Artikel 35
Articulus XXXVa
<Summarium> Von kamphe.
<Textus>
[35 § 1] Wer1 kemphlichen gruszin wil eynen sinen genoszin, der muz den richter bitten, daz er
sich vnderwinden moge synes fredebrechers zcu rechte, den er do cziet. Wenne em daz
mit orteiln gewist wirt, daz er is thun moge, zo vrage er, wy er sich sien vnderwynden
solle, daz is em hulflich sie zcu synem rechte. So vint manb em zcu rechte: Gar geczogentlichc by dem houptloche. So vrage <erd> mit orloube, ab er sich icht entstellen solle, das er en yndert rure, daz is em
verlich sie zcu sinem rechte. Zo vint man em zcu rechte: Er solle. So griffe er en
an mit czwen vingern. Wenne er sich sien zo vndirwunden hat, vnde mit orteiln gelassin
hat, so sal er em kundigen, worumme er sich sien vnderwunden hot; daz mag er zcu hant
thun, ab er wil, ader gespreche darumme haben. So mus er em schult geben zcum ersten:
Daz er den frede an em gebrochen in wichbilde, do er fre/B 122rde vnde gemach habe. So beschuldige er en: Daz er en gewunt habe, vnde die not an
em getan habe, die er noch wol bewisen moge. So sal er bewisen die wunden ader die
narben, ab sie geheilt sien. So clage er vort: Daz er en beroubt habe sines gutes,
vnde em daz genomen hat, zo uil, das is wol kamphes wirdig sy. Disse drie vngerichte
sal er clagen zcu male. Welchz er vorswiget, do mete hat er sinen kamph vorloren1.
[35 § 2] Zo2 spreche er vort: "Do sach ich en selber, vnde schrey mit mynem gerufte, vnde habe
des gute geczeuge an mynen schrymannen; wil er hie daz bekennen, daz ist mir lip;
vnde bekennet er des nicht, ich wil es en alhie bereden selber, eddere mit myne(m) voruechten, mit alzo getanem rechte, alz mir hie die schepphen orteiln."
So magk ghenner bitten eyner rechten gewere vmme die clage, ab er wil, mit rechtem
orteil.
[35 § 3] So er denne die gewere getan hat, zo bewt er sich vnschuldig sulcher sache, alz
er en angesprochen hat. So vrage ghenner mit orteiln: Welches /B 122v die vnschult sy, wenne er en obirwinden wolle mit em selber, ader mit eynem synem
vorfechtere. So vint man em zcu rechte: Er solle die vnschult entreden mit eynem schilde
vnde mit eynem swerte. Mag er aber den kamph vor lemde nicht volbrengen, vnde tar
er sine vnschult darczu thun, er gewynt eynen vormunden mit rechten orteiln2.
[35 § 4] Eyn3 iczlichir man mag kamphes weigern deme, der wers geboren ist. Der aber baz geborn
ist, vnde spricht er den wers <gebornf> an, dem kan der gewers geborn nicht geweig(er)n mit deme, daz er baz geborn ist,
ab er en anspricht.
[35 § 5] Kamphes mag sich ouch eyn vmbesprochen man an sinem rechten weigern, ab man en gruszit
nach mittage, is were denne ehr mittage begunst.
[35 § 6] Der richter sal ouch phlegin eynes schildes vnde eynes swertis dem, den man do beschuldiget,
ab er is bedarf.
[35 § 7] Kamphes mag ouch eyn man weg(er)n sinem magen, ab er das selbsobende gewert uff
den heiligen, daz sy alzo /B 123r nahe magen sien, das sie durch rechte mageschaft nicht vechten sollen3.
[35 § 8] Der4 richter sal czwene boten geben irem iczlichem, die do sehen, daz man sie gerwe nach
rechter gewonheit. Ledern vnde lynen ding muszin sie an thun alzo uil, alz sy wollen;
houpt vnde fusze sollen vorne bloz sien, vnde an den henden sollen sie nicht wen lynen
hantschu haben; eyn bloz swert yn der hant, vnde eyns vmme gegort ader czwey; daz
steit zcu irer willekor; eynen schibelichten schilt yn der and(er)n hant, do nicht
wen leder vnde holcz ane sy; dy puckelin mogen yseren sien; eynen rog sunder ermeln.
Vrede sal man dem volke gebieten by dem halze, das sy nymande erre zcu irem kamphe.
Item: Iczlichem sal der richter eynen man geben, der em sinen boum trage; der sal
sie nicht erren, wenne ab ir eyner vellet, das er den bowm vndirschisse, ader vorwunt
wirt, ader der stangen /B 123v begert. Das mag man nicht thun, er habe denne von dem richtere orloub. Nach dem daz
dem worffe frede geboten ist, zo sollen sy des worfes zcu rechte geren. Den sal en
der richter zcu rechte irlouben. Dy orbant sollen sie von den swertscheiden brechen,
vndeg nicht hebbenh ane des richters orloub.
[35 § 9] Vor den richter sollen sy beide gegerbit ghen vnde sweren; dei eynei, daz dy schult war sy, do er en vmme beclaget hat; vnde der andere, daz er vnschuldig
syj, das en got zo helffe zcu irem kamphe.
[35 § 10] Die sonne sal man en gliche teilen, alz sy erst zcu sampne komen.
[35 § 11] Wirt der obirwunden, uff den man claget, man richtit obir en; w(er)t er aber siggehaftig,
man lest en mit gewette vnde mit busze4.
[35 § 12] Der5 cleger sal erst in den warff komen; ab en der ander zcu lange erret, der richter
sal en vor heisschen mit dem vroneboten in dem huze, do er sich ynne gegerwet hot,
vnde sal do czwene schepphen mete senden. Alzo sal man en ladenk zcum and(er)n vnde zcum dritten mole. /B 124r Kompt er zcu der dritten ladunge nicht vor, der cleger sal vfsteen vnde sich zcu
kamphe bieten, vnde sal slan czwene slege vnde eynen stich wider den wynt. So hat
er ghenen obirwunden sollichir clage, alz er en angesprochen hatte, vnde der richter
sal richten, alz der obirwunden werel 5.
Glosam
[35 § 1] Als in dem Sachzinspigele gar vil gesprochen ist, wo man vmmen orteil kemphen moge, <ut> ss li. i ar. xviii drierhande recht6 ver. das dritte7. Doruff habe<n> wir gedisputiret, ab sollich kemphen moge bestehen in dem rechte.
So habin wir ouch gesaczt von erlichen kemphen, alz vmme dube adir vmme roub, do wir
ouch gedisputirt haben, ab sollich kamph besteen moge ader nicht, <ut> e. li. ar.
xxxix die ir recht8. So habin wir ouch entscheiden von notkamphe, <ut> e. li. ar. xliio jn not<n>umfftiger clage9. So habin wir ouch von kamphe gesprochin e. li. ar. xlvii alle die vnechtig10 ver. mag der man11. Vnde habin daruff bewist, wy der kamph vz der gewonheit komen ist. Vorbaz mehr:
So habe<n> wir gesprochen von kamphe e. li. ar. xlix12. Do <wirp> bewist haben, wie das man keinen bidirman mit kamphe bestellen moge. Vorbaz mehr:
So habin wir von kamphe gesprochen e. li. ar. xlix spricht eyn gewunt man13.
So habin wir gesaczt, das kemphen sunderlich der Sachzin sy, das sie sich czihen an
ire privilegium. Vort mehr habin wir von kamphe gesprochen li. i ar. ubi supra, ab eyner eynen zcu tode sluge, vnde welde den zcu eynem fredebrechere
/B 124v mit kamphe bereden14, das man doch mit kamphe thun mochte, ab er vnbesprochen were, e. li. ar. l all sy er eyn spelman15. So habin wir ouch von kamphe gesaczt, ab eyn man sinen genosz anspreiche, ubi supra
ar.q li js ist manichir16 ver. welch schepphinbare vrie man17.
Also <wirr> dennes gar vil von kamphe gesprochen haben, dem wolle<n> wir nu eyne wise geben, wy man
eynen zcu kamphfe anreden sal, vnde spricht: Wer eynen kemphlichen. Das sollit ir mercken von allen den artickiln, die wir uch genant haben, do habin
wir uff bewisit das merer teil der behendickeit, die uff kampff gehoren, vnde ouch,
alz wir gesprochen habin, is were eyn sunderlich recht der Sachzin, ut ar. xlix spricht eyn gewunt man18, vnde ouch in der glosen, worumme is der Sachzin sunderlich mehir ist den(ne) and(er)n
leuten.
Wenne19 disz buch genant ist der Sachzin privilegium, so mochte is mit nichte ir gesyn, weren
sie mit sunderlichen sachen nicht begnat. Vnde darumme das sie eczwas sunderlichz
hirynne halden, so ist das privilegium ir privilegium, ut ff. de legatis l. iii § uxorem20.
Nach dem male das gesprochen ist von kamphe gruszin, nu bitten wir in eynem rechten
orteil zcu irfaren, waz wir doby vornemen sollen in dem rechten. Dis vorantwerte<n>
wir vnde sprechen: Kemphfen grussen ist, das man eyne(m) an sinen lip spricht, vnde
meint, schaden <czut> irholen. Sintdemmole das kemphes gruszin eyne ansprache ist, die eynem an sien lip
get, nuu fragin wir, ab kamph gesien moge mit gotlichem rechte ader nicht? Hir uff spreche<n>
wir eyn recht: Er sal mit rechte nicht sien. Vnde wollen arguiren ad partem negativam,
vnde sprechen also: Alles, das vorbotten ist yn der heiligin schrift, das ist sunde,
wer das /B 125r tut. Kamph ist das selbie, vnde darumme ist kamph sunde vnde vnrecht. Maior patet
de se, minor declaratur. Kamph ist sunde. Enczwer kamph geschiet durch czornes wille,
so das sich eyner nicht anders gerechen mag noch wolle, wenne mit kamphe; vnde czorn
totit schire den vnschuldigen alzo den schuldigen, ut xi q. iii <c.> jra prima21. Vorbasz mehr: Der kamph ist mit sunden, wenne eyn mensche wil mit kamphe vnde mit
obirmute sinen ebencristen schaden, der sien bruder ist der cristenheit; vnde wo er
so in sinem obirmute mit em kemphet, <sov thut er sundev>; wenne obirmuth ist eyne orsache aller sunde.
Maior patet. Wenne worumme obirmut hat an em rum vnde hochfart, vnde mit sollichem
gemute wil er sich irheben vnde obirwinden; vnde wer denne in sollichin sachen sinen
widersachen obirwunde, <derw> tete wed(er) gotis gebot. Wenne was eyn man em selber nicht wil, das sal er ouch
eynen and(er)n irlassen, ut i di. <c.> ius naturale22.
Minor probatur. Das kamph sunde ist, das ist war. Wenne kamph kompt von eigem willen;
alz wen(ne) man eynem schult gibit, das er io getan hat, so wil er sich domit entschuldigen,
vnde but sich darumme zcu kampffe, adir mit gleffen zcu riten; vnde wil mit sollichir
hochfart sinem ebencristen schaden wed(er) recht. Vnde wer in sollichem vorsacze stirbit,
ab er wol ioch ruwe gewonne, den sal man uff keinem kirchhoue begrabin, noch uff keine
gewiete stat, ut extra de torneamentis c. felicis23.
Vort mehr: Kamph sal ouch nicht syn, wenne kempffere sien rechteloz; wen(ne) sie sien
zcu halden alzo dy mordere, vnde dorumme sien sy rechtelosz. Maior patet. Wenne sie
toten lute mit bosem vorsacze, ut extra de homicidio voluntario vel casuali c. sicud
dignum24. Minor racionis est mani/B 125vfesta. Wenne sy vorsuchen vnsern hern got, vnde thun domete widir sien gebot, vnde
sien von dem rechte vorworffen, ut iii q. vi <c.> infames25.
Das sy ouch rechtelosz sien, das hastu ss li. i ar. xxxviii kemphen vnde ire kindere26. Vorbasz mehr: Kamph ist vorbotten. Dorumme ist er mit sunden; vnde wer widir die
gebot thut, der thut sunde. Maior patet ex racione communi. Wenne nach dem nuwen testamento
der heiligen cristinheit so ist kamph vorboten, ut ii q. iiii <c.> monomachia27. Nota vort mehr: Mit allen sachen, do sich eyn man wider recht entschuldi<g>en wil,
die sien vnrecht; wil sich denne eyner mit kamphfe vnschuldig machen, so tut er vnrecht.
Maior patet ex sufficienti probacione, minor declaratur ii q. iiii <c.> hec autem28.
Jn <oppositumx> arguitur. Alles, das das recht irloubt, wer das tut, der tut nicht vnrecht. Vort
mehr: Alles, <dasy> das recht vnuorboten hat, vnde wer deme gebote volget, vnde lest das <vorbotenez>, der tut recht. Wenne das recht wil, das man eynem iczlichen dinge sien recht thu.
Vnde thu ich denne das, das in dem rechten nicht vorboten ist, so thu ich recht. Nach
deme so were kemphen nicht vnrecht, wenne disse czitliche stritte sien eyne figure
der geistlichen strite, ut xxiiia' q. i <c.> nisi bella29. Jst is denne nicht vorboten, so ist is ouch nicht vnrecht.
Pro forma conclusionis. Czu eyner beslissunge der argument so spreche<n> wir also:
Alles, das das recht irloubt, das tut man wol mit rechte. Kemphen hat das recht irloubt,
wenne is komit von Romisschem rechte, vnde habens in dem rechte, ut Instituta de heredi<tati>bus
que ab intestato deferuntur § per contrarium30.
Nota supposiciones ex quibus correlaria colliguntur. Jr sollit wissin: Kampff ist
eyne sache, die do geschiet czwisschen czwen, die ir recht beide vor sich nemen materialiter;
vnde beide die materie des rechten /B 126r vor sich nemen eigintlichen, vnde so beide wollen gerecht sien, vnde eyn iczlichir
wil sine gerechtigkeit beschermen; wenne beschermit er sine gerechtigkeit nicht, so
wurde er vnrecht, ut lxxxiii di. <c.> error31.
Secunda supposicio. Kamph ader kamphis gruszin ist eyne willekor widir eyn gemeine
recht, eynem ydermanne zcu bewisunge siner gerechtigkeit; wo en beidersyt geczug gebreiche,
do losen sy ire gerechtigkeit uff iren lip, vnde getruwen gote, das er sich obir sy
irbarme.
Ad raciones. Ad primum correlarium. Czu der ersten racio. Alles, das man yn der heiligen
schrift vorbuͤt, wer wedir daz thut, das ist sunde. Do volborte<n> wir das groste. Zcum mynsten:
,Der czorn totit alzo mehr den vnschuldigen‘ et cetera, ut supra32. Dorczu spreche<n> wir: Wo kamph in czorne geschege von en beiden, so were der kamph
mit sunden; wenne kamph geschit von czweien personen, die ire recht beide vor sich
nemen materialiter; den volget billich wicze.
Ex supposicione prima sequitur <correlariumb' secundumb'>: Sullen sie denne beyde wicze vnde vornu(n)ft haben, so sollen sy ire vornu(n)ft
beidersyt wegen uff recht vnde nicht vff vnrecht; so ist das not, das sy uff beider
sit ir recht bewisen; vnde der cleger swere, das ghenner schuldig sy; so setczen sy
ire gerechtigkeit zcu gote. So ist dem rechten der kampff zcugegebin. Vnde totit denne
den vngerechten der gerechte, das schat em zcu der selen nicht.
Conclusio. Wir sprechen, das der kamph wol mag sien, wo der man sich siner sachen
nicht anders irholen mag, vnde nicht mehr geczeuge hot, wenne sinen namen. Das sollich
kamph sien mag, das hastu ss li. i ar. xviii drierley recht33, et infra in conclusione principali.
Czu dem and(er)n argumento, do er spricht: ,Kamph ist mit sunde, wenne eyn kamph hat
obirmut‘ et cetera34, vnde: ,Was eyn man nicht wil, das sal er ouch eynen and(er)n /B 126v vorlasen‘35. Czum grosten spreche<n> wir mit vnderscheide: Waz eyn man nicht en wil, das sal
er eynen andirn irlasen. Das ist gesprochen von naturlichem rechte. Wenne eyn man
beroubit wirt vnde geslagen, so ist das wider naturlich recht. Vnde lisse man so eynen,
den man mit rechte nyndirt angesprechen moge, em wurde lichte gebroch an sinen geczeugen.
Vnde spricht er denne eynen sollichen nicht an, so wurden die bosen do mete irfrouwet
vnde gesterckit; das were vnrecht vnde bose, vnde vndir czwen bosen sal man das mynste
bose kisen, ut xiii di. <c.> duo mala36. Vnde hot der ghennen angesprochen, vnde hat sich dirre syn zcu kamphe vnd(er)wunden;
nu hat der antwerter czwey bose vor em. Das eyne boze ist: Bekente er, zo vorlore
er den lip. Das andere bose ist der kamph: Ab er is leuckent, so trit em der cleger
zcu mit kamphe.
Pro forma supposicionis correlarie sequitur: Vnde wil en der <obirwindenc'>, wie is em von dem lantuolke georteilt w(er)t, so ist daz mynste bose, das er kemphe;
wenne das mag and(er)s nicht gesien: Enczwer er mus bekennen, <add(er)d'> das loucken. Obirwint er en, wie is em die schepphen ader lantlute irkennen, so
teilt man em den kamph zcu. Dem gloubit er, also in der supposicio steit. Nu ist der
kampff das mynste bose; wenne obirwint er den cleger, [35 § 11] so mus er en mit busse vnde <mite'> gewette lassen. Das ist besser, denne das er bekant hette. Vorlust er, er vorlust nicht mehr denne
sine vordynte pyne, ut ff. ad legem Acquiliam l. qui accusare § si quis in colluctando37.
Pro conclusione. Darumme spreche<n> wir: Synt sie sich vorbunden habin, so kemphen
sie billich; das kempffen mag en beiden nicht sunde gesien, <anf'> dem sundirlich, der do schuldig ist.
Contra. Dis ist vnrecht. /B 127r Wenne das recht spricht: Eyn man sy nehr mit siner vnschult zcu entghen, wenne en
ghenner obirwinden moge. Vnde das were hie wider, ut ss li. i ar. vii38, et <xvg'>39. Das vorantwerten wir vnde sprechin: Js ist hie wider recht nicht, vnde ist ouch
nicht vnrecht. Wen(ne) dort spricht er, was man uff eynen man spreiche mit getichte,
hie abir mit der warheit. Vnde ir sollit wiszen: Hie beschuldiget man eynen man drierhande,
vnde eyn iczlichz stucke muste eyn man schuldig werden mit soben mannen eiden; mochte
er dy achtzen geczeuge haben, so <duͤrffteh'> er nicht kemphen. Wo er abir der geczeuge nicht en hat, mit den er sine vnschult
bewisen mag, darumme muste er kemphen.
Czum dritten argumento, do er spricht zcum grosten ,kemphen, die sien rechteloz‘40, das ist war. Das sien abir kemphen, die vmme gelt vor die lute kemphen; die abir
kemphen vor ire ere, solch kamp mag sien mit rechte.
Czum virden argumento, do er spricht ,kamph ist vorboten‘41. Dorczu antwerte<n> wir alzo vnde sprechen: Kampff ist vorboten, das ist war. Wo
aberi' kamph eynem an sine ere ghet, ader an sinen lip, vnde sich an dem keines andern rechten
irholen mag, vnde er en zcu kampffe gefangen hette, vnde die gewere getan hat, so
ist der kamph mit rechte.
Czum funfften argumento ,mit allen den sachen, do sich eyn man wedir recht entschuldiget‘
et cetera42. Das vorantwerte<n> wir vnde sprechen: Das ist war. Disse weren sich abir nicht wed(ir)
recht, die sich mit kamphe mussen weren; sint ir iczlicher sien recht nicht andirs
bewisen mag, so muszin sy deme rechten vol thun, vnde mit sollichen sachen tut eyn
man nicht weder das recht. Darumme mag sollich kampff wol sien.
Ad43 raciones in oppositum et pro summa principalis conclusionis. Also wir gearguiret
habin ,was das recht irloubit, vnde wer das thut, der thut recht‘ et cetera44. /B 127v Wir sprechen: Das ist war. Jrleubit denne das recht kemphen, so ist kemphen nicht
sunde noch vnrecht. Dis vorantwerte<n> wir also: Kampff ist nicht vnrecht, wo man
uff recht kempffit. Wen vorlore wol eyn man eynen <kampffj'>, vnde were gerecht, so wurde er domete nicht vnrecht. Wen got hies die kyndere von
Ysrahel striten ader kemphen, <ut> Institu. de heredi<tati>bus que ab intestato deferuntur
§ per contrariumk' 45, <et> ff. de infamia attlete l. i46, <et> C. que res pingnori obligari possunt l. speciem47, <et> ff. de donacionibus l. donacionem48.
Jn49 dissin rechten spricht man von sollichem strite. Vnde spricht, welch gedechtenisz
alsol' nach sinem tode vorthuͤmet ist, das der keine erben lassen mochte zcu synem gute.
Hie50 vor ist gesprochen, das dis recht sunderlich der Sachsen ist; vnde vindit man is
ouch in keiserrechte, so ist is der Sachsen nicht alleine. Nota. Also uffte gesprochen
ist, das dis recht sunderlich der Sachsen ist, das ist zcu uornemen, das sy vmme solliche
sache kemphen mogen, alz vmme roub, also hie steit. Jn keiserrechte kempfet man abir
vmme keine andere sache mehir, wenne ab man eynen czege, das er des riches vorreter
were; sust nicht mehr.
Ad conclusionem. Czu der andere<n> conclusio vnde beslissunge sprechen wir eyn recht,
das sollich kamph wol sien moge, der do geschit von dem, der do gerecht ist, vnde
sich nicht anders an em gerechen mag. Darumme sal der cleger die drie vngerichte clagen
zcu eynem male.
Jr sollet wissen: Ab is not were, das eyn man also beschuldiget ader zcu kamphe gegruszit
wurde, hette er nu wol geczuge, vnde were vnbesprochen, so muste em sien geczeug nicht
helffen, <ut> ss li. i ar. xxxix die ir recht mit deube51, <et> extra de purgacione canonica c. cum dilectus52.
Nota. Wo abir kamph gescheige von freuils wille, ader in czorne, adir in welcherley
wise, sunder /B 128r alz gesprochen ist, is gescheige, das were nicht eyn recht kamph. Ouch were is vnerlichen;
wenne wer do gesigget, der w(er)t eyn morder, er sy eyn ritter ader eyn knecht; wen
em ist nicht das swert beuolen, ymande zcu toten wider recht.
Ap eyn phaffe besprochen wurde, das er eyn roubir, ader eyn dip, ader eyn vorreter,
ader eyn velschir, ader eyn kirchenbrechir, ader eyn mo<r>dir were, vnde der phaffe
werte sich mit kempfflichen worten, js queme alzo verre, das do eyn kampff gelobit
wurde <vndm'> vorborget, muste der phaffe den kampff <volbrengenn'>? Wir sprechen: Kein phaffe darff sich kampffes vndirwinden. Wenne man sal keinen
phaffen zcu kampffe vhan mit keinem rechte; wenne vormutwillet sich eyn phaffe, vnde
gelabit vnde vorborgit er den kamph, so mus er den kampff volbrengen selber, ab er
keinen gebrechin hat, domit er den kamph von em gewisen mag. Ab der phaffe eynen totit
ader lemete, hette er sine pristerschaft do mete vorloren, sint das er sich des kamphes
vndirwant, des er sich zcu rechte nicht vndirwinden sal, noch em beuolen ist? Vnde
sal man en nicht abseczen, wenne er zcu kamphe komit, vnde die platte abescheren?
Hiruff spreche<n> wir ouch eyn recht: Jst is, das eyn phaffe williglichin eyme eynen
kampff gelabit, ader ab er zcu kamphe gegruszit w(er)t, vnde er den kamph entphet,
wirt der phaffe siggehaftig ane lemde vnde ane mort, man sal en von siner phaffheit
nicht seczczen, sunder sien bisschoff sal gnediglichin mit em dispensiren; w(er)t
er abir manslechtig, adir lemet er sinen widersachen, er hot sine pristerschaft vorlorn
von rechtis wegen, ut extra de clericis pungnantibus in duello c. porro53.
Ap eyn phaffe eynen anspreiche vmme dube, ader vmme roub, vnde er mochte en nicht
obirwinden mit geczeuge, alz recht ist, vnde der antwerter /B 128v bote sich zcu kampffe nach des landes gewonheit; der phaffe gewonne eynen voruechter
ader kempffen; vnde der kemphe gewunne den kamphff vnde totte ghennen; were disser
phaffe irregularis, sint er eyn irheber waz des kamphes? Hir uff spreche<n> wir eyn
recht: Spricht eyn phaffe eynen an vmme dube, ader vmme roub, ader mag er ghenen nicht
obirwinden mit geczeuge, alz recht ist, vnde gewint er eynen kemphen mit synem gelde,
vnde gewynt der kemphe, vnde totit ghenen, der kemphe ist eyn morder, vnde nicht der
phaffe, von rechtis wegen, <ut> extra de clericis pungnantibus in duello c. Heinricus54.
Nota. [35 § 1] Der55 mus den richter bitten et cetera. Jr sollit wissin, wy er warnet hie eynen iczlichen man, vnde spricht ,der
mus den richter bitten‘, recht ab er sprechen solde, ab eyn wol wuste, von wem er
den schaden hette entphangen; dorumme sal er selbir nicht richten, sunder er sal syne
sache mit rechte vordern. Wenne mit selbrechte macht dicke <eino' mano'> sien recht zcu eynem vnrechte, ut institucione Frederici l. habita colla. x56.
Jr57 sollet wissin vnde mercken: Wer eynen zcu kamphe gruszin wil, der sal drierley sunderlichekeit
an em haben. Czum ersten sal er an em haben: Wer eynen zcu kamphe grussin wil, der
sal geczogen sien vnde vornu(n)ftig. Czum and(er)n male: Wer eynen zcu kamphe gruszin
wil, der sal is thun vor mittage. Ader ghenner mag em kamphes weg(er)n mit rechte.
Czum dritten male: Wer eynen zcu kamphe gruszin wil, der sal disse drie stucke, die
in deme texte steen, mit eynander clagen.
Jr58 sollet wissen: Das der text spricht ,ist abegetan vnde ist komen uff sobin manne
eyde‘, do mit gewynnet der cleger dem antwerter an. /B 129r Darumme spreche<n> wir nicht uil von sollichem kamphe.
Jr59 sollet wissen: W(er)t eyn man angesprochen kempfflichen, daz ist der antwerter selbsobinde
nehir zcu entgheen, wenne <enp'> der cleger obirghoen moge. Das ist zcu uornemen, wo eyn man eynem nach dem nuwen
rechte dube ader roubes anspreiche, ut in libro feudorum de pace tenenda l. ii § si rusticus60. Er werte sich anders mit sinem eyde, ut ss li. i ar. vii wer icht borgit61, et ar. xviii drierhande recht62 ver. das andere63. Wenne das recht ist uil gunstiger dem antwertere wenne deme clegere, <ut> ff. de
regulis iuris l. favorabiliores64, <et> ff. de petenda hereditate l. ii § nullam65, <et> C. de donacionibus inter virum et uxorem l. maritus66.
a rubriziertes et cetera folgt B.b doppelt B.c -t- im Wort nachgetragen B.d so L fol. 69va; fehlt B.e über der Zeile B.f so L fol. 70ra; fehlt B.g mit Einfügungszeichen über der Zeile B.h mit Einfügungszeichen über der Zeile B.i–i mit Einfügungszeichen am Rand B.j über der Zeile B.k am Rand nachgetragen B.l et cetera folgt B.m rubriziertes et cetera folgt B.n mit Einfügungszeichen über der Zeile B.o aus xlvii korrigiert B.p so L fol. 70vb; v͗ B.q doppelt B.r so L fol. 71ra; wy nachgetragen am Rand B.s davor uil unterpunktet B.t so L fol. 71ra; fehlt B.u ab kamph sin mag ane sunde et cetera rubriziert am Rand B.v–v so L fol. 71rb; ader tut sunde B.w so L fol. 71rb; ader B.x so L fol. 71va; positum B.y so L fol. 71va; fehlt B.z so L fol. 71va; geboten B.a' iii folgt B.b'–b' so L fol. 71vb; correlarie B.c' so L fol. 72rb; vndirwin B.d' so L fol. 72rb; fehlt B.e' so L fol. 72rb; fehlt B.f' so L fol. 72rb; am B.g' so L fol. 72rb; vii B.h' so L fol. 72rb; fehlt B.i' abir folgt B.j' so L fol. 72va; fehlt B.k' autem folgt B.l' davor aso (= verschriebenes also) durchgestrichen B.m' so L fol. 73ra; fehlt B.n' so L fol. 73ra; vorbrengen B.o'–o' so L fol. 73rb; eynem manne B.p' so L fol. 73va; er B.
1–1Vgl. Ssp.-Landrecht I 63 § 1.
2–2Vgl. Ssp.-Landrecht I 63 § 2.
3–3Vgl. Ssp.-Landrecht I 63 § 3.
4–4Vgl. Ssp.-Landrecht I 63 § 4.
5–5Vgl. Ssp.-Landrecht I 63 § 5.
6Ssp.-Landrecht I 18 § 1.
7Ssp.-Landrecht I 18 § 3.
8Ssp.-Landrecht I 39.
9Richtig: Ssp.-Landrecht I 43.
10Richtig: Ssp.-Landrecht I 48 § 1.
11Richtig: Ssp.-Landrecht I 48 § 2 zweiter Satz.
12Richtig: Ssp.-Landrecht I 48 § 3 zweite Hälfte.
13Ssp.-Landrecht I 49.
14Vgl. Ssp.-Landrecht I 50 § 1.
15Ssp.-Landrecht I 50 § 2.
16Ssp.-Landrecht I 51 § 1.
17Ssp.-Landrecht I 51 § 4.
18Ssp.-Landrecht I 49.
22D. 1 Dictum Gratiani vor c. 1 zweiter Satz.
23X 5, 13 c. 1.
24X 5, 12 c. 6.
26Ssp.-Landrecht I 38 § 1.
29C. 23 q. 1 c. 1.
30Inst. 3, 1, 5.
31D. 83 c. 3.
33Ssp.-Landrecht I 18 § 1.
36D. 13 c. 1.
38Ssp.-Landrecht I 7.
39Ssp.-Landrecht I 15 § 1.
43Zum Absatz vgl. Glosse zu Ssp.-Landrecht I 17 (I 18 § 3) (BG S. 232 Z. 4–10) und Glosse zu Ssp.-Landrecht I 62 (I 63 § 1) (BG S. 453 Z. 16 – S. 454 Z. 7).
45Inst. 3, 1, 5.
51Ssp.-Landrecht I 39.
52X 5, 34 c. 11.
53X 5, 14 c. 1.
54X 5, 14 c. 2.
56Cod. 4, 13 angehängte Nova constitutio Friderichi (so Venedig 1581 IV S. 484 f.) mit dem initium habita, in der es am Schluß heißt: Hanc autem legem inter imperiales constitutiones sub titulo "Ne filius pro patre
etc." inseri iussimus (MGH DF I. 243 S. 36–40). – Richtig: Lib. feud. 2, 53 (vgl. BG S. 456 Z. 5 mit Var. r und Anm. 15).
60Lib. feud. 2, 27, 10.
61Ssp.-Landrecht I 7.
62Ssp.-Landrecht I 18 § 1.
63Ssp.-Landrecht I 18 § 2.
64Dig. 50, 17, 125.