Das Sächsische Weichbildrecht mit Glosse
‹‹Artikel 136
Articulus CXXXVI
<Summarium> Von des iuden gewere. <Wiea> eyn cristin eynen iuden obirczugen sal, vnde wy eyn iude eynen cristen obirczugen salb.
<Textus>
[136 (135) § 1] Czuhit sich eyn man vmme eynen kouff vff eynen iuden zcu geweren, der wisse, das er <nichtc> geweren mag; wenne kein iude vordir /B 208r geweren mag kouffis, wenne alzo verre, alz sien husz went.
[136 (135) § 2] Beclaget eyn cristen eynen iuden vmme gelt mit geczeuge, er sal en vorczugen selbdritte ader selbandern iuden vnde eynen cristen.
[136 (135) § 3] Der iude obirczuget ouch den cristen selbandir iuden vnde eynem cristen.
Glosa
[135 (134) § 1] Sint man denne eyns iczlichen dingis, das angesprochen w(er)t, sich czihn sal an eynen geweren, darumme setczit er nu hie dis recht, vnde spricht, wo der cristen eynen iuden <beclagend> sal, vnde spricht: Vor sinem richtere. Wenne das ist zo zcu uornemen, das io der cleger volgen solle vor des antwerters richtere, ut extra de foro competenti c. <sie> <di>ligentif 1.
[136 (135) § 1] Wisse: Wer zo eynes kouffes bekennet, de<r>g sal des kouffes gewere sien, ane der iude. Vnde b<ew>iseth hie eczwas sunderlichz: Czum ersten male, da<s>i sich kein cristin man siner <gewerschafftj> uff keinen iuden geczihn mag, so das der ansprechir volgen dorffe, js w<er>ek denne, das er is geweren wolde nach eynes cristin mannes rechte. Das ist zcu uornemen, daz der iude an deme angefangenem dinge eynen <rechtenl> geweren bewisen wolde.
Wissit: Eyn cristen mus sich selbir domete czihen an eynen geweren, vnde mus selbir geweren; das darff der iude nicht thun. Vnde ist darumme zcugegeben, das eyn man syn vorlorn gut diste gwisser vint, vnde em widir w(er)t. Darumme ghan man dem iuden, das er syner vorkouffunge nymande geweren darff; vnde was man denne wedir eynen iuden /B 208v koufft, das hat man douor, das er is nicht geweren mag; wenne wer eyne bosheit tut vnde thun mag an eynem kouffe, das vorstolen ist, an deme vormut man sich, das er ouch <v>orstolenm gut <vorkoufftn> habe; wenne eyn obil volget <d>emo and(er)n, ut ff. de rei vendicacione l. ex diverso2, <et> in autt. ut iudices sine <quoquop> suffragio fiant § cogitacio colla. ii3. Vnde ir geczeugkenisze geschit yn wenigen kouffungen.
Jr sollet wissin: Totit eyn cristen eynen juden, ader tut er em vngerichte, man richtit obir en nach deme, das er an em gebrochin hat, <ut> C. de Iudeis et celicolis l. nullus tamquam4.
Slet ouch eyn iude eynen cristen, man richtetq obir en, ab er yn hanthaftiger tat begriffin w(er)t, <ut> ss li. iii ar. vii per totum5.
Jr sollet wissin: Vint man kelche, buchere, messegewant, adir welchirley heiligtum adir <g>ewyetr ding vndir eynem iuden, man helt on v<o>rs eynen dyp; is were denne vngewiet; so genust <e>rt sines geweren, ab er den gehabin mag. Jst is abir gewiet, so mag er is keinen geweren haben, wenne worumme is ist nymandis, ut Institu. de rerum divisione § nullus6.
Jr sollet wissin, das dy iuden iren eyd thun sullen noch iren sachen, <utu> xxi q. i <c.> movet7. Vnde <inv> der wise sal ir eyd zcu rechte alz der cristen eyd sien, vnde gheit also:
[Judeneid erster Teil]
"Des mir N. schult gibt, das ich en geslagen habe, des byn ich vnschuldig; das mir got so helffe, der loub vnde grasz vnde alle ding geschaffen hat, vnde myne iudische ehe."
[Ende des Judeneides erster Teil]
Vnde volfurt das mit rechte. Doch so habin eczliche lute andere wise, vnde sprechen, er solle dissin eyd vor der synagogen thun an demew torrincken, adir uff dem nagil, do sy der synagogen thor mete zcu czihn. /B 209r Das ist eyne reserie. Vnde sprechen, wy sy barfus sollen stheen uff eyner sawhut. Daz ist nicht. Ydoch so habe<n> wirs mit dissem eyde:
[Judeneid zweiter Teil]
"Das dir Yoseph schult gibt, des bistu vnschuldig, da<s>x dir got zo helffe. Vnde <aby> du vngerecht swurest, d<a>sz dich <dera'> got schende, der hymmil vnde erde geschaffen hat, vnde dorczu loub vnde grasz. Vnde ab du vnrecht swerest, daz dich der got schende, der acht menschen yn der archen Noe der singfluth irnerte8. Ab du vnrecht swerest, das dich der got schende, der Sodomam vnde Gomorram vorbrante mit dem helschen fure9. Ab du vnrecht swerest, das dich der got schende, der Moysy dy ehe beschreib mit synem vingere yn eyne steyneneb' tafele10. Ab du vnrecht swerest, das dich der got schende, der pharaonem slug, <v>ndec' dy iuden durch daz mehir trugk11, vnde furte sy yn <eind'> <l>ande', do man milich vnde honing vant. Ab du v<n>rechtf' swerest, das dich der got schende, der dy <iu>deng' spysete in Egipten lande mit dem hymmelischem brote virczig iar12. Ap du vnrecht swerest, das <di>chh' <deri'> got schende, vnde zcu dem tewfele sende, mit lybe vnde mit sele, nu vnde vmmirmere."
[Ende des Judeneides zweiter Teil]
Dissin eyd sal der iude thun uff Moyses ad(ir) Josaphas buche. Der iude sal nicht vz der synagogen ghen ane judenhut. Jr sollet mercken vnde wissin, das man eyn iczlich membrum des eydes nymet vor eynen ganczin eyd, mit der beschuldigunge, domit man den iuden beschuldiget.
[angebliches Ottonisches Privileg]
Disz habin wir, keiser Otte, vnsern ynwanerin vnde borg(er)n zcu Meydeborg gegebin mit der fursten rate, vnde mit des landes vnde iris /B 209v selbist willekore, vnde habin bestetiget zcu wichbilde rechte den selbien vnsern burg(er)n alle ire alde recht, dy sy von Constantino vnde Karolo habin, vnde alle ire gute <ge>wonheitj', wo sy nicht syn wider den heiligen c<ris>tenk' glouben. Zcu eyner ganczin bestetigunge vnde zcu eynem ewighen bekentinisze <habinl' wir dis geinwertige privilegium bestetigetl'> mit vnserer guldene<n> maiestat, dy mit vnserm secret doran gehangen <istm'>. Gegeben nach Cristi gebort nunhundirt jar ... (fehlt Text) ... jn dem dritten iare vnsers richis am dinstage in phingisten uff vnserm phalcze gheinwertiglichen vnsern korfursten, die ouch ire ingesigele habin angehangen, mit aller macht vnsers heiligen vaters Benedicti.
[Ende des angeblichen Ottonischen Privilegs]
Amen.
a so L fol. 115vb; fehlt B.b rubriziertes et cetera folgt B.c so L fol. 115vb; fehlt B.d so L fol. 115vb; beczalen B.e so L fol. 115vb; Loch im Papier B.f Loch im Papier B.g Loch im Papier B.h Loch im Papier B.i Loch im Papier B.j so L fol. 115vb; gewissinschaft B.k Loch im Papier B.l so L fol. 116ra; gerechten B.m Loch im Papier B.n so L fol. 116ra; vorstolen B.o Loch im Papier B.p so L fol. 116ra; quoque B.q mit Einfügungszeichen am Rand B.r Loch im Papier B.s Loch im Papier B.t Loch im Papier B.u so L fol. 116ra; Loch im Papier B.v so L fol. 116ra; fehlt B.w folgendes tore durchgestrichen B.x Loch im Papier B.y so L fol. 116rb; das B.z Loch im Papier B.a' so L fol. 116rb; fehlt B.b' davor stenene durchgestrichen B.c' Loch im Papier B.d' so L fol. 116rb; fehlt B.e' Loch im Papier B.f' Loch im Papier B.g' Loch im Papier B.h' Loch im Papier B.i' so L fol. 116rb; fehlt B.j' Loch im Papier B.k' Loch im Papier B.l'–l' so L fol. 116va; fehlt B.m' so L fol. 116va; fehlt B.
1X 2, 2 c. 12.
2Dig. 6, 1, 35 (richtig: l. et ex diverso).
3Nov. 8 pr. 1.
4Cod. 1, 9, 14.
5Ssp.-Landrecht III 7 § 1–4.
6Inst. 2, 1, 7 (richtig: § nullius).
7Richtig: C. 22 q. 1 c. 16.
8Gen. 6, 9 – 8, 19.
9Gen. 19, 24–25.
10Exod. 24, 12.
11Exod. 14, 21–29.
12Exod. 16, 35.