Artikel 19
Articulus XIX
<Summarium> Von des burgermeisters gerichte.
<Textus>
[19 § 1] Wo man eynen burgermeister kusit yn eyner stat, den kust man zcu eynem iare; vnde
hat die gewalt, daz er richten mag obir allerhande wane masze vnde vnrechte woge vnde
vnrechte scheffila, vnde obir allerhande falsche spisekouff, wer clein brot vorkouft <add(e)rb vngebe fleisch vorkoufftb>, vnde obir marckthacken, daz sy rechten kouff geben. Vnde missetete eyner obir daz
gesaczte recht, der wettet dorum/B 72rme hut vnde har, ader eyne phundische marg, daz sien driszig schillinge.
[19 § 2] Jr gesecze ist, wenne man eynen schowp vff dem marckte vfrecket, so sollen dy marckthacken
nicht kouffen, daz sy vorbaz vorkoufen wollen; wenne abir der schoub yngeczogen w(er)t,
zo mogin sy kouffen, waz sie wollen, alzo daz sy der stat kore nicht en brechen.
[19 § 3] Brechen sy aber der stat kore, sy wetten, alz vor gesprochen ist; daz stet an der
ratmanne kore, waz sy nemen wollen. Nemen sie wol die pheninge, so ist der hacke doch
rechteloz vnde erloz.
Glosa
Als wir hir vor in dem nehisten articulo gesprochen habin von den drierleyen namen
des richters.
[19 § 1] Nu wolle<n> wir <d>ene mittilsten namen <nennenf> vorderlichen in dissem gheinwertigen articulo; wen(ne) er hat gewalt, das er mit
der wiczigisten rate /B 72v der gemeinen nucz regiren sal. Vnde dissin heissen sy eynen burgermeister, vnde der hat sinen namen von dem ammechte, wenne worumme er sal <syneg> eytgenoszin halden, alz derh meister sine schulere. Vnde spricht alhy von virley sunderlichen stucken. Do mitte
rurit er vir sunderliche stucke, die czu dem gemeinen nucze gehoren.
Das erste ist daz masz. Vnde bie dem masze gibet er zcu uornemen, daz man kein andere masz habin sal zcu
keinerhande getrencke, daz man schencket zcu veylem kouffe, is sy denne geczeichent
mit der stat czeichen; vnde daz hat der stat rat mit dem burgirmeistere zcu seczen,
nach dem daz sy kysen der gemeinen zcu nucze zcu komen, is sie an byre, an wyne, an
mete, adir an and(er)m getrencke, das man mit masze gibit vnde schencket.
Mit der wage ruret <eri> hy dy cramere vnde alle dy, die mit gewichte vmmegehen, vnde allerhande kouffenschacz,
die zcu der wage gehoret. Vnde sunderlichen mogen sy kysen, waz der stat gewichte
sy, an swerem gewichte zcu den ysenkramen, an geringem gewichte, daz czu cramgewichte
horet. Das sal der stat rat also bestellen, das der gemeinen recht geschee. Vnde ir
cromermeister sal daz gewichte vffheben mit czwen ratmannen, yn vir wochen eyns zcum
mynsten.
By dem scheffile sal man vornemen allerhande maesz, die zcu kornej vnde zcu salcze vnde zcu and(er)n messen gehoren, die ouch zcu der gemeinen nucze
gehoren; vnde sunderlichen die <ellenk der gewantsnyderk> ader lynwantsnyder, ader welchirhande die ware ist, die man mit elen mist. Wenne
<inl allenl> dissin stucken ist der stat rat gewaldig mit der wiczigisten rate, ut C. de legibus
et constitucionibus l. leges1, <et> C. de fide instrumentorum l. mensura2.
Jr sollit wissen, /B 73r daz mit dissin sachen ist anders nicht mehr zcu uornemen von virley hantwerg, das
sy nicht sollen fry sien. Alleine daz wol die stat fry were, ydoch so sollen dy hantwercke
dorumme nicht fry sien; so mochten sy geseczen, do mit daz sy dy gemeine twingen;
vnde darumme so sollen sie vnder der stat rate sien, vnde der sal sie regiren. Alleine
daz eyne stat sal geregiret werden von dem fursten, vnder dem die stat gelegen ist,
doch so mag der furste der stat nucz vnde fromen so sere nicht bedencken, sunder er
mus <siem> io mit ammechtluten bedencken vnde beseczen, die der stat vnde der gemeynen nucz
zcuuor sien. Wenne eyne stat mag nicht von eyme teile sien, sunder sy mus manichirhande
lute habin. Alz ackerlute, die rurit er, do er spricht: Scheffil. Daz andere, daz sint hantwergklute, die sich mit irer hant irneren muszin, also
smede. Goltsmede vnde cromere, die rurt er, do er spricht: Wage. Gastgeben vnde kreczschemere, vnde alle, die sich hackins irneren, die rurit er,
do er spricht: Allerhande spisekouff. Czu den rechint man fleischere vnde beckere, vnde alle, die sich marcktis irneren.
So muszin ouch eyn teil tagarbeideren vnde dinstboten syn in eyner stat; vnde ouch die zcu wopen togen. Vnde die vorgnanten
alle sullen in der stat sien, dorumme daz sy der gemeinen nucz mit yrem hantwercke
dynen. Die sollen alle mit gehorsam vnder der statrate gebote sien, vnde sien sunderlich
genant in deme texte. Wenne dis ist des burgermeisters ammecht, das er die stat mit
synen eitgenoszin beware by dem eyde, den er dem herren vnde der stat getaen hat.
Wenne sie mogen willekorn eyne stat gebot, wy /B 73v hoch sie wollen, vnder sechz vndeo driszig schillinge, mit zcu buszin hut vnde har; vnde wer das losit, der w(er)t rechtelosz, <ut> ss li. i ar. lxi when man in der hanthaftigen tat3 ver. wer lip ader <huwtp>4, <et> C. ex quibus causis infamia alicui irrogatur l. dampnatos5, <et> ss li. ii ar. xiii nu vornemet6 ver. daz selbie gerichte7, <et> jn autt. de colla. et alijs capi. § nullus colla. ix8.
a mit Einfügungszeichen rubriziert am Rand B.b–b so L fol. 42rb; fehlt B.c so L fol. 42rb; fehlt B.d et cetera folgt B.e Loch im Papier B.f so L fol. 42va; fehlt B.g so L fol. 42va; sinen B.h mit Einfügungszeichen über der Zeile B.i so L fol. 42va; fehlt B.j für unterpunktetes getreide am Rand B.k–k so L fol. 42vb; ele, der gewant snyt B.l–l so L fol. 42vb; allen in B.m so L fol. 42vb; fehlt B.n -arbeidere über erbarn B.o über ader B.p so L fol. 43ra; hant B.