Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 120››
Articulus CXX
<Summarium> Von hunern.
<Textus>
[120 (119)] Ulihen ouch hunere yn eynes vromden mannes huz, vnde thun dy schaden, mag er sy begriffen, er mag en dy flittiche abehouwen, vnde mag sy widder sendena.
Glosa
[118 (117)] Jr sollet wissin, das zcu dissin vogiln sien gerechent alle vogele, die man durch lust helt. Wenne dy vz eynes mannes geweren komen, so sien sie gemeine, vnde wer sy irkriget vnde vehit, der behelt sy recht vnde redelich, alz syngende vogil; vnde disse sien allerley wyse wilder natur, <ut> Institu. de rerum divisione § pavonum et columbarum1. Vnde dorumme sien sy gemeine; vnde wer sy irwischit, der behelt sy mit rechte. Vnde darumme wer sy habin wil, der sal sy behalden in sinen vorsloszin geweren; /B 200r vnde die wile er sy in sinen geweren hat, so syn sy <synb>, <ut> Institu. de rerum divisione § fere igitur bestie2.
Czu dissim sien ouch gerechent eychhornere, wesilchin, mardere, vnde andere tyrlyn, dy wilder natur syn. Dy sien ouch des, der sy irwischit, ut Institu. e. ti. § quicquid autem horum3.
Jr sollet wissin: Alleine das dy vorgnanten vogil vnde tyr wilder natur sien, man mag doch dube dorane beghen, ut Institu. e. t. § et hijs que lucrandi animo4. Vnde wurde er in hanthaftiger tat begriffen, vnde mit gerufte vor gerichte brocht, man mus richten zcu haut vnde zcu hare, sint er dube claget, <ut> ss li. ii ar. xiii nu vornemet5 ver. geschit abir eyne dube6, <et> ff. de dampno infecto l. si proprietarius7. Jch rate abir, das solliche sache kein man mit gerufte clagen sal, sundir mit slechter clage, ab er is nicht entperen wolde, ut Institu. de iniurijs § in summa sciendum8.
Jr sollet ouch wissin: Wer solliche vogil ader tyr eyme irsluge ader totte yn synen virphelen, dy vorwarlosunge muste er bewisen, das er is vngerne gethan hette, vnde ghenem gelden mit eynem so guten adir glichen. Wil ghenner syner gute nicht glouben, so mus er daz beweren mit czwen ving(er)n. Hat er is abir yn vrefil getan, er mus eynen alzo guten phauwen ader storich, kranich, ader welchirley wise er sy, desemc widir geben mit busze vnde mit gewette, vnde syne gute dorczu geweren, alz uor gesprochen ist, <ut> ss li. iii ar. xlv wer dem andern9 ver. syngende10.
Jr sollet ouch wissin: Crymmende fedirspil, alzo valken, blaufusze, die syn ouch wildir natur, dy wile sy vngefangen syn vnde vngefessilt. Werden sy abir gefangen vnde geuessilt, vnde gewenet, zcuczuflihen, zo sint sy nicht /B 200v mehir wilde. Vnde darumme zo sint sy yo des, der sy gewenet hat, er sy wer <erd> sy, dy wile er sy nicht mit sinem guten willen vz siner gewalt lest. Wenne worumme entphlogen sy eyme, so hat er sy doch yn synem mute, das sy wider komen, wenne er wol weis, daz sy sich ludirn vnde locken lassin. Were des nicht, zo were er wilde, vnde darumme zo wurde er ouch des, der en dirwischit. Wirt er abir gevangen vnde geuessilt, vnde helt er en uff, zo weis er wol, das er sien nicht en ist, <ut> Institu. de rerum divisione § in hiis autem animalibus11. Vnde wer en denne zo geuessilt vint, helt er en vorholen, er w(er)t eyn dip, wy wol er en nicht duplich vz ghennes geweren brochte. Wenne worumme dube ist anders nicht, wenne eyne missehandelunge trogelichir vndirwyndunge fromdes gutes, ane des willen, des das gut waz, ut Institu. de obligacionibus que ex delicto nascuntur § furtum est contractacio12. Man sal abir keinen vmme solliche dube hengen; vnde darumme zo ist <ise> nicht gemeyn, ut ff. de acquirendo rerum domineo l. scervos13.
[119 (118)] Nota. Fluhit eyne bheneswarm et cetera. Nu bewist er dy andere regele, vnde ist dy: Ab eyn man wilde thir adir vogele adir benen helt in syner gewere, den vogil in deme buwere, das wilde thyr in siner gewere, dy bhenen in yrem stocke, dy wile syn sie sien. Komen sy abir obir dy gasse, adir obir ir(is) nackebuwirs czhun, er mag en do nicht volgen; wenne worumme ich mag eyme weren, in myme hafe zcu ghen, ut Institu. de rerum divisione § plane qui in alienum14. Wenne dy bhene ist eyn wildir worm. Jst, das sy vzflihen, vnde sy eyn andir vehit, vnde sy in se<i>nes selbist geweren beheldet, sy sien syn, wy wol sy eynem and(er)n entpflogen syn. Synt sy /B 201r in eyner beuten yn eynem walde, wer sy in eynem boume <besluͤstf>, des syn sy; wer sy stele, der were eyn dip. Ffliheng sy abir vz, vnde komen yn <einsh> and(er)n geweren, sy syn des, deme sy entflogen syn, ab er en uff dem fusze volget. Doch mag er en nicht gevolgen yn eyns and(er)n geweren. Dis ist ouch zcu uornemen vmme die vogele, dy yn uw(er)n boumen nysten; die sien uwir. Werden sy abir ryff vnde flucke, vnde flien weg, sy werden des, der sy dirwischit, <ut> Institu. de rerum divisione § ap<i>um quoque natura fera est15. Honing abir, das sy geworcht haben, volget nicht den bhenen, sundir is ist des, der is yn synen geweren hat.
[120 (119)] Nota. Flihen ouch hunere et cetera. Die sien nicht wilder natur. Vff das sollit ir wissin: Flighen sy wol yn eines mannes hoff, domit sien sy nicht sien; wer sy widir das behilde, der behilde sy uff sien recht, vnde alzo man sy nicht alzo bewaren kan, sy entflighen, zcu weme sy komen, vnde thun sy em schaden, irslehit er sy, er mus antwerten dorumme, ab man en beclaget, vnde das hun gelden mit synem gesatcztem wergelde, <ut> ss li. iii ar. liii nu vornemet16. Vnde darumme spricht das recht: Er vorhouwe en die flittich.
a et cetera folgt B.b so L fol. 112ra; fehlt B.c davor vnde B.d so L fol. 112rb; fehlt B.e so L fol. 112rb; fehlt B.f so L fol. 112va; vorlust B.g davor Fli durchgestrichen B.h so L fol. 112va; eyn B.i ult. folgt B.
1Inst. 2, 1, 15.
2Inst. 2, 1, 12.
3Inst. 2, 1, 12 dritter Satz (richtig: quidquid autem eorum).
4Inst. 2, 1, 16 letzter Satz am Ende (richtig: et qui lucrandi animo).
5Ssp.-Landrecht II 13 § 1.
6Ssp.-Landrecht II 13 § 1 dritter Satz.
7Dig. 39, 2, 22.
8Inst. 4, 4, 10.
9Richtig: Ssp.-Landrecht III 47 § 1.
10Richtig: Ssp.-Landrecht III 47 § 2.
11Inst. 2, 1, 15 dritter Satz.
12Inst. 4, 1, 1 (richtig: § furtum est contrectatio).
13Dig. 41, 1, 5, 5 erster Satz gegen Ende.
14Inst. 2, 1, 12 zweiter Satz Mitte.
15Inst. 2, 1, 14.
16Richtig: Ssp.-Landrecht III 51 § 1.