frouwen, vnde vorderte sy vsz, vnde welde dyt gewere nicht rumen, man sunderte en denne abe mit der frouwen angeuelle; die kindere
spreichen lichte: Eyne muter haben sy gehabit, die mit en vngesundert were aller gutere,
vnde sy sich yoch ny vorczegen hetten der selbien gutere an der stat, do man sichz
phleget zcu uorczien rechtis angeuellis; vnde sy ioch in dem vngeczweiten guteu vorstorben were: Bitte<n> wir in eynem rechten orteil zcu irfaren, ab daz angeuelle
billichir an dy kindere sy geuallen, /B 84r adir ab is icht billichir vile an den man von rechtis wegin, ader waz darumme recht
sie? Wir sprechen vor eyn recht: Hette eyn man sinem wibe gegeben eyne morgingabe,
vnde sturbe der man, vnde liesse kindere, die frouwe blebe vngeczweit in dem gute,
sy neme eynen man, vnde der queme czu ir vnde zcu den kindern yn daz vngeczweite guth;
sturbe die frouwe dornach, der man behelt allis des wibis recht yn der varnde habe,
daz der frouwen angehoren muchte von rechtis wegen.
Jr sollit wissin vmme dis recht, daz ist den frouwen gegeben von genaden, wen(ne)
vor was is nicht, ut Institu. de donacionibus § est et aliud genus29. Vnde dorumme mag is wol eyne iczliche stat eyne gewonheit machin, ab sy wil, vnde
die gewonheit lassin abeghen, wenne sy wil. Wenne wir habin zcu Meideborg solliche
gewonheit nyndert, abir teile<n> wir die gewonheit vor eyn recht von vnsern ynwanern,
wenne vnsere gewonheit ist: Wenne eyner eyn wip nymt ader nemen wil, so ist eyn gelobde
ire metegifft. Wen(ne) vnsere herren in dem burgere dinge siczen, so gibt man mit
vns solliche gabe, nach deme das der frouwen metegift istv, vnde dornach des mannes gut ist. So teilt er daz gut halb, vnde beschribt das sinem
wybe in der stat taffil. Von dem teile, daz der frouwen gegeben w(er)t, darff sy nymande
keine schult gelden; vnde zcu der gabe gibit man der frouwen eynen vormunden, iren
nehisten ebenbortigen swertmagin, vnde erbit dy vormundeschaft. Vnde ist darumme:
Ab der man daz wib obirginge mit gute adir mit obil, das sich die frauwe des gutis
vorczege, das sy des keine craft zcu thune hette ane iris vormunden wille, ader ymande
icht gelobete, das gelobde hat keinen vorgang. Ouch so mag ir man widirw vorkummern noch vorkouffen /B 84v das gut ane des vormunden wille, er ist abir eyn herre des gutis, daz ist des gutis
nucz, dy wile er lebt. Ouch haldin sie die wilkore, darumme daz manichir von sinem
gute queme, vnde der vorterbin muste, wenne is so nicht vorwilkort were. Vnde so sal
eyne iczliche willekore, die man machen wil in eyner stat, eyne redeliche vnde bewisliche
sache sie<n>, zcu der gemeinen nucz, nuczlichen vnde erlichin der czit vnde der stat;
vnde sal ouch erlichen vnde offinberlichen sien die willekore; sy weren andirs vnbestendelich,
ut viii di. <c.> que contra mores30.
Vnsere gewillekorte gewonheit hat daz alles an ir. Wenne worumme sie ist offinbar;
wenne wo solliche gabe geschen sal, daz mus vor eynem offinbare burgerdinge geschen,
vnder koningis banne, wenne do sien phlichtig alle zcu zcu komen, die do besessin
sien. Gibit er dis an gebewede, so mus er is mit erbin orloube thun, <ut> ss li. i ar. lii ane erben31, et e. li. ar. xxii morgingabe32 ver. man mag wol frouwen geben33. Die gewillekorte gewonheit ist ouch erlichin; wenne disse ere ist den frouwen gegeben
durch gnade vnde durch ere willen, ut Institu. de donacionibus § sed nos plenissime34. Sy ist ouch nucze der stat vnde der czit; wenne solde eyn man thun ader laszin,
mit der selbien gnade die er douor gibt, er brechte is lichte vnerlich vnde vnnucze
zcu, vnde mochte sich lichte selber zcu eynem bettelere machen; vnde darumme ist sy
nucze, ut Institu. qui sui vel alieni iuris sunt § expedit enim rei publice35. Js ist ouch der personen nucze; wenne weme er is gibt, dennochx ist is sin, vnde behelt domete zcu thune vnde zcu lassin, das ist, er behelt is yn
nucze vnde yn herschaft; nicht das er is entphremden sal vnde vorterben. Geschit is
abir, das eyn man vortorbe vnde yn schulde qweme, die frouwe hette mit irem manne
gelobt adir nicht /B 85r ane iris vormundis wille, der vormunde widir wente das gelobde, ut Institu. de auctoritate
tutorum § unde in hiis causis36. Wenne worumme sie ist yn vormundiger gewalt nicht gewaldig. Wenne denne die gabe
bestetiget w(er)t, das is yngeschreben w(er)t, stirbit denne die frauwe, so geuellit
die gabe halb an den man, vnde halb an der frouwen nehisten erbin, ab sie keine kindere
hat; hat sy abir kindere, so blibity den kindern ir mutir teil. Wollen sy dyz kindere von dem vatere scheiden nach irer muter tode, daz ist, ab sich der vater
voranderte, so sal der vater den kindern geben irer muter metegift; do nympt der vater
teil an kegen eynem iczlichin, ut in autt. ex annone instante dotis § si vero colla.
vii37, et in autt. neque virum quod ex do. mulie. ex spon. largi.a' lucrum proprium § preterea colla. viii38.
Ab eyn man eyn wip neme mit blossir hant, vnde gewunne guth mit ir vnde by ir, er
begabete sy nicht, vnde doch so hette sy daz gut mit em direrbeit, er sturbe, sine
frunt, die em keins dorczu gegeben hetten, seczin <derb'> frouwen den stul vor dy thore, mit eynem rocken. Nu bitten wir in eynem rechten
orteil zcu irfaren, ab nu daz gut icht billicher der frauwen were, wenne syner frunde,
den is ny suwer wurden were, von rechtis wegen, ader was darumme recht sy?
Jr sollit wissin: Nympt eyn man eyn wip mit lediger hant, do er ader sy ader ioch
beyde nicht en hatten, vnde irworben sy gut mit eynander, vnde stirbit der man, vnde
hat der frouwen nicht beschreben, die frauwe behelt daz dritte teil in alle(m) gute,
vnde yre gerade <anec'> hergewete von rechtis wegen.
Sint demmole denne das die frouwen von gnaden haben daz recht, daz man en lipgeczucht
gibet zcu wichbilde rechte, so sollit ir wissin, worumme is lipgeczucht heist. Lipgeczucht
heist die gnade, die dy keisere durch sunderlichir gunst wille den frouwen /B 85v gegebin haben zcu irem libe nach ires mannes tode, dorumme daz sy keines wartende
syn, ut Institu. quibus alienare liceat vel non § cum enim lex Iuliam39. Vnde dorumme mag den frouwen ire lipgeczucht nymant brechen, wider geboren erbe,
noch ymand, an den is gesterben mag.
Jr sollit wissin, alz man vint in dem ss li. i ar. xxi40, wie eyn wip ire morgingabe vorlisin mag, daz nach rechtem vssacze des rechten billichir
heist eyne lipgeczucht. Dod' vint man ix sachen, do mete man is bricht; vnde daz ist zcu uornemen, ab der man ader sien mag
die sache bewist by des mannes libe, do die frouwe zcu der antw(er)t ist. Jdoch so
ist ir eyn teil, die man nach des mannes tode vord(er)n mag, ab ir man ir gut zcu
irem libe gegeben hette, alz eyn dorff, eyn vorwerg, ader eynen wyngarten. Daz vorwirckit
sy <negenerleye'> wise41.
Czum ersten mole, ab sie daz gut vorwusten welde, ab sy wynstocke vzrotte, ader fruchtsame
boume vszhiwe; wurde sie des mit hanthaftiger tat obirczuget selbsobinde sollicher
lute, die vnbeschulden weren an irem rechte, die frouwe w(er)t der gnaden beroubit
von rechtis wegen.
Secundo. Wurde sy vor iremf' richtere obirczugit, also vor gesprochen ist, daz sy dy lute von dem gute wisen welde,
die zcu dem gute geboren weren, vnde welde daz gut also vorwusten, sy hette van rechtis
wegen die gnade vorloren.
Tercio. Ab sy daz gut vz irer gewere lisze, domete vorlore sy is ouch.
Quarto. Wurde sy ouch selbsobinde obirwunden von eynem ansprechere, daz sy des riches
vorreterynne were, domete vorlore sy ouch dy gnade.
Quinto. Ab sy by ires mannes libe ire ee mit mutwillen breiche, vnde man sy dorynne
begriffe, domete vorlore sie ouch dy gnade. Contra. Disz ist vnrecht; vnde czihe mich
an das recht, das do spricht: Eyn wip mag mit vnkeuscheit ires libis ire ere krencken, irg' erbe vorlust sy do/B 86rmete nicht, noch ir recht, <ut> ss li. i ar. v nymt der son42 ver. eyn wyp43. Solucio. Ir sollit wissin: Er meint domete vnbemante wyp, hie abir eliche; vnde
er spricht do uon erbin, hie aber von lipgedinge.
Sexto. Ab sie ires mannes tot ramete.
Septimo. Ab eynes mannes wib wider iris mannes willen mit eynem fromden manne badete
vorholen, vnde daz gemeldet wurde.
Octavo. Lisse sich eyn wip williglichen vorslissen vnwissintlichen irem manne, er
sluge sy denne vz, domete vorlore sy ouch dy gnade.
Nono. Ab sy wider sinen willen wider erlich geboth tete ader vssere, ut in autt. ut
liceat matri et avie et aliis parentibus § si vero colla. vi44.
Nota. Is45 sien sechz sachen, do ouch eyn man sine metegifft mete vorlisen mag. Primo, ab er
des obirwunden wurde, daz er des richz vorreter were. Secundo, ab er des richz vorretenisze
mete wuste. Tercio, ab er des wibis tot romete. Quarto, ab er sien wib vnerlichen
vorlien welde. Quinto, ab er sy mit vnkeusscheit beloge vnde beruchtigete. Sexto,
ab eyn man in sinem huze eyn andir wip hilde, sinem elichen wibe zcu smaheit vnde
zcu schanden, ut in autt. ut licet matri et avie et aliis parentibus <§h'> causas et que46, § si autem colla. viii47.
Ab eyn man mit rechte vmme redeliche sache von sinem wibe gescheiden wurde, vnde in
sollichir wise, daz eyn iczlichis wol eynen and(er)n gegaten nemen mochte, wy sal
der man daz wip abewisen mit rechte?
Jr sollit wissin: W(er)t eyn man mit rechte von sinem wibe gescheiden, sie behelt
doch ire lipgeczucht, die ir gegeben waz an sinem eigen. Jst is abir an lehengute
gegeben, vnde ist is vormundeschaft, sy behelt is zcu irem libe vnde volget domete
an eynen and(er)n herren; vnde dorczu alles, daz man dorczu gegeben hatte. Hette man
ir abir nicht mete gegeben, so hat sy daz virde teil an yris mannes gute, ut in autt.i' de exhibendis et introducendis reis § quoniam /B 86v vero colla. v48. Vnde spreche: Eigen ist rechte lipgeczucht49; lehn abir by iris mannesj' libe ist <irk'> gedinge, dornach ist is ir lehen50. Wenne lehen mag nymant lenger gehalden wen zcu sinem libe; alleine erbit is dem
manne, vnde nicht der frouwen51.
a so L fol. 45vb; fehlt B.b et cetera folgt B.c darüber truweschat B.d davor g durchgestrichen B.e–e mit Einfügungszeichen am Rand B.f mede- über der Zeile B.g so L fol. 46rb; fehlt B.h so L fol. 46rb; fehlt B.i so L fol. 46rb; fehlt B.j so L fol. 46vb; fehlt B.k davor be- unterpunktet B.l über der Zeile B.m vor den luten folgt B.n davor verschriebenes ore durchgestrichen B.o davor den unterpunktet B.p folgendes h unterpunktet B.q rubriziertes was eyn man dem wibe gelobit vor den eeluthen am Rand B.r über adir B.s folgendes ir unterpunktet B.t mit Einfügungszeichen über der Zeile B.u mit Einfügungszeichen am Rand B.v folgendes dornach unterpunktet B.w folgendes widdir unterpunktet B.x überflüssiger Kürzungsstrich über -nn- B.y is folgt B.z davor angefangenes k (?) durchgestrichen B.a' l. folgt B.b' so L fol. 49va; den B.c' so L fol. 49va; vnde B.d' rubriziertes wo mit eyne frauwe ire morgingabe vorlust am Rand B.e' drierley B; mancherleye L fol. 49vb.f' aus iren korrigiert B.g' davor ir unterpunktet B.h' so L fol. 50ra; l. B.i' -u- mit drei Hasten B.j' folgendes gute unterpunktet B.k' so L fol. 50rb; is B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht I 21 § 1.
2–2Vgl. Ssp.-Landrecht I 20 § 1.
4Cod. 5, 1, 5.
5Cod. 5, 1, 3.
7Ssp.-Landrecht I 20 § 1.
9Nov. 2, 1.
10Nov. 97, 1.
11Inst. 2, 8 pr. zweiter Satz.
12Ssp.-Landrecht I 20 § 1.
13Ssp.-Landrecht I 20 § 2.
14Nov. 97, 2.
15Nov. 97, 2.
16Inst. 3, 15 pr.
17Cod. 4, 1, 11.
18Ssp.-Landrecht I 15 § 1.
19Ssp.-Landrecht I 15 § 2.
20Dig. 2, 14, 1.
21Ssp.-Landrecht II 6 § 1.
22Ssp.-Landrecht II 6 § 2.
23Richtig: Ssp.-Landrecht I 20 § 6 oder 9.
24Ssp.-Landrecht I 7.
25Ssp.-Landrecht I 18 § 1.
26Ssp.-Landrecht I 18 § 2.
27Ssp.-Landrecht I 15 § 1.
28Ssp.-Landrecht I 15 § 1 zweiter Satz.
29Inst. 2, 7, 3.
30D. 8 c. 2.
31Ssp.-Landrecht I 52 § 1.
32Richtig: Ssp.-Landrecht I 20 § 6 oder 9.
33Richtig: Ssp.-Landrecht I 21 § 1.
35Inst. 1, 8, 2 vierter Satz am Ende.
36Inst. 1, 21 pr. letzter Satz.
37Nov. 91, 1 zweiter Satz.
42Ssp.-Landrecht I 5 § 1.
43Ssp.-Landrecht I 5 § 2 letzter Satz.
48Nov. 53, 6.
49Vgl. Ssp.-Landrecht III 75 § 1.
50Vgl. Ssp.-Landrecht III 75 § 2.
51Vgl. Ssp.-Landrecht III 75 § 3.