Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
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Articulus XVIIa
<Summarium> Von des richters errunge.
<Textus>
[17 § 1] Nv vornemet, ab der schultis ymande erret an siner clage, vnde nichtb rechtis hulffe, vnde wegerte daz mit vnrechte. Wirt er beclaget dorumme vor dem voite mit geczewge, des mus er mit den selbien geczugen entghen, die ghenner vff en but, is sien dinglute ader schepphen. Geschit disc ding vor dem voite yn gerichte, zo geczeuget man uff en mit gerichte, denne er is mit geczuge entghen moge. Wil aber ghener sines geczugis abe ghen, vnde beschuldigen en vmme sine wissintschaft, daz entphurt er em mit sines selbist hant.
[17 § 2] Wenne er beclait w(er)t vmme disze sache vor dem voite, do sal er zcu hant vmme antwerten, ab do elich ding ist; wenne er mus selber kegenwertig sien, is beneme <jmd> denne echte nodt; dy not sal er zcu hant bewisen.
[17 § 3] Vnde be/B 66rwist er die nicht, ader weg(er)t er des mit vnrechter sache, sich zcu rechte zcu byten vmme sien vnrecht, daz er missetan hat, vnde dem voite rechtis zcu helffen, zo teilt man dem voite mit rechten orteiln vff den schultheisen czen phunt, vnde ghenem die schult, do er em rechtis hot abe geweg(er)t. Alle die wile alzo er em dy schult nicht ynbrenget ad(er) selber nicht gibt, ader sich des nicht entredet mit rechte zcu dem nehisten dinge, zo mag er nymandis richter gesien, er habe sich denne der sachen erst vzgenomen, alzo uor gesprochin ist.
[17 § 4] Geschit aber die sache vmme vngerichte, do er rechtis von geweg(er)t hat, alzo vmme totslag, ader vmme dube, ader vmme kirchenbrechen, ader vmme roub, ader vmme andere sulche ding, daz an gerichte ghet, daz selbe gerichte sal obir en geen, daz obir ghennen geen solde. Do mag er wider wergelt noch busze vmme geben, ab er disser sachen obirwunden w(er)t, alz recht ist. Wirt abir eyn man yn dy frone/B 66vgewalt geantw(er)t, zcu rechte zcu behalden, vnde wirt der ledig ane sine schult, vnde ane sine vorwarlozunge, vnde an sien wiszin; jst daz vmme vngerichte, das an den halz geet, dauor muz er geben eyn wergelt; jst <ise> aber vmme dy hant, douor gibt er halb wergelt, vnde muz daz geweren uff den heiligin, ab man is nicht entperen wil, daz er ane sine schult sy ledig wurden.
[17 § 5] Eyn1 wergelt zcu wichbildef rechte, daz sien achtczin phunt1 sollicher pheninge, alzo do ghenge vnde gebe sien; eyn halb wergelt sien newn phuntg.
Glosa
Also vor gesprochin ist, wie der richter sien ding zcu wichbi<l>de rechte hegen sal, vnde wie er sinem dinge frede wircken sal, vnde vorbieten sal dingslete vnde vnlust, vnde wy nymant den and(er)n erren sal, wedir mit worten noch mit wercken.
[17 § 1] Nu wil er hie sagen von des richters irrunge. Vnde disse sache ist czwierley, in burglichin vnde yn pynlichin clagin. Burcgliche clage ist, das beide der cleger vnde der antwerter vor der clage vnde yn der clage vnde nach der clage burge blibin, so daz ir eynerh dem and(er)n nicht vor fluchtig darff werden. Pynliche <clagei> ist anders nicht mehr, wen die do vord(er)t von dem bruchhaftigin sine <vordyntej> pyn. Vnde disse czwierley sachin der clagin, die rurt er hie, vnde spricht zcum ersten <vonk> burglichir sache. /
B 67rJr sollet wissin: Hindert der schultis ader <eynl andirl> richter <eynenm> an siner clage, do sien obirrichter keginwertig ist, vnde spricht man en darumme an mit geczewge, sy sien schepphen ader dingwarten, mit den selbien geczugen mus der richter vnschuldig werden.
Jr sollit wissin: Alz wir vor gesprochen habin, daz richtere drierley sien, also belehente richtere, beuolene richtere vnde lehenrichtere, also ist ouch daz recht drierley, also geistlich, werltlich vnde lehnrecht.
Denn belehenten richter obirczuget man in dren sachin. Die erste sache ist, daz man gerichte von em gerte, vnde er daz weigerte. Were die sache burglich, vnde beclaget man den richter darumme, vnde berurit man geczewg yn der clage, so muste der cleg(er) billichir vnde ehr <eno> selbdritte obirczeugen. Bote abir der richter sine vnschult, der richter muste selbdritte entghen, vnde sunderlichen mit den geczeugen, die der clegir vff en geboten hat; vnde daz muste mit den worten geschen, wenne der cleg(er) syne clage gestelte, vnde spreiche, daz er bewisen wolde, ab er do wedir reden welde mit schepphen adir mit and(er)n dingwarten, mit alzo manichem, alzo er bedarff zcu sinem rechte; vnde bittit gerichtis, vnde gert eyner antwert. Wenne denne der richter sin antwert thut mit syner vnschult, vnde wil is vnschuldig werden, wy is em dy schepphen vynden vor eyn recht; so vint man em zcu rechte, er solle sine vnschult bewisen mit den selbien geczeugin, die der cleg(er) uff den benant hat. Jst abir die sache pynlich, so mus en der cleg(er) selbsobinde obirwinden, <ut> ss li. ii ar. xiii nu vornemet2 ver. welch richter3. Vnde obirwint er den denne selbsobinde, alz recht ist, er ist der selbien vngerichtis bestanden, vnde der pyn, dy ghen(er) solde habin geleden. Wenne worvmme lest er eynen dyp ledig, man henget en selbir, alzo den dip; daz ist zcu uornemen, ab er nicht richten /B 67v welde, ut C. de pedaneis iudicibus qui male iudicant l. i4.
[17 § 3] Obirwint man aber den richter in burglicher clage, er sal gheme sinen schaden legen, vnde ist dem voite ad(er) sinem obirherren czen phunt voruallen. Vnde die wile er sich des nicht entredet, so mag er nymandis richter gesyn. Daz ist zcu uornemen, ab man vngerichte uff en clagete mit helffere vnde geczeug. Tut man aber des nicht, vnde claget anders nicht, wen daz er en geerret habe, darumme so wettet er hie czen phunt, vnde mus schadeloz machin, den er geerret hat; die wile er daz nicht getaen hat, so mag der nymandis richter gesien, ut ff. de diversis et extraordinarijs congnicionibus l. ult.5, et Institu. de obligacionibus que ex quasi maleficio nascuntur § si iudex litem suam6. Der sachen vnde alles vngerichtis sal sich der richter sunderlich bewaren. Wen daz recht ist uil barmhercziger, wen(ne) der richter ymmer mag gesien, ut in autt. de iudicibus § oportet autem colla. vi7, <et> ff. de arbitris l. Celsus8. Wenne worumme er ist vor gote meyneidig. Welch richter nicht recht richtit, er ist sinem herren truweloz. Von dem ersten vint man xxii q. v <c.> in dolo iurat9; von dem and(er)n vint man xxii q. v <c.> de forma fidelitatis10. Er ist ouch rechteloz, gote vnde der werlde, ut iii q. viip <c.> infames11. Vnde darumme vorlust er syn gerichte; wen rechteloze lute mogin nicht richtere gesien, ut iii q. viiq <c.> tria12.
Nota. Kegen dem andern richtere, den obirczeuget man sollichir sachen billichir, die yn dem gerichte geschen ist, wen er is vnschuldig werden moge, ut in autt. ut nulli iudicum liceat habere loci conservatorem § et hoc colla. ix13, <et> ff. ad Trebelleanumr l. iii14, <et> C. sentenciam rescindi non posse l. neque15.
Wenne worumme er mus do selbist keginwertig sien in gerichte, alzo hie, vnde in deme ss li. i ar. lix allerhande16 ver. is mag kein richter17, et ss li. iii ar. xlvi die Duczschen sollen18 ver. durch daz19. /
B 68rNota tercio. Den beuolen richter mag man solichir sache obirczeugen, ab er eynem teile genediger were denne dem and(er)n, alzo der vndersesse sinen herren, ader eyn herre sinem vndersessin, ut xxii q. v <c.> de forma fidelitatis20. Ad(er) ab er des eyn herre were, <ut> iii q. v <c.> accusatores21. Ader ab er des eyn vint were, e. causa et q. <c.> accusatores <ets> testes22.
Nota. Den lehnrichter obirczugit man in sinem gerichte mit sinen mannen, ut de usu feudorum ar. ix23.
[17 § 4] Geschit abir dy sache et cetera. Jr sollit wissin: Vngerichte ist die clage, dy eyme an den liep, ader an hant, ader zcu hut vnde zcu hare geth; vnde sprechen ,an den lip‘, alz vmme totslag ader vmme mort, <ut> ss li. ii ar. xlii nu vornemet24 ver. alle mordere25, <et> xxiii q. v <c.> de occidendis hominibus26.
Daz wisse ouch: Dewbe vnde roub vnde alle sulliche sachen, weigerte der richter rechtis dorobir, er were selbir des vngerichtis voruallen, alzo vor gesprochen ist. Vnde do mag er widir wergelt noch busze vor geben, wen man vordirt dy pyne obir en, ut C. de pedaneis iudicibus qui male iudicant l. i27.
Nota. W(er)t eyn man geantw(er)t in die fronegewalt et cetera. Jr sollet wissin: Das ist abir czweierley zcu uornemen. Wurde eyn man vmme burgliche sache geantw(er)t also, daz doch selden geschit, vnde qweme der weg ane des richtirs vorderunge, vnde beschuldigete man den richter darumme; er bewisete dis mit sines selbist hant alleine, daz er ane sine wissintschaft weg komen sy. Jst abir die sache pynlich, vnde komet er weg, en hilfft dy vnschult darczu nicht, die er alleine tut, sunder er mus abelegin deme, der en in dy vronegewalt geantwert hot, mit dem wergelde. Jst is vmme das houptt, so ist <isu> eyn gancz wergelt, daz sien achtzen phunt; ist is vmme dy hant, so ist is eyn halb wergelt, /B 68v ut ss li. ii ar. xvi die gewere28.
Notav eyne frage: Were is nu nicht bessir, daz man eynen misseteter ledig lisse, wen daz man en totte? Dis vorantwerten die theologi, vnde sprechen: Js were wol besser, daz man dem missete<te>re vorgebe, vff daz daz em got ouch vorgebe; wenne worumme vnsers tegeliches gebet steit uff disser antwert, do wir sprechen: "Vorgib vns vnser schult, also wir vorgeben vnsern schuldigern29."
Solucio. Disz vorantwerte<n> wir, vnde sprechen: Schult zcu uorgeben hot czwierley syn. Dy schult, die eyn man weder mich tut, do sal ich mich selber nicht an richten, die sal ich vorgeben; uff das spricht daz ewangelium: "Vorgebit, so w(er)t uch ouch vorgebin30." Dy andere schult ist weder des rechtis geboth, vnde do mit bricht man wider got, vnde daz moge<n> wir nicht vorgeben; vnde hetten wir darobir barmherczigkeit, so tete<n> wir ouch wider gotis gebot; wen got gebewt, den raten vz dem weiszin zcu geten31; vnde uff das das wir die bosen <anw yrer boszheyt nicht sterkenw> vnde irer bosheit nicht teilhaftig werden, darumme sal man dem misseteterx anlegin eyne korcze pyn, daz man die ewige pyn domete vortribe. Wenne wo daz werltliche orteil obir geet, do sal gotis <czorny> mete gese<n>fftit werden, ut xxiii q. iiii <c.> si ea de quibus32. Wenne in sollichen sachen, do man mit rechten orteil den missete<te>r obirwint, vnde obir en richtit, in sollichen sachen ist kein man schuldig, er sy richter <add(ir)z> schepphe, also verre, also der misseteter der sachen schuldig ist, ut xxiii q. iiii <c.> illud eciam33.
a rubriziertes et cetera folgt B.b mit Einfügungszeichen am Rand B.c folgendes nicht unterpunktet B.d so L fol. 39ra; fehlt B.e so L fol. 39rb; fehlt B.f davor nicht getilgtes wih B.g et cetera folgt B.h so daz ir eyner folgt B.i so L fol. 39va; fehlt B.j so L fol. 39va; vordirte B.k so L fol. 39va; fehlt B.l–l so L fol. 39va; eynen and(er)n B.m so L fol. 39va; fehlt B.n rubriziertes ab man den richter obirczewgen mag am Rand B.o so L fol. 39va; fehlt B.p darüber vi B.q davor v B.r letztes -e- mit Einfügungszeichen über der Zeile B.s so L fol. 40ra; vel B.t davor ho durchgestrichen B.u so L fol. 40rb; fehlt B.v rubriziertes ab is bessir (folgendes were durchgestrichen) ist, daz man eynen misseteter ledig lest, wen daz man en totit am Rand B.w–w so L fol. 40va; fehlt B.x letztes -t- aus r korrigiert B.y so L fol. 40va; czorm B.z so L fol. 40va; fehlt B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht III 45 § 1 letzter Satz.
2Ssp.-Landrecht II 13 § 1.
3Ssp.-Landrecht II 13 § 8.
4Cod. 7, 49, 1.
5Dig. 50, 13, 6.
6Inst. 4, 5 pr.
7Nov. 82, 10.
8Dig. 4, 8, 23.
9Richtig: C. 22 q. 2 c. 1.
10C. 22 q. 5 c. 18.
11C. 3 q. 7 c. 2.
12C. 3 q. 7 c. 1 Gratian.
13Nov. 134, 3 oder 134, 6.
14Dig. 36, 1, 3.
15Cod. 7, 50, 1.
16Ssp.-Landrecht I 59 § 1.
17Ssp.-Landrecht I 59 § 1 erster Satz Mitte.
18Richtig: Ssp.-Landrecht III 52 § 1.
19Richtig: Ssp.-Landrecht III 52 § 3 Mitte.
20C. 22 q. 5 c. 18.
21C. 3 q. 5 c. 2.
22C. 3 q. 5 c. 2.
23Ssp.-Lehnrecht 9?
24Richtig: Ssp.-Landrecht II 13 § 1.
25Richtig: Ssp.-Landrecht II 13 § 4.
26C. 23 q. 5 c. 8.
27Cod. 7, 49, 1.
28Ssp.-Landrecht II 16 § 1.
29Matth. 6, 12.
30Luc. 6, 37.
31Vgl. Matth. 3, 12.
32C. 23 q. 4 c. 50.
33C. 23 q. 4 c. 46.