Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 96››
Articulus <XCVIa>
<Summarium> Von eydpheningen.
<Textus>
[96 (95)] Eytpheningeb sal kein man geben, ab der eyd mit richters orloub gelassen wirt.
Glosa
[95 (94)] Noch dem mole das wir offte gesprochen habin, wy das sich eyn man mit sinem eyde losen moge, das wollen eczliche gyczige richtere nicht. Wenne eyn man dem and(er)n recht thun sal, leget er uff ane des richters orlob, so solde der richter gewette <habinc>. Nu vorbewt hie das disser artikil, ut ff. de iureiurando propter calumpniam l. i1. Wenne worumme solde eyner domete busfellig werden, so mochte sich eynerd nymmer genug bewaren.
[96 (95)] Nota. Wurde ouch eynem eyn eyd vortragen mit des richters wille, so w(er)t em keins. Jr sollet wissin: Wenne so eyde vor gerichte gelabet werden, vnde <volleiste> er sinem widirsachen der eyde nicht, er mus darumme dem richtere wetten. Wenne der richter mit sinen dingphlichtigen sal zcu dem eyde horen, das er vulfare; volferit er nicht, er mus dem richtere wetten; volfert er, er darff darumme nicht ader keins lyden. Das meynt er hie.
Ab eyn man deme and(er)n eyde thun solde, is were darumme is were, vnde deme dy eyde gelabit wurdin wurde bete angeleget, das er der eyde nicht neme, er spreche: "Jst is des richters wille, man mag mich /B 187r lichte dirbitten." Der richter spreche: "Mynem rechte vnschedelich." Ir keiner welde deme richter abelegen, widir mit bete noch mit rechte, vnde der muste sweren, uff when ghinge der eyd, uff den cleger ader uff den antwerter ader uff den richter?
Ir sollet wissen: Wer vngerecht ist, uff den gheit der eyd. Vnde das ist ane des richters <schultf>. Wenne der richter heissit nymande sweren, er heist ouch nymande clagen, er heist ouch nymande vnrecht thun. Vnde darumme gheit der eyd uff den richter nicht, ab er des nicht entperen wil; das ist sien recht. Wenne das gewette nymt der richter von sines amechtis wegen von deme, der gebrochen hat wedir gote an syne(m) ebincristen. Vnde recht alzo der richter siczit an gotis stat jn gerichte, so nympt er ouch das gewette an gotis stat, do man gote mete bessirt, ut C. de modo mulctarum que a iudicibus infliguntur l. mulcta2.
Jr sollet wissin: Sal eyne frauwe nach eynem stebir sweren, sy hat keine holunge; swerit sy nach ir selber, so hat sy holunge czwir mit dem ersten. Das ist ouch zcu uornemen von dem manne.
Jr sollit wissin: Wo man <eideg> thun sal, die sal man thun nach der clage, ab man an deme rechten volkomen wolle. Czu eynem gleichenisze, ab is vmme erbe ist: "Das erbe, daz P. angesprochen hat, das habe ich von N. gekouft", adir: "Das hat mir P. gegeben", adir: "Ist mir anirstorben von mynes rechten vatere H., erblichen zcu besiczen, vnde hat mir das gegeben in gerichte vor richter vnde vor schepphen, dy nach der gabe irstorbin sien, das mir gote so helffe vnde alle heiligen."
Jr sollet wissin vmme der geczeugen eyde, die sollichz helffin sweren, dy sollen sprechen: "Den eyd, den P. vmme dy gabe getan hat, der ist reyne vndeh vnmeyne, das mir got so helffe vnde alle heiligen"; ader: "Dy gabe, dy /B 187v N. mit sinem eyde bewist hat, dy ist recht vnde redelichen geschen, das mir got so helffe."
Nota eynen andern eyd: "Das mir P. schult gibt, das ich em sinen frunde ader brudir vorwunt adir dirslagen solde habin, des byn ich vnschuldig, das mir got so helffe vnde alle heiligen." Syner helffere eyd sal also ghen: "Den eyd, den N. P. getan hat vmme synen bruder H., den er solde irslagin habin, der ist reyne vnde vnmeyne, das mir got so helffe vnde alle heiligen." Ader: "Den eyd, den N. zcu syner vnschult zcu bewisen gethan hat, der ist reyne vnde vnmeyne, das mir got zo helffe" et cetera.
Nota. Eyn ander eyd: "Das mir M. schult gibit ratis vnde tatis vnder rechten volleist an dem totslage, des bin ich vnschuldig, das mir got" et cetera. Jre helffere: "Den eyd, den M. an sinem tode getan hat, der ist reyne vnde vnmeyne, das mir got so helffe" et cetera; ader: "Den eyd, den P. getan hat vor die volleist, der ist reyne vnde vnmeyne, das mir got" et cetera.
Alzo ist zcu uornemen vmme allerley beschuldunge, das man io dy materia der beschuldunge yn der vnschult beneme, ab er an dem eyde <volkomeni> wolle sien. Ydoch ist das eigintlichir zcu uornemen: Wy dy schepphen den eyd vsgeben, so sal en der stebir staben; vnde wenne er em sien recht betedinget hat, alzo er zcu rechte sal, so swere er, ab er <volkomenj> an sinem rechte wolle sien. Vorfelt er eyns, <erk> irhole sichz; vorfelt er zcum and(er)n male, so hat er keine irholunge mehir. Das ist, do der richter sine eytpheninge anel hat. Geschit das vor dem burcgrauen, er wettit sechzczig schillinge3; vor dem schultheiszin acht schillinge4, <ut> ss li. iii ar. lv gebote der koning5.
a CXVI B.b ursprünglich stand Dytpheninge, in die rubrizierte falsche Initiale D- mit schwarzer Tinte E- B.c so L fol. 105rb; fehlt B.d folgendes y durchgestrichen B.e so L fol. 105rb; wolleist B.f so L fol. 105rb; fehlt B.g so L fol. 105va; vnde B.h folgendes nicht unterpunktet B.i so L fol. 105vb; wlkomen B.j so L fol. 105vb; wlkomen B.k so L fol. 105vb; fehlt B.l ursprünglich stand darane, dar- unterpunktet B.
1Richtig: Cod. 2, 58, 1.
2Cod. 1, 54, 1.
3Vgl. Ssp.-Landrecht III 64 § 4.
4Vgl. Ssp.-Landrecht III 64 § 8.
5Richtig: Ssp.-Landrecht III 64 § 1.