Artikel 14
Articulus XIIII
<Summarium> Wie der phalcz zcusampne komen sal, vnde wie man die herren dorczu laden sal.
<Textus>
[14 § 1] Also moget ir horen vnde vornemen, wy der phalcz sal zcu sampne komen, vnde wil
uch ouch entscheiden vmme dy ding, alz hie uor gereth ist. Der schultis sal nemen
der stat brief; doran sal ouch ir ingesigil hangen. Diszin briff sal er senden dem
hochsten voite des gotishuses, daz ist der burcgraue zcu Meideburg; der sal darczu
nemen sines selbst briff; vnde sal ouch dorczu nemen des bischoffs brieff; dorczu
<sal> er nemen des koningis brief, ab er in Deuczschin landen ist, vnde sien ingesigil
doran hengin.
[14 § 2] Disze briue sal nemen der burcgreue von Meideborg, vnde sal dy senden dem herczugen
von Sachzin, by deme dy mit dem orteil geczagin haben, vnde mit der achtvndeczwenczig
manne rate vnde orkunde, daz ich och hie genant habe. Dornach sal er dy briue senden
dem von Brandenborg. Czum dritten male sende er sie dem /B 54r phalczgreuen von dem Ryne. Dis sien dry leyenfursten, die dy ersten an des richz
kore sien, wen man eynen koning kusit von Dewczschen landena.
Glosa
[14 § 1] Uon dissir ladunge wollen wir nicht uil sagen, wenne hie ist nicht uil behendis
an, daz vns zcu vnserm rechte nucze sien moge; vnde is ist nicht anders zcu uornemen,
wen(ne) also der text lyt. Wenne do der keiser Otto der rote disse constitucio saczte,
do waz sine meynunge nicht mehr, wenne: Weme zo eyn orteil gefunden wurde zcu Meideburg,
vnde daz strafte, der sulde die strafunge mit keinem freuile bewisen, sunder mit rechte.
Ouch ist daz sine andere meynunge, daz sich die schepphen nicht vorgeszin sollen an
deme, der ir orteil straft; vnde darumme so seczit er hie disse wise der straffunge.
Jdoch sollit ir en wenig wissin, vnde mehr vornemen. Er saczte ouch hir dis recht
durch sunderlichir sache wille, nicht alleine durch der von Meideburg, sunder ouch
durch andere stete wille, dy ir recht zcu Meideburg holen. Vnde dy meinen, is were
yren schepphen eyne grosse smaheit, sulde man ir orteil straffin; js muste ghenem
an den halz ghen. Sollichem vorsacze gibt er hir eynen rath, daz sie daz nicht thun
sollen. Wen worumme jst eyner eyn schepphe, darumme kan er nicht alle recht. Js steit
lichte der vor der bang, der mehr rechtis kan, denne der dorynne siczit; vnde funde
man denne deme eyn vnrecht vor eyn recht, vnde swiget er dorczu, vnde wedirspreiche
er daz nicht zcu der stund, vnde welde er is denne dornach widirsprechin, nach der
czit, also das orteil gegebin ist, <dasb mag er nicht thun, ut ss li. ii ar. vi1. Hir ist keginb,> ut in autt. de appellacionibus et intra que tempora debeat appellari § i colla. iiii2.
Solucio. Disse czweyunge, do disz von zcu komet, ist douon, daz man in vnserm rechte
/B 54v <fragetc>, ab er daz volbort vor eyn recht, daz der schepphe funden hat vor eyn recht. Doch
spricht der richter: "Wilt du wedir daz orteil icht sprechin?", spricht er denne:
"Neyn", so ist do eyne volbort, sint mag er is nicht wedirsprechin, ut ff. de regulis
iuris l. nemo3. Mit der volbort, alzo er spricht, er wolle wider daz orteil nicht, so hat daz orteil
craft, vnde heist denne erst eyn orteil. So mag man is dornach nicht widersprechin,
ut C. sentenciam rescindi non posse l. inpetrata4.
Vnde ouch so seczit er disz, daz der richter zcu keinem vnrechten orteil uolge geben
sal; sunder er mag sprechen: "Konnit ir uch nicht geynen, so schribit is uff uwir
beider gelt, ader brenget is yn den rath, vnde wegit is bas." Wenne solde daz vorgang
habin, daz man kein orteil straffin sulde, worczu were denne beschrebin recht? Wenne
is richtit nyma<n>d recht nach sinem whan adir duncken; wen wer do wenet, der weis
nicht vor war; wenne mit whane toug der gloube nicht, ut C. de summa trin<i>tate et
fide catholica l. indubitanter5.
Alz ist is vmme daz recht. Wer yn czwiuil eyn orteil spricht, der mag disz nicht geweren
vor eyn recht. Wenne spreiche nu eyner: "Daz orteil ist vnrecht, gote, vnserm herren,
vnde vnserm herren, dem koninge, vnde siner stat, armen vnde richen", spreiche denne
der schepphe, der daz czwiuil orteil gefunden hatte: "Ich habe is geteilt vor eyn
recht, vnde hot mich geducht eyn recht orteil", spreiche denne ghener do widir: "Nach
demmale daz der schepphe spricht, er habe eyn orteil nach whane funden, douon ich
zcu schadin were komen, ab ichz vorswegin hette, bitte ich yn eynem rechten zcu irfaren,
ab mir daz orteil, daz er yn czwiuil funden hat vnde yn wane, zcu schaden komen mochte
adir moge, vnde ab er is icht bewisin solle, daz er is nicht besser gewust habe, adir
waz darumme recht sy."
Nota. Hiruff ghet sollich orteil. Spricht der schepphe das vor /B 55r eyn uolkomen recht an<e> allen czwiuil, vnde daz er is nicht besser gewust habe,
vnde gewert daz, also recht ist, is blibt eyn orteil; rurt aber der schepphe czwiuil
daran, so mag is kein volkomen recht gesien, ab er is wol geweren welde. Wen wer in
czwiuil sweret, der ist meyneidig, ut xxii q. ii <c.> in dolo iurat6.
Jr sollit abir wissin: Dissir mus daz orteil ersten straffen, alz recht ist; vnde
spricht der schepphe, er habe daz orteil funden, alz recht ist, vor eyn recht, vnde
wuste er is nicht besser, vnde welde daz bewisen, wie is em eyn recht irteilt, zehit,
zo blibt der schepphe ane wandil, <ut> ss li. ii ar. xii wer dem and(er)n7 ver. fraget man eynen8. Vnde darumme so haben sy eyne wise, dy nicht zcu laben ist, die do wollen, daz man
ire tumheit nicht straffen sulle, wen(ne) worumme alle recht geben, daz man eyn vnrecht
orteil wol straffen moge, ut in autt. <ded> appellacionibus et intra que <temporae> debeat appellari § i colla. iiii9, et in autt. de hijs que ingrediuntur ad appellandum § hiis autem modis colla. v10, <et> C. de appellacionibus per totum11.
Jn geistlichem rechte berufft man sich ouch, wo man eynen mit vnrechtem banne beswerte,
ut extra de sentencia et re iudicata c. ad apostolice12. Wenne worumme is ist nyndert eyne suche, do ist eyne erczttye vor, ut C. de legibus
et constitucionibus l. quod <medicamentaf>13. Vnde darumme seczt er solliche wise alhie, wy man der schepphen orteil von Meideborg
gestraffen moge, die des rechtis vzgebere sien. Noch uil mehr straffit man der orteil,
die daz zcu Meideborg holen muszin; wenne wer do fulit, daz er wider recht beswert
wert, der neme daz recht zcu hulffe, vnde bescherme sich do mete, ut ii q. vi <c.> liceat appellatori14.
Jr sollit wissin: Ab is sache were, daz yn eyner stat boze gewonheit were, so daz
sy welden, daz ir orteil nymant straffen sulde, vnde wer do wedir tete, der solde
lichte /B 55v lip vnde gut vorlisen; is geschege, das eynem eyn vnrecht orteil funden wurde, daz
offinberlich vnrecht were, vnde nu torste der is nicht straffen, vnde der forchte
wille, so wurdeg jog vnrecht recht.
Nota. Uff sollichh geschichte ist recht gesaczt, wy daz man mit des rechtis saczunge boser lute torstigkeit
sture, ut iiii di. <c.> facte sunt leges15. Wem dis geschege, ader sich besorgete, daz man em eyn vnrecht orteil funden welde
ader wurde, deri kome an den stat herren, vnde spreche: "Zcu thedingen habe ich in uwer stat, vnde
forchte, daz mir zcu korcz mochte geschen an mynem rechte, des kan ich keine wege
vinden, wie ich daz bewaren moge kegen uwer gnade, vnde kegen uwer stat, vnde kegen
dem gerichte; des haben sy eyne gewonheit, des weis ich nicht, ab is uwir wort ist,
ader nicht, daz man ire recht nicht straffen solle. Ouch wollen sy is nicht schriben
an die stat, do man daz wichbilde recht beschirmet; vnde wer ir recht straffen welde,
der solde do kegen seczin lip vnde gut. Noch deme denne daz jr eyn herre siet der
stat, vnde eyn beschirmer des rechtis von rechtis wegen, vnde eynen iczlichen beschermen
sollit vor vnrechte vnde vor vnrechter gewalt von uwers ammechtis wegen", ut xxiii q. v <c.> regum officium est16, "wenne ich getruwe gote, vnde dem rechte, vnde uw(er)n gnaden, daz ir mir helffit
wege vynden, daz ich mich moge mit gote, vnde mit des rechtis hulffe, vnde mit uw(er)n
gnaden vnrechtis orteils irweren, wen(ne) ich uch in sollichin sachen ymandes zcuuor
gebin welde".
Nota. So sal sich der herre dorane bewisen, vnde vragin, waz die sache ist, vnde worumme
sy ist. Jst is ouch also gewant, daz dy burgere mit des herren wille solliche gewonheit
habin, fulit denne der beswerte man, daz em der herre nicht bystehn wolle, er mag
is sinem /B 56r obirhern ouch vorlegin; der sal dorczu thun, vnde dissim schribin, daz er sine burgere
vnderwise, daz sy dissim des rechten ghuͤnnen; wegirt er des vnde die stat, vnde sprechen lichte von irem rechte, daz sy yn
irer stat hetten, daz welden sy em zcu eynem volkomen rechte seczen; disser abir torste
nicht dar, vnde vorschrebe sich ghein der stat vnder des obirsten herren jngesigile;
eyn ortil solde man nu sprechen; disser torste vor <angstej> synes libis vnde gutis zcu dem orteil nicht gestehn; vnde czoge sich mit dem orteil,
vnde beruffe sich an den herren, do sy zcu rechte vor stehn sullen; do wil er zcu
rechte dem orteil gestehin, daz sy em daz orteil vor dem rechten hern sprechen sullen;
weig(er)n sy daz, so lade der herre, der von synent wegen alzo geschrib<en> hat, dy
stat vor den koning. Do mussin sy gesteen, vnde mussin antwerten vor dem koninge vmme
die wilkore, die sy wider eyn gemeine beschrebin recht getan haben. Dornach muszin
sy daz orteil teilen; so mag is ghenner straffen, ab is em not thut, ut ii q. vi <c.> quisquis probatus fuerit17.
Jr sollit wissin, das man kein wilkor wider eyn beschrebin recht tun moge, <ut> xii di. <c.> diuturni mores18; js were denne, daz in dem rechten von sollichen sachen, do man dy wilkore vmme getan
hette, nicht beschreben hette, ut xi di. <c.> in hiis rebus19. Vnde daz ist vmme orteils straffunge nicht, alzo vor gesprochen ist.
Ouch sollit ir wissin: Wil eyner aller muhe vnde erbeit nicht habin, vnde hat eyn
orteil vsze steheen, er mag wol bescheidenlichen sprechen: "Uff das mir vnde mynem
wedirsachen nicht zcu korcz <gescheek>, lost is holen vff vnsere vrie pheninge an der stat, do wir vnser statrecht nach
der stat vzsaczunge zcu rechte holen sollen." Spricht denne sien widersache, em genuge
an deme rechten wol, daz em dy hern do vinden werden; /B 56v sprechen denne die herren, sy habin selber irl recht, sy bedorffin sich nyndert hyn czihn, so mag disser wol uff sien gelt holen
lassen, vnde warte ouch gar eben, daz er schribe nach der schepphen gewissintschaft,
so daz er is mit den schepphen volkomen moge, ab is em not wurde. So mag er irkennen,
ab man em recht teilen wurde, ader nicht. Wil man em daz nicht ghunnen, der beware
sich des vor vnrechter gewalt, vnde warne sich vff borgin, vnde hore zcu dem orteile.
Teilt man em recht, er dancke gote vnde dem rechten; teilt man em vnrecht, er straffe,
alzo is recht ist, vnde bitte der boten; vnde wegirt der richter, der zcu geben, weder
recht, daz er zcu rechte nicht thunm sal, <ut> ss li. ii ar. xii wer dem and(er)n20 ver. schilt man eyn orteil21, vnde wegirt des der richter, vnde beclaget disser den richter dorumme, er vorlust
sien gerichte domete. Jch rate obir alle sachen richtern vnde schepphen, daz sy mit
nichte solliche gewonheit halden; a<n>ders sy teten grobelich wedir daz riche.
Gescheige22 is ouch, daz sich zo eyner beriffen, so sollen sy mit nichte do wider orteilen vmme dy sache, wenne worumme sy sint der
sache keiner wise mehr richter, sunder sy steht an dem richtere der beruffunge, ut
in autt. de iudicibus § audiant colla. vi23.
Jr24 sollit wissin: In geistlichem rechte sal er synes gerichtes vnde ammechtis entperen
eyn gancz iar; richtit er dorobir, er ist ewiglichin irregularis, ut extra de sentencia
et re iudicata <c.> cum eterni li. vi25.
In26 werltlichem gerichte so ist is czwierley, jn pynlichir clage vnde yn burglichir clage.
Jst die sache burglich, so vorlust er sien gerichte. Jst sy abir pynlich, vnde wurde
der getotit, is ghinge dem richtere an den lip, <ut> ss li. ii ar. xiii nu vornemet27 ver. welch richter28, <et> C. de pedaneis iudicibus qui male iudicant l. ult.29
Nota30. Strafte eyner eyn orteil, vnde welde der richter nicht darczu thun, /B 57r disz mochte der clagen deme bisschoue des landes, wy wol er eyn leye were. Der mag
en twingen, vnde em dorczu gebyten, alzo vaste, alz des landes herre, daz er dem orteil
stat gebe. Weig(er)t er des, der bisschoff gebe em sinen brieff. Do mit volkomit er,
also mit dem boten, <ut> jn autt. ut deferen. iudi. audire interpel. allega. cogan.
ab episcopis hoc agere licet § si tamen colla. ix31, et extra de foro conpetenti c. transmissa nobis32.
Vnde dis geth vnde liet an dem richtere, alzo hie steit in dem texte: Der schultheise sal die briue nemen, vnde senden dem burcgreuen. Vnde daz ist ouch also andirswo zcu uornemen.
a et cetera folgt B.b–b so L fol. 32va; fehlt B.c so L fol. 32vb; fehlt B.d so L fol. 33ra; in B.e so L fol. 33ra; tempore B.f so L fol. 33ra; modicamenta B.g–g am Rand B.h uff folgt B.i rubriziertes Nota cautelam am Rand B.j so L fol. 33va; angesichte B.k so L fol. 33vb; fehlt B.l folgendes g unterpunktet B.m noch einmal nicht thun folgt B.n aus begriffe korrigiert B.
1Ssp.-Landrecht II 6 § 4.
2Nov. 23, 1.
3Dig. 50, 17, 43.
4Cod. 7, 50, 3.
6C. 22 q. 2 c. 1.
7Richtig: Ssp.-Landrecht II 11 § 3.
8Ssp.-Landrecht II 12 § 9.
9Nov. 23, 1.
11Cod. 7, 62.
12Richtig: VI 2, 14 c. 2.
13Richtig: Accursius, Glosse zu Cod. 1, 17 (14), 8 ad v. promulgandam (Venedig 1581 IV S. 109); vgl. Nov. 111 pr.
14C. 2 q. 6 c. 1.
15D. 4 c. 1.
16C. 23 q. 5 c. 23.
17C. 2 q. 6 c. 19.
18D. 12 c. 6.
19D. 11 c. 7.
20Richtig: Ssp.-Landrecht II 11 § 3.
21Ssp.-Landrecht II 12 § 4.
25VI 2, 14 c. 1.
27Ssp.-Landrecht II 13 § 1.
28Ssp.-Landrecht II 13 § 8.
29Cod. 7, 49, 2.
31Nov. 86, 4.