Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 73››
Articulus LXXIII
<Summarium> Wie man orteil straffen sal zcu wichbilderechte.
<Textus>
[73] Welch man eynen schepphen an eynem orteile straffen wil in gerichtis banne, der sal en straffen mit sollichen worten: "Herre, er richter, daz orteil, daz der schepphe vunden hat, daz ist vnrecht mynem herren vnde syner stat, nach alle dem rechte, alzo wir vzgesatczt sien, vnde wil des volkomen, alzo ich zcu rechte sal, vnde wil mich des czihn an die stat, do wir vnser recht zcu rechte holen sollen." Dornach sal er der botten bitten von dem richtere. Die sal em der richter geben von den von der bang. Der richter sal von beyden burgen haben vmme dy kost, dy darczu gehoret, vnde wer an der sachen vellet, der sal dy koste gelden.
Glosa
[73] Jr sollet wissin: Das wir orteils straffunge heissen, das heiszit man in keiserrechte vnde yn geistlichem rechte eyne beruffunge, ut ff. de appellacionibus l. i1. Disze wise des orteils straffunge vynt ir gancz vnde gar yn dem richtstige.
[72 § 1] Doch setczit er enwenig, vnde spricht: Wer eynen schepphen. Recht, ab er sprechen solde: Uwere wise lassit, vnde tut nach dissen worten mit der straffunge, ut ss li. ii ar. xii wenne man abir2 ver. wer ouch orteil schilt3, <et> ff. de appellacionibus et relacionibus l. si /B 173r quis4. Volkommit der nicht, der das orteil strafte vor der volge, zo mus er deme eynen schepphen vorbuszin, vnde deme richtere eyn gewette geben, vnde mus dy koste gelden.
[72 § 2] Jst abir volge darumme geschen, das ist, ab dy volbort der and(er)n schepphen vnde disser abetreten mit gespreiche, so mus er iczlichen schepphen eyne wherebusze geben, vnde dem richtere zo manich gewette, <ut> ss li. <iia> ar. xii wen man5, <et> jn autt. de hiis qui ingrediuntur ad appellandum § quia enim colla. v6.
Jr sollit wissen, das man keinen schepphen nach Meideburgischem rechte obirczugen mag, <ut> ss li. ii ar. xii wem man7 ver. vraget man8.
Jr sollet ouch wissen: Wo sich eyn man schepphen vormist, vnde em die schepphen gestehn, wil man den schepphen des nicht glouben, das sy zcu der czit schepphen gewest sien, sy mussen is bewisen mit irem eydeb.
a so L fol. 98ra; i B.b et cetera folgt B.
1Dig. 49, 1, 1.
2Richtig: Ssp.-Landrecht II 11 § 3.
3Ssp.-Landrecht II 12 § 5.
4Dig. 49, 1, 10 (richtig: l. si qui).
5Richtig: Ssp.-Landrecht II 11 § 3.
6Nov. 49, 1 pr. zweiter Satz.
7Richtig: Ssp.-Landrecht II 11 § 3.
8Ssp.-Landrecht II 12 § 9.